Prinz Milosch heißt unser Neuzugang, ein weißrotes Katerchen, das völlig abgemagert und schwer verletzt zu uns kam. Zu uns? Das ist Miss Micki, eine zwölfjährige Tigerkatze und ich. Er streunte wohl schon lange durch die Gegend, so mager und zerzaust wie er war. Vielleicht ausgesetzt ? Vielleicht verirrt ??

Ich fütterte ihn und nach 5 Tagen konnte ich ihn streicheln. Er wurde schöner und schöner. Dann kam er vier Tage nichtmehr. Ich machte mir große Sorgen. Dann war er plötzlich wieder da, aber sein Schwänzchen war ab und eine schmerzende Wunde machte ihn fast wahnsinnig. Ich konnte dennoch sein Vertrauen gewinnen und am zweiten Tag brachte ich ihn in einem großen Hundetransportkorb in die Tierklinik. Sein Stummelchen, das bereits mit Wundbrand infiziert war, wurde bis auf Fünf cm amputiert, er wurde kastriert und 14 Tage liebevoll versorgt.

Es war am vierten Tag, nachdem Prinz Milosch aus der Tierklinik zu uns nach Hause kam. Am Abend ließ ich ihn dann nach langem Quängeln auf die Terrasse, während ich mir einen Film anschaute. Kurz darauf hörte ich ein lautes erschreckendes Piepsen. Ich stürzte förmlich auf die Terasse und da saß er. Prinz Milosch mit einem Entenbaby im Maul. Er kam mir gleich entgegen und legte es mir zu Füßen. Fast unglaublich, aber das Küken war völig heil. Ich packte es blitzschnell und nahm es in Sicherheit. Sein Herzchen pochte wie wild und ich ging sofort mit ihm durch den Garten ans Seeufer. (Ich wohne nur durch die Promenade getrennt direkt am Bodensee.)

Doch so sehr ich auch Ausschau hielt, weit und breit war keine Entenmutter zu sehen die das Junge vermissen könnte. Auch die Passanten hatten nichts dergleichen bemerkt, als ich sie fragte. Also nahm ich das kleine Flauschbällchen mit nach Hause, knüllte ein weiches Handtuch in meinen Papierkorb aus Drahtgeflecht, legte das kleine gelbschwarze Baby hinein, deckte es mit einem Tuch zu und brachte das Entenasyl ins Bad, damit meine Katzen nicht dazukonnten. Kaum hatte ich die Türe geschlossen, da hörte ich das selbe verzweifelte piepsen nochmal und tatsächlich, Prinz Milosch brachte mir das zweite Küken. Auch das war unverletzt . Ich brachte es ins Bad und es kuschelte sich völlig abgekämpft an sein Geschwisterchen ins flauschige Handtuch. Inzwischen war es schon dunkel und ich ließ den Kater nichtmehr hinaus. Nach etwa einer Stunde hörte ich wieder klägliches Piepsen, doch diesmal kam es aus dem Nachbargrundstück, das durch eine dichte hohe Hecke von unserm Garten getrennt ist. Ich rannte aus der Wohnung zur Straße und lief von dort ins Nachbargrundstück, wo im Hof eine graue Katze ein drittes Küken jagte. Ich konnte es in letzter Sekunde an der Haustüre fassen. Leider fand ich auch ein Totes am Weg, dem ich nicht mehr helfen konnte.

Nun waren drei süße kleine Stockentenbabys in meinem Bad und ich beschloß, am Morgen ganz früh nach der Mama zu suchen. Falls mein Rettungseinsatz nochmal  erforderlich war, legte ich mich vorsichtshalber angezogen auf's Sofa. Doch die Nacht blieb ruhig, bis mich um punkt fünf Uhr ein lautes Entenquaken weckte. Ich wußte sofort, dass es die Entenmutter war. In aller Eile schnappte ich den Papierkorb, rannte durch den Garten, wärend ein weiteres Quaken vom See kam. Am Ufer sah ich eine einzelne Ente, die gerade wegfliegen wollte, als die kleinen Kerlchen im Papierkorb anfingen laut zu piepsen. Die Ente drehte sofort um, flog einen Bogen und landete direkt vor uns. Ich kippte den Korb und die Kleinen eilten ins Wasser.

Ich kann nicht beschreiben, was das für eine Wiedersehensfreude war. Sie schwammen minutenlang im Kreis und piepsten und quakten, dass mir fast das Herz überlief.

Ich saß dann noch eine halbe Stunde auf einem Stein und weinte vor Glück. Die Entenmutter blieb auch und ich bin sicher sie wußte, dass ich ihre Babys gerettet habe.

Sie ist noch immer da und ich sehe sie jeden Tag.  Inzwischen sind die Kleinen ganz schön gewachsen und ich freue mich wie ein Kind, wenn ich sie heiter und emsig umherschwimmen sehe.

Hätte Prinz Milosch mir die Kleinen nicht gebracht, dann wären sie bestimmt umgekommen. Ich erfuhr dann zwei Tage später, dass eine Stockente auf dem Garagendach des Nachbarn gebrütet hatte. Bestimmt wollte die Entenmutter an diesem Abend mit ihren Jungen zum See. Drei davon hatten Glück!