Meine Gedanken schweifen immer wieder zu Peter, ich hab es vor Monaten beendet...wollte nicht mehr sein Spielzeug sein.
Anfangs war ich stolz auf mich ...ich schaffe das, jawohl...ich bin stark und ich brauche ihn nicht ...er tut mir nicht gut.

Monate war ich allein und es ging mir wirklich gut dabei...ich war wie befreit, hatte endlich die Kraft gefunden einen Schlussstrich zu ziehen, wartete nicht mehr auf Dinge, die sowieso niemals passieren würden.

Endlich hatte ich auch wieder Augen für andere Männer, ich war ja frei ...ein Single ...völlig ungebunden, niemandem Rechenschaft schuldig ..außer mir selbst evtl.

An einem wunderschönen Oktobertag lernte ich M. in einem Kaffee kennen, wir unterhielten uns sehr angeregt und ich erfuhr, dass er vor einem guten halben Jahr seine Frau an den Krebs verlor. Er war das erste mal allein losgefahren, weil das schöne Wetter so gelockt hatte und seine Söhne anderes vor hatten.
Wir gingen gemeinsam spazieren und er erzählte mir von seinem Leben und vom Tod seiner Frau, die lange Zeit krank gewesen war. Die Worte sprudelten regelrecht aus ihm heraus, als hätten sie lange schon darauf gewartet endlich ans Licht zu kommen. Ich hörte ihm zu und zeigte ihm mein Mitgefühl und Verständnis für seine Situation. Er wollte wieder am Leben teilhaben, wieder lachen, sich wohlmöglich auch wieder verlieben ..aber war das nicht zu früh? ...noch kein Jahr her der Tod seiner Frau, aber zu Hause fiel ihm die Decke auf den Kopf ...so viele Jahre mit dem drohenden Tod im Nacken gelebt ...spürte er jetzt ein unbändiges Verlangen nach dem Leben und er war so froh, mit mir endlich jemanden gefunden zu haben der, völlig neutral und unbedarft, seine Geschichte anhörte und Verständnis zeigte für seinen Wunsch sich wieder lebendig zu fühlen.
Seine Familie und seine Freunde ...mit ihnen konnte er seine Trauer teilen und sie waren sicherlich für ihn da, aber über dieses Thema konnte er nicht mit ihnen reden.
Es wurde ein langer Nachmittag, ich erzählte auch ein wenig über mich und mein Leben und als die Sonne unterging beschlossen wir, uns wieder zu treffen und tauschten Telefonnummern aus.
Fast jeden Abend telefonierten wir miteinander, trafen uns mal zum Essen und gingen tanzen, oder ins Konzert.
Ja und mit der Zeit kamen wir uns näher ...
Das gebrannte Kind und der trauernde Witwer ...was für ein Paar.
Mir war es nur Recht, dass er unsere Verbindung erst mal nicht öffentlich machte in seinem Umfeld, auch ich hielt mich in meinem Umfeld recht bedeckt, ich wollte erst mal erkunden ob wir so was wie eine Zukunft haben könnten.
Er überschüttete mich mit Aufmerksamkeiten, las mir fast jeden Wunsch von den Augen ab, war immer da wenn ich ihn brauchte.
Ich gab ihm was mir möglich war, aber mehr als innige Zuneigung brachte ich nicht zustande, obwohl er eigentlich mehr als liebenswert war.
Denn auf einmal war da Peter wieder in meinem Kopf ...ich hatte ihn doch verbannt, er sollte eigentlich aus meinem Kopf verschwunden sein.
Nun, er hatte sich heimlich versteckt ...ganz hinten in meinem Herzen, in der dunkelsten Ecke hatte er gewartet das ich meine Gefühle wieder entdecke und machte sich ungeniert wieder breit in mir.

Er geisterte durch meine Gedanken und in den schönsten Momenten stand er auf
einmal neben mir und schaute mir über die Schulter ...
Wie oft hatte ich dann den heimlichen Wunsch mit ihm all Dieses zu erleben und schämte mich gleichzeitig dafür.
Das hatte M. nun wirklich nicht verdient, ganz im Gegenteil.
Tja und als hätte er es geahnt, bekam ich zur Krönung auch noch eine sehr eindeutige SMS von Peter, das er mich vermisst und mich gern sehen möchte etc.
Natürlich weiß ich genau, dass er sein Spiel nur fortführen will ...ich hab nicht drauf geantwortet und das ist auch nicht wirklich mein Problem.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los nicht mehr lieben zu können, jeden Mann messe ich an Peter und schon hat er eigentlich verloren. Wie komme ich aus dieser Zwickmühle wieder raus?
5 Jahre habe ich schon an diesen Mann verloren und komme einfach nicht wirklich los von ihm.

Ich würde so gerne dieser neuen Beziehung eine Chance geben, M. hat es verdient wirklich geliebt zu werden, er hat wirklich eine sehr schwere Zeit durchgemacht und ich will nicht mit seinen Gefühlen Harakiri spielen.
Wenn ich mein Herz nicht frei bekomme, muss ich mich Fairerweise von ihm trennen, weil ich ihn nicht wirklich lieben kann.
Ich hab ihm gesagt, dass es mir schwer fällt die Liebe zu zulassen, weil ich schon einige Enttäuschungen hinter mir habe.
Von Peter hab ich ihm nichts erzählt, um ihn nicht zu verletzen.
Aber ich muss langsam eine Entscheidung treffen.