"Tagträumend schlüpfe ich in ein anderes Leben"
Verschiedene Träume im Laufe eines Lebens
Es ist Frühsommer, die Sonne strahlt vom blauen, wolkenlosen Himmel.
Ein kleines Mädchen sitzt am Waldrand und zählt die Blumen um sich herum.
"Zweiundvierzig, dreiundvierzig, vierundvierzig....."
Die Blumenwiese! Das ist ihr Lieblingsplatz. Sie wohnt mit ihrer Familie in einem Haus am Waldrand. Bis hierher sind es nur ein paar Minuten. Es ist eine kleine Ecke zwischen dem Wald und der angrenzenden Wiese, auf der meist Kühe weiden. Und hier blühen so viele Blumen!
"Einhundertdreizehn, einhundertvierzehn..."
Das Zählen macht müde. Bald hört sie auf. Sie hört auch nicht mehr das Zirpen der Grillen und die Stimmen der Vögel im Wald. Sie träumt vor sich hin:
"Ich bin schon groß und gehe in die Schule wie mein Bruder und meine Schwester. Früh am Morgen packe ich meinen Ranzen und sause los. Ich bin als Erste da. Meine Lehrerin lobt mich, weil in meinen Hausaufgaben kein Fehler ist. Ich habe schon hundert, nein, tausend, nein fünfzigtausend Fleißbildchen! Ich darf an der Tafel malen. Die Schule ist soooo schön!"
Zehn Jahre später träumt dasselbe Mädchen ganz andere Dinge:
"Ich bin eine Prinzessin und wohne in einem schönen Schloß mit großem Garten. Ich gehe jeden Abend auf ein Fest und tanze mit den schönsten jungen Prinzen aus dem ganzen Land. Eines Tages aber klettert ein strahlender Prinz" ( (komisch, der Prinz sieht genauso aus wie der junge Berufsschullehrer des Mädchens) "in wunderschönem Gewand, mit Feder am Hut, über die rosenbewachsene Mauer des Schlosses, sieht mich an, reisst mich an sich und küsst mich. Er trägt mich durchs Tor und fährt mich in seinem sechsspännigen Wagen vor die Kirche. Wir heiraten, feiern ein Riesenfest und sind glücklich."
Noch einmal 10 Jahre später ist das einst kleine Mädchen eine junge Frau, ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und ein drittes in ihrem Bauch. Nun fehlt die Zeit zum Träumen. Sie behütet ihre Kinder, wäscht, putzt, kocht und rechnet, wie sie mit dem Geld bis Monatsende auskommt.
Dann, als ihr Leben schon 35 Jahre währt, ist die Zeit des Windelwaschens vorbei. Die Kinder gehen zur Schule und sonntags kann sie mit ihnen radfahren, wandern, schwimmen gehen. Und manchmal alleine sein, denn die Kinder haben Freundinnen und Freunde zum Zielen, der Mann geht seinem Hobby nach.
Die Frau sitzt nachdenklich am Waldrand - nicht mehr derselbe Wald, auch nicht die Blumenwiese - aber das gleiche grün der Bäume, der gleiche blaue Himmel, Vogelgezwitscher und Zirpengrillen verleiten sie wieder zum Träumen:
"Ihr lieben Lerchen am Himmel, ich will mit Euch fliegen, hinaus über Dörfer und Städte, über Täler und Höhen. Wie schön muß es sein, sich vom Winde treiben zu lassen. Sorglos und frei! Nehmt mich mit, der Sonne entgegen, über Bächer und Ströme, hinaus übers Meer. Ich wuill sehen, wie weit der Himmel reicht, wie weit die Wolken treiben. Und alles Glück der Erde und des Himmels einfangen im Fluge! Liebes Vöglein, lass mich schlüpfen in dein Gewand!"
Sie schließt die Augen und fliegt im Traume davon, befreit von Verantwortung und Pflichten, lässt sich tragen über Wiesen und Wälder, über Seen, Berge, Länder und Meere.
Doch das Leben geht weiter, das Vögelchen ist längst wieder Frau und Mutter und versucht, ihre Aufgaben zu erfüllen. Doch manchmal wird das Leben schwer. Die Freude und das Lachen verschwinden, dafür fließen Tränen. In dunklen Tagen lassen sich keine hellen Träume einfangen. Doch die Seele sehnt sich nach Licht und Wärme, nach Liebe. Und findet manchmal unverhofft die Kraft, die sie braucht, um weiter leben zu können.
