Heute sind es knapp 2 Wochen her wo dieses Drama begann. Ich versuche mein Leben in feste Bahnen zu lenken. Ich habe entscheidungen getroffen und ziehe dieses jetzt auch durch. Das unangenehmste ist im Augenblich, das ich keine Zeit finde mir hier in der Firma ein neues "Nest" zu bauen. Ich habe zwar vom ersten Tag an meine Sofa mit Bettlacken bespannt und und mich immer dazu gezwungen ordenlich schlafen zu gehen. So angezogen einfach sich auf das Sofa zu legen und einzuschlafen vermeide ich. Ich glaube das das der Anfang vom Ende wäre und ich hier verkommen würde. Eine Firma ist nun mal keine Wohnung und man neigt dazu dinge schleifen zu lassen. So habe ich 3 Tage mit dem Wäsche waschen gewartet. Ein eindeutiger Fehler :-) Die Menge erschlägt einen. Also werde ich dieses wieder täglich tun. Ansonsten gehe ich meiner Arbeit nach und meine Kunden sind zufrieden. Auch das am Abend alleine sein, ist nicht mehr so bedrückend. Habe halt im Moment viele "Baustellen". Was mich enttäuscht hat ist das die Freunde von denen ich glaubte welche zu haben sich alle samt nicht bei melden. Nennen wir es "Natürliche Auslese".
Man sieht ich habe sogar wieder etwas Humor entwickelt. Muss man aber unter dieses Wohnumständen auch. Was Marion betrifft sind meine Gefühle geteilt. Zum einen Liebe ich Sie wirklich noch ganz Aufrichtig. Aber ich bin auch etwas enttäuscht, das sie mich in dieses Wüste geschickt hat obwohl Sie wuste das ein geordneter Tagesablauf hier nur schwer hinzukriegen ist. Sie lebt in dem Haus , hat die Kinder und führt zumindest ein geordnetes Leben. Aber ich merke das ich stärker werde und mein Wille hier zu bestehen auch immer stärker wird. Den Vorschlag von Una fand ich gut, und habe ihr jetzt einen Brief geschrieben. Ich habe nur Angst ihn abzuschicken. Ihr alle habt mir in den letzten 14 Tagen unheimmlich geholfen. Aber um mich zu verstehen möchte ich euch den Brief zeigen. In diesem Brief habe einfach nur meinen Herz sprechen lassen und nicht meinen Kopf. Es ist zwar etwas sehr persönliches, aber ich habe ja auch bisher sehr persönlich mit euch gesprochen.


Liebe Marion,
da ich glaube dass du nicht so begeistert sein wirst, wenn ich dich Anrufe möchte ich auf diesem Wege einiges sagen was mir auf dem Herzen liegt.

Keine Angst, das soll hier keine Liebeserklärung werden. Ganz in Gegenteil.

Es sind jetzt knapp 2 Wochen vergangen und es war für mich ein Wechselbad von Gefühlen. Ich kann jetzt verstehen warum du die Entscheidung getroffen hast und ich werde diese akzeptieren. Es war wohl eine Entscheidung, die längst überfällig war. Unsere Beziehung war keine Beziehung mehr. Dies lag tatsächlich vor allem an mir. Keine Frau will einen ungepflegten und unattraktiven Mann an seiner Seite, der keinen Elan mehr versprüht und sich als Mensch obendrein aufgegeben hat.

Klingt nach Selbstmitleid, ist es aber nicht. Es ist eine unangenehme und peinliche aber wahre Erkenntnis.

Die Signale die du mir so oft gegeben hast, habe ich damals nicht wahrgenommen bzw. sie völlig falsch interpetriert. Ich habe so viele Dinge für selbstverständlich gehalten. Sachen wie gebügelte Wäsche, Essen und vor allem deine Gegenwart. Und ich habe dir nie dafür gedankt und gesagt, dass es für mich nicht selbstverständlich ist.

Nun muss ich viele Dinge tun, die neu für mich sind und ich merke umso mehr das vieles nicht selbsterständlich ist. Aber es tut gut zu spüren das ich Dinge die ich für mich selber unlösbar hielt jetzt alleine bewältigen kann.
Die Zeit im Moment tut mir gut, da du mir mit deiner Entscheidung die Augen geöffnet hast und dies vieleicht ein neuer Anfang für mich sein kann.
Ich sitze oft abends auf der Couch und denke an früher. Es tut mir leid, dass ich so viele Versprechen gegeben habe und diese oft dann nicht eingehalten habe. "Nein" sagen, das viel mir immer sehr schwer und darunter mustest du und die Kinder leiden. Ich war zu wenig für euch da.
Da Leben kann so viel leichter sein, wenn man es annimmt so wie es ist und nicht immer versucht immer alles perfekt zu machen.
Ich will dir mit diesem Brief nicht sagen das ich all diese Erkenntnisse nun mit einer Suppenkelle geschluckt habe.

Nein, eher habe ich erst gerade begonnen zu verstehen.

Aber genau aus diesem Grund muss ich dir diesen Brief schreiben, da mit all diesen Gedanken auch das Gefühl der Reue aufkommt. Reue für das Leben das ich dir in den letzten Jahren zugemutet habe.

Liebe Grüße

Thomas





Ja, das sind meine echten Gefühle und Gedanken, aber soll ich Sie wirklich Marion erklären. Vieleicht will Sie es ja garnicht wissen ? Oder ist der Brief zu aufdringlich oder vermittelt er gar den Eindruck eines Versuches Ihr wieder näher zu kommen
Ich weiß es wirklich nicht. Liebe Gruße an euch alle -- Thomas