Stolz schwingt in der Stimme mit, wenn jemand sagt:"Du, ich bin jetzt ..." 

 

Ob das dann ein neuer Familienstatus als Mama/Papa, Onkel/Tante, oder Opa/Oma, Bezeichnung eines Studiumabschlusses in Form von Dipl., Dr. oder sonstwas ist, ist egal. Oft scheint damit eine Aufwertung einherzugehen.

"Ha, jetzt bin ich ...!"

 

Ich bin da recht "respektlos" aufgewachsen: Mit den Geschwistern meiner Mutter in einem Hauhalt lebend, wurden Titel wie "Onkel" oder "Tante" nicht benutzt. Spitznamen wie "Monchen", "Bibchen" oder "Tinka" waren gebräuchlich, aber "Statusangaben"?

 

Nee, nicht bei uns!!!!!

 

In der Familie meines Vaters war das noch üblich. Um so erstaunter war ich, als nach über 10 Jahren "Nichten-Daseins" mir plötzlich gesagt wurde:"Wir möchten, dass du zu uns Adam und Eva sagst und nicht mehr Onkel und Tante." 

 

Auch in meiner angeheirateten ägyptischen Familie wurde ich mit "Tante" bedacht, aber dem habe ich irgendwann einen Riegel vorgeschoben:"Nennt mich Antonia oder lasst den Namen weg ...

 

... ABER SAGT NICHT 'TANTE' ZU MIR!"

 

Das war vielleicht etwas revolutionär oder gewöhnungsbedürftig, aber später fiel mir auf: Es brachte auch mehr Nähe mit sich. Ob ich es wollte oder nicht - und ich bin alles andere als eine "kinderfreundliche Tante" -, ich hatte einen entspannten, freundlichen Kontakt zu den Kindern.

 

In Amerika wurde ich nach der Eheschliessung dann meines Vornamens beraubt. Ich war nicht mehr "Antonia Smith", sondern "Mrs. John Smith", was mir sauer aufstiess und sehr zu denken gab.

 

Wenn ich heute mit arabischen Bekannten zu tun habe, bin ich auch nicht Antonia, da werde ich mit "Om Ali" ("Alis Mutter") angeredet (bei Väter ist dann "Abu Ali" vernehmbar). Es soll vielleicht eine gewisse Vertrautheit zeigen - oder vielleicht auch Respekt in einer hirarchischen Gesellschaft?

 

Mit "Ochti" ("Schwester", für einen Mann "Achi" = "Bruder") als freundliche Anrede komme ich noch klar, weil es für mich "auf Augenhöhe" ist. Aber alles, was "drüber oder drunter" ist? Da sträuben sich mir die Nackenhaare.

 

Als ich, schon etwas älter, mal in der Situation war, meine Begleitung vorzustellen - "Und das ist ..." -, kam ich in große Verlegenheit:Tja, was sagste denn nun? Mein Mann? Nee, wir sind ja nicht verheiratet ... Lebenspartner? Klingt blöd. Freund? Hübsch banal.

"... Alexander", war meine schlichte Antwort.

Und später meinte Alexander strahlend:"Du, das war Klasse. Du hast das gesagt, was ich bin - nämlich Alexander. Schnörkellos!"

 

Wenn mir heute ein Mensch begegnet, der mich wissen lässt:"... DOKTOR Schmidt, bitte", kriege ich das innerliche Grinsen.

 

Ob er sich  OHNE  wohl sonst nackt fühlt? GEWÖHNLICH?

 

Nun, ich habe mit nackt und gewöhnlich kein Problem.

Ich bin Antonia - bar jeder Standesdünkel.

 

 

Nur meine Jungs schiessen mit ihrem "Mama" da noch quer. Aber wenn ich dann mit "..., du kannst manchmal sooo schön doof sein" konfrontiert werde, mangelt es an Respekt vor dem "Titel".

 

Gott sei Dank :-))).