Sie hatte es endlich geschafft, sich befreit von all der Missachtung und Kälte. Hatte die Konsequenz gezogen, den Sprung gewagt. Mit zitternden Knien gelandet, angekommen im neuen Leben...

Sie wusste, heute ist ihr Tag, ihre Nacht. Friseurbesuch, neuer Lippenstift in verruchtem Rot, kussecht und Einkaufsrausch in der Dessous-Abteilung. Auf dem Weg nach Hause, Blick in das Schaufenster eines Schuhgeschäfts.

Sie sah sie sofort, diese roten Schuhe. Ohne lange zu überlegen, rein in den Laden, zielstrebige Suche. Passten wie durch Zauberhand, für sie gemacht, das weiche Leder schmiegte sich an ihre Füße und sie stand auf. Vorsichtige Schritte auf den ungewohnt hohen Absätzen, erst unbeholfen, im Sekundentakt sicherer. Es war wie früher, als junges Mädchen. Sie tänzelte los, leise summte sie eine Melodie. Aschenbrödel auf dem Weg in ihr Abenteuer. Tätigte den Kauf ihres Lebens, verließ beschwingt und munter dieses Zauberreich.

Stürmte in das nächste Geschäft – Kaufrausch pur. Fand ein sündhaftes Outfit, das mit den Schuhen eine perfekte Verbindung einging. In dem Spiegel der Umkleidekabine blickte ihr eine verwegene, hocherotische, nicht fremde Person entgegen. Da wusste sie, sie macht es richtig und ein Kribbeln durchlief ihren Körper. Ihre Brustwarzen zogen sich zusammen, das Zentrum ihrer Lust machte sich nach langer Zeit prickelnd feucht bemerkbar. Ihre Hände strichen über ihren reifen Körper, kurz und schnell. Sie zog sich in Windeseile um, zahlte ihren Fund und ging nach Hause.

Dort zelebrierte sie die Verwandlung zum Vamp, bis in das kleinste Detail. Unter der Dusche entfernte sie jedes störende Härchen ihres Körpers. Während des Einölens erlebte sie einen kurzen, heftigen Orgasmus wie ein Sommergewitter.

Spannungsgeladen, mit geschwollenen, feuchten Lippen, verließ sie die Wohnung. Sie schwebte auf ihren neuen Schuhe, mit wiegenden Hüften, von ihrer eigenen Lust verwandelt, ihrer Nacht entgegen. Erreichte den Ort ihrer wilden Sehnsucht, fühlte den Rhythmus, hörte die lockenden Klänge des Tangos.

Sie trafen sich seit einigen Tagen, rieben sich zum Takt dieses Tanzes und wussten, es ist ihre Nacht. Sie spürte seine verheißungsvolle Härte und Stärke, ihr rechtes Bein in dem roten Schuh schwang sie aufreizend über seinen Oberschenkel. Ein sinnliches Lächeln auf ihren glutroten Lippen, die Zungenspitze kurz hervorblitzend. Tanzten ihren Tango, verrucht, durch stilles Begehren verbunden.

Sie verließen die kleine Bar, spät in dieser Nacht. Unter dem Licht der Straßenlaterne bewegten sie sich zu imaginärer Musik, tauschten den ersten leidenschaftlichen Kuss. Stumme Frage in den Augen, willst Du mir folgen, mir vertrauen? Sie ging mit ihm, seine Wohnung wurde ihr Märchenreich. Hastig und doch vorsichtig, zärtlich, zogen sie sich aus. Ihre Zauberschuhe ließ sie an und brachte ihn damit um den Verstand.

Sie lagen auf seinem Bett, kühler Satin umschmeichelte ihre Haut. Worte des Begehrens, andächtiges Bestaunen seines wunderbaren Körpers und prachtvollen Gliedes. Sie richtete sich auf, schaute ihm kurz und tief in die Augen und umschloss mit ihren glutroten Lippen seinen pulsierenden Stab. Reizte ihn mit ihrer flinken Zunge und dem Auf und Ab ihres Mundes.

Er hielt es nicht mehr aus, entzog sich mit sanfter Gewalt, kniete vor ihr und versank mit seinem Gesicht zwischen ihren Lippen. Revanchierte sich für den erlebten Genuss und schickte sie auf die Reise in das Reich der Sinne. Spürte die roten Schuhe auf seinem Rücken und konnte sich kaum beherrschen.

Als er ihre Nässe spürte, hob er den Kopf, schaute sie an, stammelte sinnlose Worte und drang zielstrebig in sie. Hielt einen Moment inne, um dann den Takten ihres Tangos zu folgen und seine Stöße dem Rhythmus ihrer Musik anzupassen.

Sie verließen die Nacht, sich immer wieder verzehrend liebend, in einen gemeinsamen Morgen.


Aschenbrödels rote Schuhe hatten ihren Zauber erfüllt.



Bildquelle: Fotograf Jutta Anger – Pixelio