Sie fuhr die Hauptstraße entlang.
Es war ruhig auf der Straße für einen Samstagnachmittag, aus dem Autoradio klang Geigenmusik, sie mochte diesen jungen Geiger; der die klassische Musik so gut herüber bringen konnte. Sie summte beschwingt beim Hummelflug von Rimski-Korsakow mit.
Als sie auf die Ampel zu fuhr, war sie erstaunt, dass diese heute früher abgeschaltet hat und fuhr ruhig weiter.
Sie hörte das Krachen und Knirschen. Es war übermäßig laut, sie wollte noch weg lenken, aber die Straße war nicht mehr da, ihr Auto drehte sich und sie schrie.
Auf einmal kam ein Schmerz - unvermittelt stark, sie schrie in Angst, was da mit ihr passierte, wieder ein großer Schmerz.
Dann war es anders, ungewohnt, still.
Wo war sie? Sie fühlte ihren Körper nicht mehr, sie fühlte nichts, es war alles leer.
Es gab kein Oben und kein Unten mehr.
Sie versuchte zu erspüren wo sie war, sah um sich.
Unter ihr das Auto, es sah schlimm aus, die Räder streckten sich ihr entgegen, Öl und Benzin flossen aus.
Ein Lastwagen hatte ihr Auto erfasst, sie sah verwundert hin, wo war er hergekommen sie hatte doch Vorfahrt.
Sie sah Menschen zu ihren Auto eilen und zu den Lastwagen, der obendrein in ein Haus gefahren war.
Ein paar Männer zogen ihren leblosen Körper aus ihren Auto.
Eine Kälte kam zu ihr, eine Kälte die sie einhüllte und mit dieser Kälte kam die Angst. Sie war tot aber wo war das Licht, fragt sie sich, wo soll es hingehen?
Mit dieser Angst erwachte das erstaunte Gefühl: ich kann denken, ich habe Gefühle.
Sie sah wie die Menschen, sie versuchten wiederzubeleben, ein Krankenauto war gekommen.
Sie versuchte zu ihrem Körper zu gelangen, was auch ging, schwebte über ihm sah die Wunden und das viele Blut. Doch je näher sie ihn kam, um so stärker wurde der Schmerz, er zerriss sie fast.
Erschrocken wich sie zurück, gleich ging es ihr besser, durch das Zurückweichen kam ein Gefühl der Leichtigkeit. Das Gefühl frei zu sein, nicht mehr am Boden gebunden in einem Körper gehalten, sich frei zu fühlen wie ein Vogel.
Dann geschah es, sie erfasste alles, brauchte sich nur zu konzentrieren, auf einen Gedanken und Ort.
Sie schwebte, ja sie schwebte an die Orte ihrer Gedanken, wie zu dem kleinen Kneippkurplatz mitten in der Stadt, wo sich der Fluss träge entlang schlängelte.
Bei ihren Haus angekommen, sah sie ihren Sohn davon eilen, sie erschrak.
Mein Güte dachte sie, was soll er machen, seine Frau war vor einen halben Jahr gestorben, dies hatte ihn schon schwer getroffen. Die Kinder hatte sie mit ihn zusammen betreut.
Es wurde ihr kalt, sehr kalt als er davon fuhr.
Es kam ein Schmerz, riss sie fort an den Ort des Unfalls, sie spürte die schwere und den Schmerz wieder. Sah Ärzte sie wiederbeleben, der Schmerz war so groß.
Dieses wollte sie nicht, dachte an ihre große Tochter, die weit weg wohnte im tiefsten Amerika.
Sie dachte und dachte an sie, sie wollte sie noch einmal sehen.
Bevor es nicht mehr ging.... irgend etwas geschah mit ihr, als sie an sie dachte.
Fühlte, dass alles viel schwerer und dichter, dunkler wurde um sie herum.
Dann wieder alles leicht, als es klarer wurde, war sie bei ihr.
