Tolle Frauen und ihre Schwächen
2009 wird mein Jahr!
Vor drei Jahren war mein Leben noch ausgefüllt und leicht. Ich hatte einen wunderbaren gutaussehenden Mann, der immer für mich da war und dessen Liebe mich umhüllte wie ein wärmender Mantel. Wir wollten damals „Goldene Fäden in das Gewand der Tage weben“, das jedenfalls versprachen wir uns bei unserer Hochzeit... bis zu jenem sonnigen Spätnachmittag im August: Ich stand auf dem Balkon unserer traumhaften Altbauwohnung, schaute über die Dächer unserer Stadt und mein Mann stand in der Tür und teilte mir mit, er werde mich jetzt verlassen. Für immer! Ohne Vorwarnung, ohne Streit, ohne Ehekrise.
Er liebe mich zwar immer noch, könne sich aber ein Leben ohne Kinder nicht mehr vorstellen. Unsere Liebe reichte ihm nicht mehr. Klar, ich war fünfzehn Jahre älter als er, und natürlich haben wir die Kinderfrage vor unserer Hochzeit geklärt. Ich hatte keine Lust mehr auf Babys, wollte mit meinem jungen Ehemann mein Leben genießen, und außerdem hatte ich ja bereits eine erwachsene Tochter. Er beteuerte damals: Für ihn seien Kinder nicht wichtig. Hauptsache er könne mit mir zusammen sein.
In unserem Bekannten- und Freundeskreis galten wir - trotz des Altersunterschieds - immer als Traumpaar. Und dennoch: Die zwei Sätze, die ich mir fortan anhören muss, lauten ungefähr so: „Auf Dauer konnte das ja mit euch nicht gut gehen. Bei dem Altersunterschied!“ Nachgeschoben wird dann noch gerne: „Du bist doch so eine tolle Frau“. Ich verabscheue diesen Satz. Auch wenn er nett gemeint ist. Was soll „frau“ darauf antworten? Danke, aber besonders toll fühle ich mich seitdem nicht mehr? Oder etwa: Ja, seine jetzige Frau (die ein halbes Jahr später meine Nachfolge antrat und gerade mal so alt ist wie meine Tochter) ist bestimmt nicht halb so toll wie ich. Oder wie?
Der Satz ist so schrecklich bescheuert und komplett bedeutungslos. Selbst wenn ich das wäre, eine tolle Frau. So hat es mich doch vor nichts bewahrt. Ich habe immer Herzensentscheidungen getroffen. Nicht immer waren es die richtigen. Ich wurde enttäuscht, verletzt und verlassen. Manchmal über Nacht und manchmal sogar per SMS. Und trotzdem: Meine Entscheidungen habe ich nie bereut.
Als vermeintlich „tolle Frau“ rennen mir die Männer keinesfalls die Bude ein. Ich habe höchstens einen Ruf zu verlieren, wenn ich dann doch in dem emotionalen Sumpf versinke, den ich stark – wie ich als tolle Frau zu sein habe – ja eigentlich erhobenen Hauptes durchschreiten sollte.
Natürlich habe ich seitdem ein paar Männer getroffen. Auch sie sagen, sie fänden mich toll. Vielleicht denkt „Er“ auch frau will das hören. Außerdem benutzt man(n) gerne auch diesen Satz als so eine Art Türöffner. Denn danach folgen meist auch Sätze wie: „Jetzt trinken wir noch einen Absacker und dann zeig’ ich dir mein Wasserbett.“
Was genau soll das übrigens sein, ein tolle Frau? Der Titel klingt so schrecklich oberflächlich. Meist reicht es schon aus, wenn sie nett ausschaut, ihr eigenes Geld verdient, einen Beruf hat, mit dem sie angeben kann und weiß, das Rigoletto kein Schokoriegel ist.
Wenn Leute, die mir nahe stehen sagen, ich sei doch so eine tolle Frau, dann wollen sie auch gar nicht weiter bohren. Sie wollen nicht wirklich wissen, was los ist in meinem Leben. Es ist ein platter Trost oder besser gesagt, ein Trostpflästerchen, damit ich nun wirklich keinen Grund habe rumzujammern. Heimlich denken die Beziehungsglücklichen unter ihnen natürlich, oh Gott, kann mir das auch passieren? Darüber müssen und wollen die meisten erst gar nicht nachdenken.
