In der Hebräischen Bibel steht im Buch Levitikus (3. Mose) 19, 18:
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
Jesus hat mit seiner Erzählung vom "Barmherzigen Samaritaner" die Frage nach dem Nächsten dahingehend beantwortet, dass es insbesondere ein Mensch ist, der der Hilfe durch andere bedarf und hat damit den Personenkreis eingeschränkt.
Der Apostel Paulus beschreibt in seinem 13. Brief an die Gemeinde in Korinth die Liebe wie folgt:
"Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich ein dröhnendes Erz und eine lärmende Pauke. Und wenn ich weissagen könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnisse hätte, wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich meinen ganzen Besitz verschenken und meinen Leib dem Feuer übergeben würde, hätte aber die Liebe nicht, würde es mir nichts nützen.
Denn die Liebe ist langmütig und geduldig, sie ist gütig und ereifert sich nicht!
Sie prahlt nicht und bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht mutwillig und ist nicht auf den eigenen Vorteil bedacht. Die Liebe ist nicht zornig, trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über Unrecht, noch Ungerechtigkeit, sondern an der Wahrhaftigkeit.
Die Liebe erträgt alles, duldet alles, hofft alles und hält allem stand! Die Liebe hört niemals auf. Weissagungen, Zungenreden und alle Erkenntnis sind vergänglich und werden vergehen. Denn Stückwerk ist all unser Wissen und unsere Erkenntnis,
Stückwerk sind auch all unsere Weissagungen! Wenn aber die Vollendung kommt, wird alles Stückwerk vergehen!
Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind.
Als ich ein Mann wurde, legte ich alles Kindliche ab.
Jetzt schauen wir in den Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse und erkennen nur unvollkommen.
Es bleiben aber Glaube, Hoffnung, Liebe - diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe!"
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Die Frage nach der "wahren" Liebe hat die Menschen von jeher beschäftigt und umgetrieben. Allen Religionen gemeinsam ist die Antwort in der so genannten "Goldenen Regel" der Mitmenschlichkeit, jeweils variierend ausgedrückt, doch im Kern der Aussage gleichlautend. Der Volksmund hat daraus die eher negativ umschriebene Formel gebildet: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!"
Schöner ist das positiv ausgedrückte "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"
Wie gut würde es der Menschheit gehen, hätten sich nur mehr an dieses Gebot gehalten!
Warum fällt es den meisten von uns so schwer, es zu beherzigen?
Und lernen wir nicht schon als Kinder das genau Gegensätzliche, indem uns von wohlmeinenden Menschen gesagt wird, dass wir uns nichts gefallen lassen sollen, dass wir uns wehren müssen?!
Was ist nun richtig? "Aug um Auge, Zahn um Zahn!" wie es in der Hebräischen Bibel im Konfliktfall und bei Streitigkeiten empfohlen wird! Oft missverstanden als Aufforderung zum "Draufhauen"! Dabei ging es lediglich darum, angemessen zu reagieren, um eine Spirale von Gewalt und Gegenwalt zu verhindern.
Die Weisungen Gottes an sein Volk überbracht durch den Ahnherren Moses, sprechen eine andere Sprache, nämlich die der Mitmenschlichkeit und Nächtsenliebe. Jesus hat diese recht streng wirkenden Regeln mit Leben gefüllt, anschaulich und nachvollziehbar gemacht, indem er die in dieser Hinsicht an ihn gestellten Fragen mit Gleichnissen beantwortete, mit Beispielgeschichten aus der Lebens- und Erfahrungswelt seiner Zuhörer. So blieben die göttlichen Weisungen nicht abstrakt, unerfüllbar, sondern wurden konkret, und die Menschen verstanden, was gemeint war und konnten danach handeln. Es gelang ihnen, mal mehr, mal weniger!
Schaut man auf die Weltgeschichte, auf all die Greueltaten und Kriege, die Menschen einander antun, bekommt man den Eindruck, dass eher letzteres zutrifft.
Die "Guten" scheinen eine Minderheit zu sein, eine aus der Masse heraus ragende Minorität, die zwar allgemein als Vorbilder verehrt werden, jedoch nur wenige Nachahmer finden.