Die traurige Frau sucht Trost in der Natur, in der Stille des Waldes. Und plötzlich steht sie auf einer kleinen Lichtung, kreisrund, umsäumt von jungen Birken. Sie lehnt ´sich an einen der hellen Stämme und fängt an zu träumen:
"Hier steht ein verirrtes Kind, das seinen Weg sucht zurück in ein trautes Heim. Es ist schon lange unterwegs, viele Tage, viele Nächte. Es hat Durst und Hunger, friert und hat Angst im dunklen Wald. Um es herum lauern Ungeheuer, die es fressen möchten. Es versteckt sich nachts in Höhlen, aber es hört die wilden Tiere bedrohlich knurren. Nun fand es diesen magischen Ort und fühlt: 'Hier bin ich sicher, hier kann mir niemand etwas antun.'
Eine ganze Weile steht das Kind und wird ruhig. Dann hört es eine sanfte Stimme: 'Du brauchst dich nicht mehr zu fürchten, denn du bist nicht allein. Ich bin deine gute Fee, ich werde dich führen. Vertraue mir, du wirst wieder glücklich werden.'
Das Kind blickt auf und sieht die Fee davonfliegen durch die hellen Blätter der Birken. Die Blätter murmeln und raunen dem Kinde zu: 'Die gute Fee wird bei dir sein, hab keine Angst'. Das Kind setzt sich ins Moos und lässt das, was es gehört hat, eindringen bis in sein Herz. Dann endlich steht es auf und geht mutigen Schrittes zurück in den dunklen Wald."
Die Frau kommt noch öfter zum Birkenkreis. Wenn sie fühlt, dass sie Kraft braucht, um nicht unterzugehen, dann sucht sie den Weg hierher. lehnt sich an eine der jungen Birken und träumt sich das Märchen von der guten Fee, die dem einsamen und verzweifelten Kind Hilfe zusagte.
Die Kraft, die sie im Märchen gesucht hat, hat ihr geholfen, wieder froh zu werden. Sie hat ihren Weg zu Glück und Zufriedenheit gefunden, wenn auch über manch schwere Hindernisse.
Träumen will sie heute noch gerne. Am liebsten träumt sie von sorgenfreiem Leben, von Sterntalern, die vom Himmel fallen, von Reisen durch verwunschene Täler und auf verzauberte Berge in Sonne und Wärme und von Menschen im Glück.
Kürzlich träumte sie von einem kleinen Mädchen, das saß in einer Blumenwiese am Waldrand und zählte Blümchen, und zählte, und zählte....
Zu diesen vielen Millionen Blumen, die für uns Menschen blühen, gehören auch die schönen Dinge, die wir uns erträumen, denn diese Träume bereichern unser Leben. Sie geben uns Freude, Hoffnung und Kraft - und manche Träume werden Wirklichkeit!
Ein kleines Mädchen sitzt am Waldrand und zählt die Blumen um sich herum.
"Zweiundvierzig, dreiundvierzig, vierundvierzig....."
Die Blumenwiese! Das ist ihr Lieblingsplatz. Sie wohnt mit ihrer Familie in einem Haus am Waldrand. Bis hierher sind es nur ein paar Minuten. Es ist eine kleine Ecke zwischen dem Wald und der angrenzenden Wiese, auf der meist Kühe weiden. Und hier blühen so viele Blumen!
"Einhundertdreizehn, einhundertvierzehn..."
Das Zählen macht müde. Bald hört sie auf. Sie hört auch nicht mehr das Zirpen der Grillen und die Stimmen der Vögel im Wald. Sie träumt vor sich hin:
"Ich bin schon groß und gehe in die Schule wie mein Bruder und meine Schwester. Früh am Morgen packe ich meinen Ranzen und sause los. Ich bin als Erste da. Meine Lehrerin lobt mich, weil in meinen Hausaufgaben kein Fehler ist. Ich habe schon hundert, nein, tausend, nein fünfzigtausend Fleißbildchen! Ich darf an der Tafel malen. Die Schule ist soooo schön!"
Zehn Jahre später träumt dasselbe Mädchen ganz andere Dinge:
"Ich bin eine Prinzessin und wohne in einem schönen Schloß mit großem Garten. Ich gehe jeden Abend auf ein Fest und tanze mit den schönsten jungen Prinzen aus dem ganzen Land. Eines Tages aber klettert ein strahlender Prinz" ( (komisch, der Prinz sieht genauso aus wie der junge Berufsschullehrer des Mädchens) "in wunderschönem Gewand, mit Feder am Hut, über die rosenbewachsene Mauer des Schlosses, sieht mich an, reisst mich an sich und küsst mich. Er trägt mich durchs Tor und fährt mich in seinem sechsspännigen Wagen vor die Kirche. Wir heiraten, feiern ein Riesenfest und sind glücklich."
Noch einmal 10 Jahre später ist das einst kleine Mädchen eine junge Frau, ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und ein drittes in ihrem Bauch. Nun fehlt die Zeit zum Träumen. Sie behütet ihre Kinder, wäscht, putzt, kocht und rechnet, wie sie mit dem Geld bis Monatsende auskommt.