Viel schlimmer ist es, wenn man alles dafür tut, seinem Image immer voll und ganz gerecht zu werden. Ich habe die ersten 15 Monaten nach meiner Trennung nur damit verbracht, meine Wunden zu lecken. Die folgenden Monate habe ich dann damit verschwendet, in zwei elitären Internetbörsen nach dem passenden Mann (besser, reicher und vorzeigbarer als mein Ex natürlich) zu suchen. Danach habe ich alle möglichen Diäten gemacht, bin täglich ins Fitnesstudio gerannt, habe mir neue Designer-Klamotten gekauft, ein kleines Vermögen für Anti-Aging-Kosmetik ausgegeben und hin und wieder mit meinen Freundinnen Party gemacht. Am Ende des Abends hatten alle die Backen weh vom Lachen. „Männer sind wie Wolken. Wenn sie sich morgens verziehen, wird’s doch noch ein schöner Tag“ Oder: „Warum hat der liebe Gott den Mann erschaffen? Antwort: Weil Vibratoren keine Rasen mähen können!“ Meine launigen Witze über die Männerwelt sind eben unschlagbar!
Natürlich haben mich alle dafür bewundert, wie gut ich die Krise überwunden habe. Aber richtig gut ging es mir in all’ den Jahren selten.
Tollen Frauen stehen natürlich auch tolle Männer zu. Auch mir ist eines Tages einer über den Weg gelaufen: Fünf Jahre älter als ich, gut aussehend, charmant, mit sehr viel Charisma, gebildet. Er trug edle Designer-Krawatten und
-Manschettenknöpfe und gehörte zur obersten Deutschen Manager-Elite. Schon beim ersten Date machte er mir unmissverständlich klar, dass er als erfolgreicher Firmenboss natürlich keinen Stress mit einer Frau gebrauchen könne. Er sei ja so beschäftigt...
Dennoch versprühte ich meinen Charme und machte meinem Image als tolle Frau alle Ehre. Er zeigte sich verständnisvoll: „Du bist so eine tolle Frau. Du weißt genau was du willst, bist super sexy - und genau das macht vielen Männern Angst. Ganz klar!“
Aha! Die Männer, denen ich bis jetzt begegnet bin, waren also alles Weicheier. Nur er, er war anders...
Wir gingen zusammen in die Oper, in angesagte Nobellokale, diskutierten über seine und meine Lieblingsliteratur und hatten tollen Sex. Seine Dates mit mir musste er natürlich vorher immer mit seinem Terminkalender und/oder seiner Sekretärin abstimmen. Klar! Wenn er mich anrief, dann spät am Abend aus irgendeiner einsamen Hotelsuite oder zwischen zwei Flügen. Und ich? Ich war bescheiden. Stellte keinerlei Ansprüche und war nie diejenige, die zuerst anrief. Diese Blöße wollte ich mir nicht geben. Dabei hätte ich ihm so gerne gesagt, dass ich mich am liebsten kopflos in ihn verlieben würde...
Nach einigen Wochen kam dann eine SMS von ihm. Er sei so beschäftigt und es wäre auch nicht abzusehen, wann er wieder Zeit für mich haben werde. Das war im wahrsten Sinne des Wortes das Letzte was ich von ihm gehört habe.
Und die Moral von der Geschicht’: Ich bin keine tolle Frau! Ich bin eine selbstbewusste, starke Frau die dennoch verletzlich ist. Ich bin eine ratlose und überforderte Frau, eine ungeduldige und wütende Frau. Aber auch eine, die zuhören kann, immer gute Laune hat und andere zum Lachen bringt. Und hin und wieder – zum Glück immer seltener - bin ich eine Frau, die daran verzweifelt, dass ihr Mann gegangen ist.
