Einen Teil meiner Kindheit habe ich in Spanien verbracht. Damals waren unsere Helden nicht nur Fußballspieler des Real´Madrid oder F.C.Barcelona, sondern auch Männer wie Manuel Benitez "el Cordobes" oder Luis Miguel Domingin, Stierkämpfer. Auf den Straßen wurde nicht nur gebolzt oder Cowboy und Indianer gespielt, sondern es wurden auch Stierkämpfe nachgestellt. Damals eine vollkommen normale Sache. Wenn "el Cordobes" in einer Arena Spaniens auftrat war sie bis auf den letzten Platz ausverkauft und wer keinen Fernseher hatte, der ging in eine der vielen überfüllten Kneipen und sah sich dort den Stierkampf an.
Heute ist es anders, die Einstellung der Spanier zur Natur,zur Umwelt und zu Tieren hat sich seit dem Ende der Franco-Diktatur merklich geändert. Man sieht noch Kinder auf Bolzplätzen Fußballspielen, Cowboy und Indianer sieht man eher selten, die Playstation und der PC haben dem alten Spiel längst den Rang abgelaufen. Die nachgestellten Stierkämpfe jedoch sind verschwunden.
Das blutige Schauspiel in den Arenen jedoch ist geblieben. Mehr noch, es wird wie nie zuvor Geld mit dem Stierkampf verdient. Im Verlauf von 50 Jahren ist die Zahl der Stierzuchten auf das zehnfache gestiegen. Es gibt mittlerweile rund 1200 Zuchtbetriebe mit 70.000 Arbeitsplätzen und einen Umsatz von ca. 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Und das obwohl die Live Übertragungen aus den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten im Jahr 2007 verbannt worden sind und laut einer Umfrage ca. 72% der spanischen Bevölkerung den Stierkämpfen eher ablehnend gegenüber steht.
Als erwachsener Mensch stehe ich dem Stierkampf nicht mehr unvoreingenommen gegenüber. Ich frage mich nach dem Sinn eines solchen Schauspiels in dem am Ende in ganz seltenen Ausnahmen etwas anderes als der Tod auf eines dieser kraftvollen stolzen Tiere wartet.
Gewalt und Tod sind aber zwei Dinge die dem Menschen seit je her auf eine rätselhaften Weise fasziniert hat. So auch mich. Ich möchte hier an dieser Stelle aber betonen, dass ich KEIN Befürworter des Stierkampfs bin, ich komme aber auch nicht umhin zu sagen, dass von diesem Schauspiel, von den Bewegungen der Kontrahenten, dem Stier und dem Matador gelegentlich eine Faszination ausgeht, die auch mich in den Bann zieht.
Wir sehen uns Actionfilme, Krimis, Boxkämpfe an in denen Literweise Blut fließt, wenn es auch nur Kunstblut ist, immerhin tolerieren wir diese Darstellung von Gewalt. Man geht , wenn man in den USA ist zu einem Rodeo. OK dort fließt kein Blut, die Tiere werden aber dennoch zum Vergnügen der Zuschauer gequält. Tagtäglich lassen bei illegalen Hahnenkämpfen tausende von Hähnen ihr Leben. Im ach so zivilisierten England wurden und werden ebenfalls zum Vergnügen der Menschen Pferde beim Rennen über Hindernisse gejagt bei denen sie sich Verletzungen zufügen die zur Folge haben dass sie eingeschläfert werden müssen. Alles, Rodeos, Hahnenkämpfe, Pferderennen und Stierkämpfe sind schlimm und eigentlich vollkommen sinnlos. Mich bewegen jedoch einige Fragen.
Seit Ende der Franco-Diktatur bewegt sich der Stierkampf im Rückwärtsgang, man hat damals den Stierkampf hochstilisiert, mit dem Mut der Matadores hat man beweisen wollen zu was ein Spanier fähig ist. Die Propagganda ist weg und immer weniger Menschen werden dadurch beeinflußt.Es ist im Laufe der Jahre jedoch eine Wirtschaftsmacht entstanden von der viele Menschen abhängen. Kann man diese Menschen jetzt einfach auf die Straße setzen und sie ihrer Existens berauben?
Die Stiere leben in Gebieten die vollkommen naturbelassen sind, sie leben nahezu frei und ziehen dort umher, wie es die Natur eigentlich für sie vorgesehen hat. Ein Nebeneffekt dieser Tatsache ist, dass in diesen Gebieten Tiere und Pflanzen Schutz gefunden haben, die sonst nirgendwo anders vorkommen. Wenn nun der Stierkampf abgeschafft würde, verlören dann nicht auch diese Lebewesen ihren Lebensraum? Mit Wegfall der Einnahmequelle Stierkampf bestünde für die Besitzer dieser Ländereien kein Grund mehr diese Gebiete so zu belassen wie sie sind, zumal diese Rinderart zur Milch und-Fleischproduktion vollkommen ungeeignet ist. Wahrscheinlich würde das große spekulieren mit Grundstücken beginnen, da diese Ländereien Privateigentum sind. In der Konsequenz bestünde die Gefahr das viele Arten vom Aussterben bedroht wären. Zu Guter letzt wäre der stolze Stier selber, den wir alle schützen wollen ebenfalls auf der Todesliste.
Das sind Gedanken die ich mir zu meinem Geburtsland mache, das ist eine der vielen Facetten aus denen Spanien besteht, ein Land das viele Menschen leider nur zu oberflächlich kennen und ich mit meinem Artikeln versuchen möchte es den vielen Spanienfans näher zu bringen.