Neben ihrer Tochter lag ihr Mann dazwischen ihr Enkelkind 3 Jahre war es geworden vor kurzen.
Sie glitt zu ihrer Tochter herab und und kam ihr ganz nah an die Stirn in dem Moment sprach diese im Schlaf: Mutter rief sie, schlug die Augen auf und sah in ihre Richtung.
Erschrocken wich sie zurück bisher hatte sie noch keine Stimmen vernommen, das Telefon klingelte, die Tochter sprang auf und rannte mit den Worten: Mom , mom zum Telefon, sie nahm ab und Sekunden später brach sie zusammen, gehalten von ihren Mann der durch den Lärm erwacht war.
Sie schaute auf die kleinen Familie ein schwerer trauriger Schmerz durchdrang sie.
Sie dachte sich woanders hin, und sie trieb, sie trieb durch den Raum, ihren Schmerz um den Verlust ihrer Kinder in sich tragend.
Verwundert darüber, dass sie diesen Verlust empfinden konnte.
Sie glitt zeitlos durch den Raum, sie sah es Tag und Nacht werden, sie fühlte, wenn Gewitter waren, die Stürme trieben sie, manchmal gelang es ihr, dass ihre Gedanken sie zu Orten brachten, von welchen sie nur gehört hatte.
Erinnerungen aus ihrer Kindheit trafen sie, sie sah Szenen mit ihren Eltern, Freunden. Aber immer wieder war dazwischen das Treiben, der Schmerz um den Verlust ihrer Kinder, das war also der Tod.
Sie hörte die Geräusche der Welt immer stärker, das Weinen von Kindern, das Stampfen von Maschinen, im gleichen Takt: bum bum bum und ein eigenartiges Brummen. Doch sie wollte das nicht, sie wollte es nicht wahr haben.
Mit der Zeit sagte sie sich, das ist nicht der Tod, so kann der Tod nicht sein.
Sie wusste nicht, wie lange dies so ging.
Dann überkam sie eine unendliche Sehnsucht nach ihren Kindern, diese Sehnsucht wollte nicht enden, so gab sie ihr nach.
Sie glitt durch die Dichte und kam an Ort ihres Unfalls zurück, beginnender Herbst war es, sie sah ihre Kinder nicht dort, sie fühlte nur ihre Liebe und diesem Gefühl gab sie nach. Sie bewegte sich weit weg von den Ort, des Unfalls das Brummen und das Stampfen der Maschine wurden lauter.
Sie war da, sah ihre Kinder, der Sohn mit seinen Kindern saß da und sie nahm auch ihre Tochter und deren Familie wahr.
Dann durchzog sie wieder eine Kälte und ein Schmerz sie sah sich.
In einen Bett an Maschinen angeschlossen, ein Arzt erklärte ihren Kinder etwas an den Geräten.
Es durch fuhr sie -----sie lebte -----sie konnte es nicht fassen -----sie lag da.
Die Wunden waren verheilt, nur sie war nicht wach.
Sie glitt zu ihren Körper, wieder dieser Schmerz, der sie zu zerreißen drohte, sie schaute zu ihren Kindern, diese hatten Tränen in den Augen und ihr wurde bewusst sie nahmen Abschied von ihr.
Alles schrie in ihr NEIN , das könnt ihr nicht tun.
Sie senkte sich herab zu ihren Körper, der Schmerz ergriff sie, er zerriss sie fast, doch sie dachte an ihre Kinder.
Sie nahm den Schmerz, diesen Schmerz an und glitt hinein in ihren Körper, der sich so fremd anfühlte.
Es ergriff sie eine Schwere die sie kannte, Geräusche wurden langsam lauter, sie spürte ihren Atem, der gleichmäßig im Takt der Maschinen sich bewegte.
Geruch drang zu ihr durch, das Weinen ihrer Familie, die Berührungen von ihnen.
Dann hörte sie den Arzt sagen wir haben die Maschinen abgestellt.
Bild meins
A.L.©
