Ich wache auf. Habe geträumt. Es war kein guter, angenehmer Traum.

 

Direkt erinnern kann ich mich daran, dass ich am Flughafen in D. stehe – irgendwo. Schilder in verschiedenen Farben, die den Weg hinaus aus dem von Menschen und Fahrzeugen wimmelnden Areal weisen, verstehe ich nicht, es ist viel zu laut, um mich auf meinen Orientierungssinn zu konzentrieren.

Um mich herum Menschen, die mich nicht sehen, vielleicht gar nicht wahrnehmen wollen, so wie ich aussehe. Ich weiß es nicht, bin wie gesagt, sehr erschöpft, müde und hoffnungslos.

 

Wie sehe ich aus? Verwahrlost, ungepflegt, die Augen vom fehlenden Schlaf irre und ungläubig auf meine Umgebung gerichtet.

 

Wie komme ich hier endlich raus?

 

Ein Hotel, ein namhaftes, eines in welches sicher nur Prominente und Geschäftsleute absteigen, ist in direkter, unmittelbarer Nähe. Ich muss Acht geben darauf, dass die riesigen Werbelettern des Gebäudes nicht auf mich herunter fallen. Vorsichtshalber ducke ich mich, für den Fall der Fälle. Laufen, weglaufen kann ich nicht.

 

Ich weiß nicht, was ich machen soll, zittere am ganzen Körper, weil … ja, warum eigentlich? Und warum stehe ich am Flughafen in D.?

Überdimensionale, blaue Schilder mit weißer Schrift, sehr gut lesbar, die die Auffahrten auf Autobahnen anzeigen, kann ich erkennen. Aber ich habe ja gar kein Auto, also nützen mir die Hinweisschilder nicht. Fühle mich hilflos, elend. Merken das die Menschen um mich herum nicht?

Soll ich sie ansprechen? Aber nein, sie nehmen mich ja gar nicht wahr.

Vielleicht träume ich das nur, denn in Wirklichkeit habe ich doch ein Auto. Warum also bin ich hier? Wollte ich meine Freundin und ihren Mann aus dem Urlaub abholen? So, wie ich es öfter mache? Wollte ich in Urlaub fliegen … in diesem Zustand, so, wie ich aussehe? Nein, das kann auch nicht sein. Ich bin verzweifelt, allein. Alleinsein ist schmerzhaft. Ich habe starke Schmerzen.

 

Allein, auf dem Flughafen D., inmitten einer Großstadt, die ihre Bewohner und temporären Gäste in einem für mich nicht auszuhaltenden Geräuschpegel verschluckt. An einem Knotenpunkt der Hoffnung und Freude, Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub, Vorfreude auf den Abschluss eines lukrativen Geschäfts. Hoffnung auf Zukunft, auf Bewegung. Fliegen.

 

Und ich, ich stehe ganz starr auf einem Fleck.

 

Wenn ich doch nur den Hinweisschildern folgen könnte, lediglich verstünde, was mit mir los ist.

 

Ich wache auf. Habe geträumt.

 

 

Etwa eine, anderthalb Wochen nach dem Traum erhalte ich einen Anruf. Ein mir nahe stehender Mensch (stehe ich ihm nahe, oder er mir, wir uns?) bittet um meine Hilfe. Steht auf dem Flughafen in D. Orientierungslos, hilflos.

„Kommst Du? Ich weiß nicht, was ich machen soll … ganz viele Schilder hier, und doch komme ich hier nicht weg.“