Den Jahreswechsel habe ich überwiegend damit verbracht, mir all’ das genauer anzuschauen. Ich entdecke auch an mir eine ganze Menge Schwächen. Und ich werde selbige auch zulassen! Wer als Frau Schwäche zeigt, hat nämlich auf der Suche nach dem Richtigen eine verdammt große Auswahl! Also, drücken Sie mir die Daumen! Tief in meinem Inneren fühle ich es nämlich genau: Dieses Jahr wird mein Jahr!
Er liebe mich zwar immer noch, könne sich aber ein Leben ohne Kinder nicht mehr vorstellen. Unsere Liebe reichte ihm nicht mehr. Klar, ich war fünfzehn Jahre älter als er, und natürlich haben wir die Kinderfrage vor unserer Hochzeit geklärt. Ich hatte keine Lust mehr auf Babys, wollte mit meinem jungen Ehemann mein Leben genießen, und außerdem hatte ich ja bereits eine erwachsene Tochter. Er beteuerte damals: Für ihn seien Kinder nicht wichtig. Hauptsache er könne mit mir zusammen sein.
In unserem Bekannten- und Freundeskreis galten wir - trotz des Altersunterschieds - immer als Traumpaar. Und dennoch: Die zwei Sätze, die ich mir fortan anhören muss, lauten ungefähr so: „Auf Dauer konnte das ja mit euch nicht gut gehen. Bei dem Altersunterschied!“ Nachgeschoben wird dann noch gerne: „Du bist doch so eine tolle Frau“. Ich verabscheue diesen Satz. Auch wenn er nett gemeint ist. Was soll „frau“ darauf antworten? Danke, aber besonders toll fühle ich mich seitdem nicht mehr? Oder etwa: Ja, seine jetzige Frau (die ein halbes Jahr später meine Nachfolge antrat und gerade mal so alt ist wie meine Tochter) ist bestimmt nicht halb so toll wie ich. Oder wie?
Der Satz ist so schrecklich bescheuert und komplett bedeutungslos. Selbst wenn ich das wäre, eine tolle Frau. So hat es mich doch vor nichts bewahrt. Ich habe immer Herzensentscheidungen getroffen. Nicht immer waren es die richtigen. Ich wurde enttäuscht, verletzt und verlassen. Manchmal über Nacht und manchmal sogar per SMS. Und trotzdem: Meine Entscheidungen habe ich nie bereut.
Als vermeintlich „tolle Frau“ rennen mir die Männer keinesfalls die Bude ein. Ich habe höchstens einen Ruf zu verlieren, wenn ich dann doch in dem emotionalen Sumpf versinke, den ich stark – wie ich als tolle Frau zu sein habe – ja eigentlich erhobenen Hauptes durchschreiten sollte.
Natürlich habe ich seitdem ein paar Männer getroffen. Auch sie sagen, sie fänden mich toll. Vielleicht denkt „Er“ auch frau will das hören. Außerdem benutzt man(n) gerne auch diesen Satz als so eine Art Türöffner. Denn danach folgen meist auch Sätze wie: „Jetzt trinken wir noch einen Absacker und dann zeig’ ich dir mein Wasserbett.“
Was genau soll das übrigens sein, ein tolle Frau? Der Titel klingt so schrecklich oberflächlich. Meist reicht es schon aus, wenn sie nett ausschaut, ihr eigenes Geld verdient, einen Beruf hat, mit dem sie angeben kann und weiß, das Rigoletto kein Schokoriegel ist.
Wenn Leute, die mir nahe stehen sagen, ich sei doch so eine tolle Frau, dann wollen sie auch gar nicht weiter bohren. Sie wollen nicht wirklich wissen, was los ist in meinem Leben. Es ist ein platter Trost oder besser gesagt, ein Trostpflästerchen, damit ich nun wirklich keinen Grund habe rumzujammern. Heimlich denken die Beziehungsglücklichen unter ihnen natürlich, oh Gott, kann mir das auch passieren? Darüber müssen und wollen die meisten erst gar nicht nachdenken.