Dann, als ihr Leben schon 35 Jahre währt, ist die Zeit des Windelwaschens vorbei. Die Kinder gehen zur Schule und sonntags kann sie mit ihnen radfahren, wandern, schwimmen gehen. Und manchmal alleine sein, denn die Kinder haben Freundinnen und Freunde zum Zielen, der Mann geht seinem Hobby nach.
Die Frau sitzt nachdenklich am Waldrand - nicht mehr derselbe Wald, auch nicht die Blumenwiese - aber das gleiche grün der Bäume, der gleiche blaue Himmel, Vogelgezwitscher und Zirpengrillen verleiten sie wieder zum Träumen:
"Ihr lieben Lerchen am Himmel, ich will mit Euch fliegen, hinaus über Dörfer und Städte, über Täler und Höhen. Wie schön muß es sein, sich vom Winde treiben zu lassen. Sorglos und frei! Nehmt mich mit, der Sonne entgegen, über Bächer und Ströme, hinaus übers Meer. Ich wuill sehen, wie weit der Himmel reicht, wie weit die Wolken treiben. Und alles Glück der Erde und des Himmels einfangen im Fluge! Liebes Vöglein, lass mich schlüpfen in dein Gewand!"
Sie schließt die Augen und fliegt im Traume davon, befreit von Verantwortung und Pflichten, lässt sich tragen über Wiesen und Wälder, über Seen, Berge, Länder und Meere.
Doch das Leben geht weiter, das Vögelchen ist längst wieder Frau und Mutter und versucht, ihre Aufgaben zu erfüllen. Doch manchmal wird das Leben schwer. Die Freude und das Lachen verschwinden, dafür fließen Tränen. In dunklen Tagen lassen sich keine hellen Träume einfangen. Doch die Seele sehnt sich nach Licht und Wärme, nach Liebe. Und findet manchmal unverhofft die Kraft, die sie braucht, um weiter leben zu können.
Die traurige Frau sucht Trost in der Natur, in der Stille des Waldes. Und plötzlich steht sie auf einer kleinen Lichtung, kreisrund, umsäumt von jungen Birken. Sie lehnt ´sich an einen der hellen Stämme und fängt an zu träumen:
"Hier steht ein verirrtes Kind, das seinen Weg sucht zurück in ein trautes Heim. Es ist schon lange unterwegs, viele Tage, viele Nächte. Es hat Durst und Hunger, friert und hat Angst im dunklen Wald. Um es herum lauern Ungeheuer, die es fressen möchten. Es versteckt sich nachts in Höhlen, aber es hört die wilden Tiere bedrohlich knurren. Nun fand es diesen magischen Ort und fühlt: 'Hier bin ich sicher, hier kann mir niemand etwas antun.'
Eine ganze Weile steht das Kind und wird ruhig. Dann hört es eine sanfte Stimme: 'Du brauchst dich nicht mehr zu fürchten, denn du bist nicht allein. Ich bin deine gute Fee, ich werde dich führen. Vertraue mir, du wirst wieder glücklich werden.'
Das Kind blickt auf und sieht die Fee davonfliegen durch die hellen Blätter der Birken. Die Blätter murmeln und raunen dem Kinde zu: 'Die gute Fee wird bei dir sein, hab keine Angst'. Das Kind setzt sich ins Moos und lässt das, was es gehört hat, eindringen bis in sein Herz. Dann endlich steht es auf und geht mutigen Schrittes zurück in den dunklen Wald."
Die Frau kommt noch öfter zum Birkenkreis. Wenn sie fühlt, dass sie Kraft braucht, um nicht unterzugehen, dann sucht sie den Weg hierher. lehnt sich an eine der jungen Birken und träumt sich das Märchen von der guten Fee, die dem einsamen und verzweifelten Kind Hilfe zusagte.
Die Kraft, die sie im Märchen gesucht hat, hat ihr geholfen, wieder froh zu werden. Sie hat ihren Weg zu Glück und Zufriedenheit gefunden, wenn auch über manch schwere Hindernisse.
Träumen will sie heute noch gerne. Am liebsten träumt sie von sorgenfreiem Leben, von Sterntalern, die vom Himmel fallen, von Reisen durch verwunschene Täler und auf verzauberte Berge in Sonne und Wärme und von Menschen im Glück.
Kürzlich träumte sie von einem kleinen Mädchen, das saß in einer Blumenwiese am Waldrand und zählte Blümchen, und zählte, und zählte....
Zu diesen vielen Millionen Blumen, die für uns Menschen blühen, gehören auch die schönen Dinge, die wir uns erträumen, denn diese Träume bereichern unser Leben. Sie geben uns Freude, Hoffnung und Kraft - und manche Träume werden Wirklichkeit!
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