In unserer heutigen Zeit hat ein Wandel der Erziehung von Kindern stattgefunden. Es ist immer häufiger an der Tagesordnung, dass Kinder schon im Alter von sechs Monaten in die Obhut von geschulten Erzieherinnen gegeben werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Verschiedene Einrichtungen stehen betroffenen Eltern zur Verfügung. Ich persönlich bevorzuge die Einrichtung einer Elterninitiative. Gerade deshalb, weil Eltern in einer solchen Einrichtung stark mit eingebunden werden, um ihren Kindern trotz beruflicher und privater Abwesenheitsgründe nahe sein zu können und zu bleiben. Elterninitiativen sind in ihrer Gründung frei für die Entscheidung, welches Erziehungskonzept sie für das Richtige halten und können dies jeder Zeit anpassen.

Als ehemalige langjährige ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende habe ich in der Gemeinschaft mit Erzieherinnen und Eltern das für unsere Elterninitiative ausgewählte Erziehungskonzept kontinuierlich erweitert. Wir wurden eine der ersten Bewegungskitas unserer Stadt, haben einen Koch für tägliches frisches Essen engagiert, welcher gleichzeitig die Kinder an kleinen Kochgelegenheiten mitarbeiten lässt, haben ältere Menschen involviert, die in der Mittagszeit den Kindern Märchen vorlesen, um nur einige Punkte zu nennen, die Elterninitiativen gegenüber von herkömmlichen Kindergärten unterscheiden können.

Warum ist es gerade so wichtig, dass Eltern nicht die Erziehung ihrer Kinder vollständig in die Hände öffentlicher Intuitionen geben, auf eine Mitarbeit vollständig verzichten und sich selbst an dieser begleitenden Erziehung kaum noch beteiligen?

Eltern sind und bleiben der zentrale Mittelpunkt des Kindes. Ein Baby begibt sich mit großem Optimismus in die Beziehung zu seinen Eltern ein. Es geht davon aus, dass die Eltern mit vollkommener Hingabe für das Baby sorgen werden. Seine angeborene Überzeugung ist, dass alle seine Erfahrungen zu seinem Besten sind, weil seine Eltern dies so gewollt haben oder gutheißen. Falls daher die Eltern aus irgendeinem Grund außerstande sind, den entwicklungsspezifischen Bedürfnissen ihres Kindes gerecht zu werden, beginnt es zu glauben, sein Unglück und seine Verunsicherung seien von den Eltern so gewollt, oder würden ihre Zustimmung finden.

Aus Liebe zu seinen Eltern und im Bemühen mit sich selbst so umzugehen, wie sie mit ihm umgehen, entwickelt das Kind das verborgene Verlangen, in sich genau dasselbe Unbehagen hervorzurufen, das seine Eltern ihm seinem Empfinden nach zugedacht haben. Das Kind glaubt, es würde Zufriedenheit und Glück erlangen, wenn es unangenehme innere Zustände, die seinem Eindruck nach dem Willen der Eltern entsprochen haben, von neuem und immer wieder zu durchleben versucht.

Dieses erlernte, aber unterschwellige Bedürfnis nach innerer Unzufriedenheit erklärt, warum so viele Kinder und spätere Erwachsene auf Erfolge mit Niedergeschlagenheit oder selbstschädigendem Verhalten reagieren. Bei Kindern, die ein Bedürfnis nach Unzufriedenheit entwickelt haben, können sich Symptome einstellen wie häufige Wutanfälle, Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten, geringe Selbstachtung oder Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Deshalb ist es so enorm wichtig, dass Eltern stets ihr Kind nicht aus den Augen lassen. Sie können ihrem Kind immer beistehen, indem sie sich auch dafür interessieren, was mit ihrem Kind geschieht, wenn es in anderweitiger Obhut ist. Zudem ihm die nötige Aufmerksamkeit geben, die es braucht, wenn es mit seinen Eltern Zeit verbringt. Ein Kind wird nur dann die Fähigkeit zu echter Mitmenschlichkeit entwickeln, wenn es sich aus freien Stücken dafür entscheiden kann, den Menschen nachzueifern, die es liebt und bewundert.

Erziehungskonzepte von Einrichtungen entfernen sich immer mehr, Disziplin als die einzige Möglichkeit einer erfolgversprechenden Erziehung zu sehen. Disziplinierungsmaßnahmen machen das Leben von Kindern schwer, ohne ihnen wirklich zu nützen. Denn, wenn man Kinder dafür bestraft, dass sie sich nicht unter Kontrolle haben, werden sie nur mit Mühe lernen, ihr Verhalten selbst regulieren zu können.

Ein einfühlsames Lenken ist eine sinnvolle Möglichkeit, ein Kind in die richtige Richtung zu dirigieren, ohne es unglücklich zu machen und ohne den Aufbau seiner inneren Zufriedenheit zu behindern …

Wichtig ist, dass sich Eltern ihrer Verantwortung stets bewusst sind, die sie ihrem Kind gegenüber tragen. Leider musste ich in der Zeit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit immer wieder feststellen, dass sich Eltern einer Erziehung fast völlig entziehen, so nach dem Motto: Hier habt ihr mein Kind und macht mal …

Ein Säugling wird geboren … unschuldig begibt er sich voller Vertrauen in die Hände seiner Eltern … Sie sind es, welche den Grundstein für Glück oder Unglück legen …

Deshalb plädiere ich für ein mehrheitliches Miteinander, was von unserer Politik noch viel mehr Unterstützung finden müsste … So finden Eltern das nötige Selbstvertrauen für ihr Erziehen zurück in einer heute sehr schwierigen Zeit, und ein Säugling bekommt die Chance, sich als gesunder Mensch entwickeln zu können …

Sarah