Offenbar ist die Eigenliebe von uns Menschen doch größer, als die Liebe zu unserem Nächsten. Das ist per se grundsätzlich zunächst nichts Schlechtes, dient es doch dem Selbsterhaltungstrieb eines jeden von uns. Kritisch wird diese Eigenliebe erst, wenn sie übersteigert und stets und überall nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist! Wenn ein Mensch nur sich selbst liebt und von anderen lediglich erwartet, geliebt zu werden. Dann sprechen Psychologen von einer narzistischen Persönlichkeitsstörung.
Im Grunde wollen alle Menschen lieben und geliebt werden. Das ist Antrieb und Ziel alles menschlichen Strebens, im Kleinen, wie im Großen.
Warum gelingt es uns dann nur so unvollkommen? Warum dann immer wieder diese Konflikte, Auseinandersetzungen und Streitigkeiten? Wo sich doch jeder im Grunde seines Herzens nach Frieden und Harmonie sehnt!
Was macht es so schwer, den anderen zu lieben? Ihn anzunehmen, so wie er ist, mit seinem Anderssein? Denn es fällt uns ja um ein Vielfaches leichter, jemanden zu lieben, der uns ähnlich ist, mit dem uns Gemeinsamkeiten verbinden und den wir aus welchen subjektiven Gründen auch immer auf Anhieb angenehm und sympathisch finden! Dann fällt es uns leicht, Anerkennung zu äußern, zu umarmen, zu lieben!
Und doch ist mit der Nächstenliebe viel mehr gemeint! Sie soll nicht dem gelten, bei dem es uns leicht fällt, sie zu verschenken! Nein, ganz im Gegenteil! Wir sollen uns gerade um den bemühen, der fremd ist, anders ist, ja, vielleicht sogar als abstoßend empfunden wird, der ausgegrenzt, am Rande der Gemeinschaft ein eher bedauernswertes Dasein fristet! Denn der ist es, der Liebe nötig hat, in die Gemeinschaft mit aufgenommen werden möchte!
Wer sich ignoriert, ausgegrenzt, ungeliebt und abgelehnt fühlt, wird seinerseits keine Liebe für andere entwickeln können, wird Hassgefühle aufbauen und auf Rache sinnen!
Daraus entwickelt sich dann häufig diese Spirale von Hass und Gegenhass, von Gewalt und Gegengewalt, von Vergeltung und Rache.
So ist es an den Vernüftigen, den Friedfertigen, den Liebenden ihre Wirkung zu entfalten, auszudehnen, um Gutes zu bewirken.
Wer wollte nicht dazu gehören? Und wenn es uns nur im kleinsten Kreis, in unserem eigenen begrenzten Umfeld gelänge, wäre es wie ein Stein ins Wasser geworfen, der seine Kreise zieht, weiter und weiter!
Die meisten von uns wissen, wie gut man sich fühlt, wenn man verliebt ist, sich geliebt fühlt, angenommen, geborgen, sicher. Man möchte die ganze Welt umarmen, andere an dem Glück, das man empfindet, teilhaben lassen.
Und doch liegt die "wahre" Liebe in uns selbst! Bei manchen durch ungünstige, widrige Umstände verschüttet, bedürfen sie der Hilfe, der Liebe anderer, um sie wie einen Schatz ans Tageslicht zu heben. Diejenigen, denen es besser geht, weil vom Schicksal begünstigt, im Elternhaus von Liebe umgeben und vom Beginn ihres Lebens an mit einem großen Potential an Liebesfähigkeit ausgestattet, wissen, dass die Liebe in einem selbst liegt und es ein großes Glück ist, wenn sie von außen durch andere noch einen Zuwachs erfährt!
Die vom Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther propagierte Liebe in all den dort beschriebenen Facetten ist sicher ein hohes Ziel und wohl kaum von einem einzigen Menschen zu erreichen.
Doch viele kleine Schritte ebnen den Weg dahin - der Weg ist das Ziel!
Die "Goldene Regel" der Religionen hat modern formuliert Eingang in die Erklärung der Menschenrechte gefunden, dort umschrieben mit "Brüderlichkeit" - vorausgesetzt wird eine grundsätzliche Geschwisterliebe:
"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen!" (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, Artikel 1)
Es gibt ein hübsches kleines Lied, das meine Großmutter mir oft vorgesungen hat:
"Ins Wasser fällt ein Stein,
ganz heimlich still und leise,
und ist er noch so klein,
er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe
in einen Menschen fällt.
da wirkt sie fort
in Tat und Wort
hinaus in unsre Welt!"
Text: G. "Picasso"
Bild: m.f.G. coaching-blog - Marnie Aboutpixel
