Sie war eine Frau mit einer reinen Seele. Aber das Leben hatte ihr so bitter mitgespielt, dass sie irgendwann aufhörte zu weinen, und dann Dinge tat, die sie nie für möglich gehalten hätte. Sie trieb sich an ihren freien Tagen in Kneipen herum, trank sehr viel und ging mit irgendwelchen Männern mit, die ihr nichts bedeuteten. Es ging ihr dabei nicht um Sex, sondern einfach nur, um ein wenig gestreichelt zu werden und menschliche Nähe zu spüren. Es war eine Scheinwelt in der sie lebte, und in der sie sich ein wenig beschützt fühlte. Spätestens am nächsten Tag war sie dann wieder in ihrem wahren Leben, dass nur aus Einsamkeit bestand. Sie kannte zwar viele Leute und hatte auch sehr liebe Arbeitskollegen, mit denen sie reden konnte. Aber weil ihre Seele in einem Nebel gefangen war, konnte sie sich nicht wirklich freireden. Manchmal fühlte sie sich wie eine Raupe, der es verwehrt war, sich zu einem Schmetterling zu entpuppen.

So lebte sie über zwei unendlich lange Jahre. Eines abends, sie hatte wieder ihren freien Tag, wollte sie zuhause bleiben, und einfach nur alleine sein. Doch da war etwas in ihr, dass sie wieder aus dem Haus trieb, um in ein Lokal zu gehen, das sie gut kannte. Man mochte sie dort, denn durch ihren scheinbaren Humor, konnte sie viele Leute zum Lachen bringen. Außerdem war sie ein friedlicher Gast. Sie setzte sich an den Tresen und bestellte sich ein Glas Wein. Ein Mann , den sie später ihr Schicksal nannte, setzte sich neben sie. Er war fremd in diesem kleinen Ort. Es entwickelten sich sehr interessante Gespräche mit ihm. Dieses Mal blieb sie standhaft, und ging nicht mit ihm nach Hause wie sie es sonst immer tat, sondern verabredete sich für den nächsten Tag in einem Cafe`.

Nach einem Jahr heirateten sie und zogen in eine größere Stadt...da wo er herkam. Die ersten drei Jahre waren schön. Dann wendete sich das Blatt. Immer öfter belog und betrog er sie. Ihren feinen Sinnen entging das nicht. Sie fing wieder an zu leiden, wollte oder konnte sich jedoch nicht zu einer Trennung entschließen. Es waren die Erinnerungen der hässlichen zwei Jahre, die sie daran hinderten. Und auch, dass er ihr immer wieder beteuerte, sie zu lieben, und sie niemals zu verlassen. In den 15 Jahren, die dann folgten waren zwar auch schöne Zeiten dabei, die aber so selten waren, dass ihre Seele dadurch nie richtig gewärmt wurde.

Eines morgens erklärte er ihr, dass er sich trennen wolle, um ein neues Leben zu beginnen. Sie war sehr schockiert, denn am Abend vorher, beteuerte er ihr, noch seine inständige Liebe zu ihr. Die Tränen, die sie dann weinte waren aus EIS!!

Später, nach langer Trauer, bekam sie ihr Leben in den Griff und konnte sich endlich entpuppen. Aus ihr wurde eine selbstbewusste Frau, die sich schwor, dass niemand mehr mit ihrer Seele spielen durfte. Nicht einmal den Versuch gestattete sie.

Es war ein sehr langer Weg, den sie gehen musste, um jetzt da zu sein, wo sie nun ist. Auch wenn es EISTRÄNEN waren, die sie dort hin geführt haben.

Nun sind ihre Tränen wieder SALZIG!