Nur: Dann quetscht sich so'ne junge Madame mit ihrem Auto da in eine Ecke so rein, dass der halbe Wagen auf die Fahrbahn ragt und der samstägliche Verkehr total behindert wird, weil es nun nicht mehr möglich ist, dass Verkehr und Gegenverkehr gleichzeitig nebeneinander her diese Stelle passieren können, sondern ständig muss einer auf den anderen warten.
So, weil ich eh noch eine geraucht habe, habe ich mir das ein paar Minuten angeguckt und mir gedacht: "Gesellst du dich zur schweigenden Mehrheit, die den Sch**** einfach so hinnimmt, oder gehst du hin und sagst dem Mädel ein paar Takte dazu?", und habe mich dann für's Leben entschieden, also dafür meinen Handlungsimpuls umzusetzen statt zu unterdrücken. Nachdem Madame das Fenster runtergekurbelt hatte, habe ich sie als erstes mal gefragt, ob sie da vielleicht auf jemanden wartet, der gehbehindert oder so ist (um abzuklären, ob es vielleicht einen Grund gibt, der ihre Behinderungsmaßnahme rechtfertigt).
Ja, sie wartet auf jemanden (wobei von gehbehindert o.ä. keine Rede war), aber wieso ich denn fragen würde. Weil ihr vielleicht noch nicht aufgefallen ist und ich sie darauf aufmerksam machen möchte, dass sie so wie sie da steht den Verkehr total behindert. Darauf sie: Das mit der Engstelle, das wäre ja nicht ihre Schuld, das läge ja an der Baustelle!
= So, das war jetzt die Stelle, wo jeder, dem ich die Story bisher erzählt habe, in schallendes Gelächter ausgebrochen ist =
Aber weiter: "Alles klar, Mädel" denke ich mir "so habe ich mir das gedacht: Einsicht ins eigene Fehlverhalten = Null", und sage: "Okay, ich merke, Sie sind uneinsichtig, aber ich wollte Sie nur mal drauf aufmerksam gemacht haben, wie Sie hier den Verkehr behindern." Worauf sie nochmal wiederholte: Das läge ja nicht an ihr, das läge ja an der Baustelle.
Ob es von ihr nun Dummheit oder Dickfelligkeit ist... ich beschließe, dass eine Diskussion ("Ja sicher wäre das kein Problem, wenn hier keine Baustelle wäre, aber hier ist jetzt nun mal eine und deshalb ist es sehr wohl Ihre Schuld, dass der Verkehr behindert wird, wenn Sie sich unter diesen Umständen hier so hinstellen.") zwecklos ist und verabschiede mich mit einem gepflegten: "Jaja, ist klar... wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld."
Was fand ich denn jetzt am Verhalten dieser Frau unerwachsen? Die Einstellung "Ich bin doch nicht für die Folgen meines Tuns verantwortlich! Schuld sind alle anderen oder alles andere, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen! Was ich mache, ist sowieso alles richtig - wenn jemand was falsch macht, dann die Anderen - daher kann ich tun und lassen, was ich will!"?
Oder, hier, gestern, Ausfahrt Bilk zum Beispiel... Da ist ja mal wieder, wie so oft, stockender Verkehr. Und zwar wegen diesen Vorquetschern, diesen Typen, die bis 5 m vor der Ausfahrt auf der linken Spur fahren und dann rechts rüber ziehen. Die können natürlich auch "nichts dafür", denn "in Wirklichkeit" liegt es ja an... was weiß ich, worauf die die Schuld schieben würden, vielleicht darauf, dass Ausfahrten nun mal nach rechts abgehen.
Was ich an diesen ganzen Sachen so erschreckend und entsetzlich finde, ist einfach, dass die Leute konsequent leugnen, dass sie mit ihrem Tun an bestimmten Folgen einfach beteiligt sind. Also an irgenwelchen negativen Situationen, sei es ein Stau auf dem Parkdeck oder ein Stau vor einer Ausfahrt oder sei es das eigene Leben, sind die Leute zwar beteiligt, aber "sie können überhaupt nichts dafür". Schuld daran ist immer irgendetwas anderes oder irgendjemand anderer, aber es ist nie die Folge ihres eigenen Handelns.
Und wenn diese Menschen das leugnen, dann finde ich das dreist und dickfellig, aber wahrhaft schlimm wird es, wenn sie das nicht nur leugnen, sondern wirklich nicht erkennen. Wenn also dieses "ich kann nichts dafür" nicht nur eine Ausrede, Schutzbehauptung ist, sondern wenn sie das wirklich glauben und davon überzeugt sind.