Viel schlimmer ist es, wenn man alles dafür tut, seinem Image immer voll und ganz gerecht zu werden. Ich habe die ersten 15 Monaten nach meiner Trennung nur damit verbracht, meine Wunden zu lecken. Die folgenden Monate habe ich dann damit verschwendet, in zwei elitären Internetbörsen nach dem passenden Mann (besser, reicher und vorzeigbarer als mein Ex natürlich) zu suchen. Danach habe ich alle möglichen Diäten gemacht, bin täglich ins Fitnesstudio gerannt, habe mir neue Designer-Klamotten gekauft, ein kleines Vermögen für Anti-Aging-Kosmetik ausgegeben und hin und wieder mit meinen Freundinnen Party gemacht. Am Ende des Abends hatten alle die Backen weh vom Lachen. „Männer sind wie Wolken. Wenn sie sich morgens verziehen, wird’s doch noch ein schöner Tag“ Oder: „Warum hat der liebe Gott den Mann erschaffen? Antwort: Weil Vibratoren keine Rasen mähen können!“ Meine launigen Witze über die Männerwelt sind eben unschlagbar!
Natürlich haben mich alle dafür bewundert, wie gut ich die Krise überwunden habe. Aber richtig gut ging es mir in all’ den Jahren selten.
Tollen Frauen stehen natürlich auch tolle Männer zu. Auch mir ist eines Tages einer über den Weg gelaufen: Fünf Jahre älter als ich, gut aussehend, charmant, mit sehr viel Charisma, gebildet. Er trug edle Designer-Krawatten und
-Manschettenknöpfe und gehörte zur obersten Deutschen Manager-Elite. Schon beim ersten Date machte er mir unmissverständlich klar, dass er als erfolgreicher Firmenboss natürlich keinen Stress mit einer Frau gebrauchen könne. Er sei ja so beschäftigt...
Dennoch versprühte ich meinen Charme und machte meinem Image als tolle Frau alle Ehre. Er zeigte sich verständnisvoll: „Du bist so eine tolle Frau. Du weißt genau was du willst, bist super sexy - und genau das macht vielen Männern Angst. Ganz klar!“
Aha! Die Männer, denen ich bis jetzt begegnet bin, waren also alles Weicheier. Nur er, er war anders...
Wir gingen zusammen in die Oper, in angesagte Nobellokale, diskutierten über seine und meine Lieblingsliteratur und hatten tollen Sex. Seine Dates mit mir musste er natürlich vorher immer mit seinem Terminkalender und/oder seiner Sekretärin abstimmen. Klar! Wenn er mich anrief, dann spät am Abend aus irgendeiner einsamen Hotelsuite oder zwischen zwei Flügen. Und ich? Ich war bescheiden. Stellte keinerlei Ansprüche und war nie diejenige, die zuerst anrief. Diese Blöße wollte ich mir nicht geben. Dabei hätte ich ihm so gerne gesagt, dass ich mich am liebsten kopflos in ihn verlieben würde...
Nach einigen Wochen kam dann eine SMS von ihm. Er sei so beschäftigt und es wäre auch nicht abzusehen, wann er wieder Zeit für mich haben werde. Das war im wahrsten Sinne des Wortes das Letzte was ich von ihm gehört habe.
Und die Moral von der Geschicht’: Ich bin keine tolle Frau! Ich bin eine selbstbewusste, starke Frau die dennoch verletzlich ist. Ich bin eine ratlose und überforderte Frau, eine ungeduldige und wütende Frau. Aber auch eine, die zuhören kann, immer gute Laune hat und andere zum Lachen bringt. Und hin und wieder – zum Glück immer seltener - bin ich eine Frau, die daran verzweifelt, dass ihr Mann gegangen ist.
Den Jahreswechsel habe ich überwiegend damit verbracht, mir all’ das genauer anzuschauen. Ich entdecke auch an mir eine ganze Menge Schwächen. Und ich werde selbige auch zulassen! Wer als Frau Schwäche zeigt, hat nämlich auf der Suche nach dem Richtigen eine verdammt große Auswahl! Also, drücken Sie mir die Daumen! Tief in meinem Inneren fühle ich es nämlich genau: Dieses Jahr wird mein Jahr!
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