"Die sollen schnell wieder verschwinden, die passen hier nicht hin." Das sagte jemand zu mir, der morgens beim Bäcker sein Spezialbrot kaufte. Und ich fragte ihn, ob er sich nicht vorstellen könnte, wie eine solche Meinung auf diese Leute wirken würde, wenn sie ihnen zu Ohren käme?

    Viele Bewohner unseres Dorfes störte das neue Asylantenwohnheim. Sieben Familien aus Südosteuropa waren dort zunächst einquartiert worden. So unter der Hand wurden Gerüchte verbreitet, Vorurteile und auch blöde Witze über diese Leute in Umlauf gebracht. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch positive Meinungen waren da, Gott sei Dank!

    Ich spürte so bei mir, dass man einen Schritt weitergehen könnte, mehr persönlich auf die Leute zu. Gemeinsam mit einigen Freundinnen, die ähnlich dachten wie ich, gingen wir an einem Sonntag in das Asylantenheim, um die Familien dort kennenzulernen. Wir waren anfangs dabei ein wenig schüchtern, denn wir wußten nicht so recht, wie wir eventuelle Kontakte knüpfen könnten. Die Leute waren freundlich, luden uns zum Tee ein, und eine junge Frau von den Asylanten übersetzte ihre Anliegen. Auf unsere Frage, wie sie sich hier fühlten, drucksten sie zunächst herum, aber dann gaben sie zu, dass sie sich einsam und von ihrer Umgebung abgelehnt fühlten. Das haben wir nicht weiter kommentiert, aber wir haben mit den Kindern gespielt, ihnen kleine deutsche Volkslieder vorgesungen usw., und so nach einiger Zeit war das Eis gebrochen. Am Ende des Nachmittags versprachen wir, bald wiederzukommen.

    Unser Besuch hatte sich im Dorf schnell herumgesprochen. Wie zu erwarten, waren die Meinungen dazu verschieden. Einige sagten offen, dass sie dafür kein Verständnis hätten, denn sie hätten selbst genug Probleme mit ihren Familien, um sich noch um andere kümmern zu können. Andere aber fragten uns, was denn sie für diese Familien tun könnten, zum Beispiel waren noch Kinderkleidung vorhanden oder Hausrat. Besuche war nicht drin, und man merkte, wir alle sind diese Art Nachbarschaftshilfe nicht gewohnt. Bei den Kindern war das anders, sie schlossen schnell Freundschaften miteinander.

    Aber es ist immer wieder ein neuer Beginn notwendig, denn die Familien ziehen wieder aus, es kommen neue... Jedoch das allgemeine Klima ist besser geworden, und blöde Witze über unsere Asylantenfreunde habe ich schon lange nicht mehr gehört!"   F.G.