Es fängt ja schon immmer mit der Parkplatzsuche an. Mindestens ebenfalls dreißig Minuten sind einzuplanen - aber dieses Mal hatte ich ja wirklich Glück. Vor der Türe des Theaters ! Ein Wunder ! Aber jetzt war ich 45 Minuten zu früh im Theater - egal.
Schnell durch den Regen ins Theater - die Türen zur Bühne waren sogar noch geschlossen. Ich hatte Zeit das Programmheft zu lesen. Was gucke ich eigentlich?
Ich habe ein Abo vom Thalia Theater in Hamburg. So gehe ich wenigstens ins Theater - seit Jahren schon Thalia. Modernes Theater, anstrengend zuweilen, aber hervorragende Schauspieler, in die ich mich natürlich auch schon verliebt habe. Darf ich, bin ja Single.
Zu dumm - ich hab die Brille nicht mit. Ich habe nie etwas dabei. Handtaschen sind mir ein Greuel ! Ja, ich bin eine Frau - aber niemals mit Handtasche anzutreffen - es ist mir ein Rätsel, was Frauen darin verbergen...naja, 'ne Brille wäre jetzt praktisch - aber es geht so grad noch. Muss ich ein paar Mal mehr blinkern, blinzeln, doch immerhin, schnell mal kurz erhascht, was da auf mich zukommt.
Gerhard Hauptmann...Uraufführung 1889. Naja, schau n wir mal. Der Sonnenaufgang klingt dennoch sehr aktuell.
Ich möchte nicht so viel über das Stück erzählen. So viel sei gesagt, es geht um Ausbeutung, die Reichen, die nur noch in Dekadenz leben, tristes L(i)eben....Trotzdem, keine Nackten, wenig Geschrei, keine Schläge - war der Beifall am Ende deshalb gedämpft? Nein, ich denke nicht, es war ein stilles nachdenkliches Stück.
Immer wieder interessant die verschiedenen Zuschauer. So wurde von hinten her gelacht.....das Publikum vorne erstarrt in Schrecken.....vorne vornehmes Geklatsche, hinten großes Gejohle....und neben mir ein älterer Herr, der sich köstlich amüsierte als sich der Doktor auf der Bühne über Beziehungen mokierte. Arme Wesen wären es, die heutzutage noch heiraten und an die ewige Liebe glaubten....ist das wirklich auch der Text von 1889 gewesen???? Unvorstellbar. Und warum schmunzelt der Mann neben mir?
Als das Stück zu Ende war und wir unseren höflichen Beifall beendeten, schaute ich mir diesen Schelm genauer an. Groß, breiter Scheitel, Brille, und natürlich, blitzende Augen. Na, sagten da nicht nur die Augen. Hab ich s richtig gehört? Ja, tatsächlich. Er hat zu mir "Na?" gesagt....aah, ja, "Naja?" erwiderte ich. "Keine Nackten, keine Toten, kein Gemetzeln, kein Blut...." Wir grinsen uns an- "Ja, wir haben hier schon Schlimmeres gesehen." Dann gingen wir Richtung Ausgang.
Extra langsam. Bitte - er ließ mir den Vortritt. Wie vollendet. Ein Gentleman. Aber ich wollte doch gar nicht vor gehen - ich wollte doch sehen, wo er hingeht.....ich gehe vor. Ich drehe mich um....sehe ihn noch ein wenig....das Gedrängel an der Garderobe immer furchtbar. Ich brauche ja gar nicht an die Garderobe?!?! Mein Güte, kaum sehe ich einen attraktiven Mann, vergesse ich mich. Ich stehe doch vor der Tür. Ich brauche nur aus dem Theater rausgehen, über die Straße, durch den Regen, ins Auto....ja, und genau das tue ich.
Ich sitze im Auto, lasse nocheinmal die Scheibe herunter. Schaue zum Theaterausgang.....der Mann ist verschwunden....tscha, ein kurzer Augenblick der uns streifte. Kein Happy End - - - wieder mal nicht. Aber es war ein schöner Moment.
Theaterbesuch
Immer wieder ein Erlebnis, ein Besuch im Hamburger Thalia.Dieses Mal der Sonnenaufgang von Hauptmann.
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