Tödlicher Wettlauf
Es sass einmal ein Hase
am feuchten Ackerrand,
mit seiner kecken Nase
und wenig an Verstand
Ein Igel kam gekrochen,
sehr stachlig und ganz klein,
auf Suche nach n’em Knochen
und einem Kännchen Wein
Der Hase sprach zum Igel :
„Komm her, Du kleiner Wicht –
ich geb’ Dir Brief und Siegel,
ein „Raser“ bist Du nicht !“
Drauf konterte nun Jener :
„Schlag ein – die Wette läuft,
ich laufe schneller, schöner –
als Du, der ständig säuft“
Nun ward’ das Langohr böse
ob dieser frechen Tour –
stand da in voller Grösse
und schaltete auf stur
„Dein Wille soll geschehen,
wir laufen hin und her –
dann werden wir ja sehen,
wer hier der Erste wär’
Sie gaben sich die „Hände“,
die Wette gilt, wohlan
nur Rand und Furchenwände
begrenzten ihre Bahn
Doch geht’s bei einer Wette
wie jedermann nun weiss
nicht nur um Siegplakette
auch um Gewinnerpreis
Drum fragten sich die Beiden,
was setzen wir denn ein ?
Der Igel meint’ bescheiden
ich will ein Kännchen Wein.
Man einigte sich drüber,
der Handel war perfekt
doch war des „Lampe“ Fieber
beim Hasen nun geweckt
Auch war man sich im Reinen
am Morgen sollt’ es sein
sie träumten nur vom Einen,
von diesem Kännchen Wein
Und anderntags, in aller Früh’
war dann das Stelldichein
frustrierend kühl, die Harmonie
es ging um mehr als Wein
Die Gegner stellten also dann
bei Startbahn eins sich auf
es war so still – nur dann und wann
vernahm man lauten Schnauf
Weil sicher sich der Hase war
gab Vorsprung er dem „Feind“
zehn lange Meter – und das war
ein Bonus – wohlgemeint
Es fiel der Schuss, nun ging es los
voraus das eine Ziel –
das jeder schnell und gnadenlos
für sich erreichen will
Der Grosse lief, der Kleine auch
doch blieb er sehr bald steh’n
hielt lachend seinen Igelbauch
der Has’ war nicht zu sehn
Das Rennen lief – dem Hasen auch
der Schweiss und gar die Nase
der Igel hielt sich noch den Bauch
und schlief im kühlen Grase
Das Häschen lief dem Ziele zu
dem Furchen-Ende nämlich
er dachte sich, das ging im Nu –
doch plötzlich schaut’ er dämlich
Wen sieht er dort am Ziele stehn
und rufen – bin schon hier ?
Das gibt es nicht, es kann nicht gehn
drauf wett’ ich glatt ein Bier
Und wenn er auch noch lange guckt
das Bild ist stets das Gleiche
wenn ihm fast jeder Muskel zuckt
im Antlitz fühlt er „Bleiche“
Der Igel ist’s – er glaubt es kaum
s’ist auch nicht dessen Geist
der Hase fühlt sich wie im Traum
und ahnt nun, was das heisst
Es packt ihn Wut und grosser Zorn
und glaubt sich arg betrogen
rennt wieder los, schaut nur nach vorn
vermeidet jeden Bogen.
Doch stets am Ziel, dasselbe Bild
der Igel und sein Lächeln
so rennt der Hase nun wie wild
das Atmen wird zum Hecheln
Die Beine geben langsam nach
sein Hochmut ist verschwunden
die Leistung ist nun „hasenschwach“
sein Körper arg geschunden
Noch einmal rafft er sich drum auf
und geht zur letzten Runde –
doch dann vergeht ihm auch der Schnauf,
es schlug die letzte Stunde
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Das war der Hasen-Igel-Lauf
doch ist’s noch nicht zu Ende
dem einen brachte er den Tod,
dem andern schnell die Wende
Wir wissen’s zwar, der Hase nicht
der Igel waren’s Zweie
dem Langohr fehlte es an Licht
drum war er an der Reihe.
Frau Igel und ihr Männchen
die machten schön Radau
sie tranken aus dem Kännchen
und waren bald schon blau
Hörst Du’s mal draussen schmatzen
dann weißt Du nun genau
es sind nicht freche Spatzen
nur Igelmann und Frau
09.07.2010 / j.s.
