Aus dem Recorder erklang Chris Reas unverwechselbare Stimme ...beide liebten diesen Sänger mit seinen besonderen Liedern, ein Sänger von Format.
Unwillkürlich trat er aufs Gas, beschleunigte seine Fahrt, wollte noch schneller
sein Ziel erreichen,seinen Sehnsüchten näher kommen...
In der Eintönigkeit des surrenden,schnurrenden Motorengeräusches und der Regenlandschaft sowie dem etwas quietschenden Geräusch der Scheibenwischergummis...ertappte er sich in Vorfreude, dass er ganz persönliche,schöne Erinnerungsbilder vor Augen hatte.
Vor sich sah er sie, ihr liebes Gesicht,die vollen Lippen und lachende Märchenaugen, in denen er gerne versank und sich in ihnen verlor...so wie er dieser ganzen, Frau verfallen war....
Wieviel wundervolle, weiche, warme Frau hielt er in Händen, was gab es zu umfassen und zu erfassen?- Toll, kein Püppchen sondern seine Frau !
Wieviele Kilometer und Entfernungen nahm er in Kauf für die unbändige Freude auf ihn, die ihm aus diesen Augen entgegenstrahlte, immer und immer wieder.War das schon Liebe?
Sie kannten sich noch nicht allzu lange und dennoch war es ihm, als hätte er sie bereits in einem früheren Leben getroffen...es war so eine Vertrautheit gepaart mit einer wunderbaren Natürlichkeit und Unbefangenheit...wie liebte er das an ihr, denn viele Fagen erübrigten sich bereits aus dem Vertrauen zueinander.
Er war kein Freund großer Worte...ließ lieber Taten sprechen...versonnen grinste er in sich hinein.
Sich ganz fallen lassen und mit ihr im Liebesbalz zu tanzen, außerhalb von Raum und Zeit, nur auf ihre beiden pochenden Herzen zu hören und durch sie den Rhytmus ihrer immer enger werdenden Werbungen, immer mutiger werdenden drängenden Sehnsüchte und heißen, zärtlichen auch ungestümen Umarmungen bestimmen zu lassen....und die Küsse erst !!! Er schnallzte genüßlich mit der Zunge.
...Verdammt, noch hieß es aufpassen und sich auf die Straße vor ihm zu konzentrieren,auch wenn die Autobahn zu dieser Abendzeit nur schwach befahren war.
Seinen kleinen Freund, der bei all den Reflexionen ganz schön munter wurde besänftigte er...."Zu früh ,mein Bester!"
"He, Kumpelchen, nur noch wenige Meterchen bis zur Ausfahrt, halte aus!"
"Nein, Caroline, heute geht es nicht und die nächsten Tage ebenfalls nicht,tut mir leid!"
Sie hatte ihrer Freundin abgesagt und konnte sich gerade noch beherrschen, ihre aufgekratzte Stimmung auf die Wiedersehensfreude mit Valentin nicht spüren zu lassen.Caroline kannte sie so gut wie ihre "Westentasche"...Maria grinste in sich hinein.Termine waren auch umgestellt und Unwichtiges verschoben, nichts würde sie beide stören.
Sie schnupperte dem Küchenduft nach und nahm, mit großen Topfhandschuhen bewaffnet, die selbstgebackene Hefeteigpizza aus dem Ofen. Hmmm...war die aber gut gelungen!
Als Belag erfreute sie nachher auf dem krustigen, goldgelben Boden ein Gemisch aus Tomatenketchup und Creme fraiche, darauf gewürfelte Tomaten ohne Haut aus der Dose, Paprika,gelb und rot geschnitten sowie ein Käsegitter darüber.
Jetzt , so frisch aus dem Ofen, bestreute sie noch alles mit gehacktem Basilikum Der Rotwein "atmete" Zimmertemperatur und die Flasche Sekt für ganz viel später, holte sich inzwischen "Eisbeine".
Sie war fertig ,schaute nochmal auf das eingedeckte Tischchen an der Couche,
verteilte neue Kerzen im Zimmer.
Einige erlesene, CDs würden ihr Wiedersehen wohlig umrahmen,auch sie lagen griffbereit.
Ihr flüchtiger Blick, prüfend im Flurspiegel, fiel ganz ordentlich aus, denn was macht schöner,als Vorfreude? Sie hatte ihr eine liebliche Röte ins Gesicht gezaubert und ihre Augen strahlten sowieso.
Sie drehte sich ganz allein zu ihrer Lieblingsmelodie und es ging ihr prima.
Gleich, gleich würde es an der Haustür schellen und sie standen sich nach sehr langen, einsamen Nächten endlich wieder gegenüber."Sicherlich wird er müde sein",dachte sie und Maria hätte auch dafür Verständnis....
Ein langes Wochenende läge ja vor ihnen und vor allem wieder einmal eine erste ,gemeinsame Nacht.Sie würden Arm in Arm einschlafen, Arm in Arm erwachen,wie wundervoll. So eine Nacht ist seeehr lang und beide seeehr ausgehungert nach Zärtlichkeiten,sie würden es ausgiebig genießen,da war sie sich sicher.
Es klingelte und sie bekam nun doch Puddingbeine, als sie lächelnd die Tür öffnete...die Tür und die zu ihrem Herzen, als sie sich stürmisch mit einem laaaangen Dauerkuss in die Arme fielen.
"Willkommen zu Hause,Valentin, mein Valentin", jubelte sie ihre Freude nach dem ersten Atemholen heraus..."ich habe für Dich gebacken!" Wie überflüssig dies zu bemerken, denn alle seine Sinne waren geschärft und er zog sie liebevoll ins Wohnzimmer auf die Couche..."Mein Engel, uns gehört nun die Welt, unsere Welt!" lachte auch er verschmitzt. "Mein Lieb, Erdbeeren habe ich auch besorgt,"flüsterte Maria.
Und ich habe für die liebste Frau meiner schlaflosen Nächte diesen Strauß mitgeschleppt",meinte Valentin gutgelaunt und legte seiner strahlenden Angebeteten rote Rosen in den Arm.
"Lass uns das Menü beginnen, die Reihenfolge bestimmt der Herr!" hörte Valentin aus der Küche, in die Maria ihm unter den Armen weggerutscht war um ihre herrlichen Rosen mit Wasser zu versorgen.
Als sie zurückkam, wußte sie sofort, es würde ein außergewöhnliches Menü werden...
und...Pizza schmeckt schließlich auch danach kalt,... oder?;)
© Wibke
Foto: privat
