1. Eine Kartoffel vergleicht sich mit einer Tomate

Hier dunkles Dasein - da im Licht, im Rampenlicht.
Hier Enge und stickige Erde - da Freiheit und Frische.
Hier depressive launige Stimmung - da Ausstrahlung und Lebensfreude.

Hier nur Nachteile - da nur Vorteile.

Wer so redet, verrät etwas. Nämlich - dass er schwarz/weiß denkt, bzw. rot/braun
(n i c h t politisch gemeint!)
Wer so redet verrät,
- dass er nicht mehr sieht, wie es wirklich ist
- dass er kein dazwischen mehr kennt.
Es gibt nur gut und schlecht - Nachteil und Vorteil.

Woher das kommt?
Vom Vergleich!!

Als ich mein Studium angefangen habe, warnte uns ein Lehrer davor, uns miteinander zu vergleichen. Aber es fiel mir sehr schwer.
Und immer wieder ertappte ich mich dabei, mich heimlich mit den Anderen zu vergleichen.
Da waren einige, die konnten viel besser singen als ich.
Ich bin kein großer Sänger. Ein Solo meinerseits und die Veranstaltung ist wegen Massenflucht beendet. Aber wie schön doch für die Anderen:
Einstieg: Lied. Sangen sich in die Herzen. Trumpften bei Feierlichkeiten auf.
- Hab' ich nicht.
Dann war da einer, der schrieb in jedem Fach nur Einsen. Dabei strengte der sich auch nicht mehr an wie ich.
- Hab' ich nicht.
Dann waren da welche, die waren so spontan. Die konnten fast aus dem Stehgreif eine fesselnde Rede halten.
- Hab' ich nicht.
Und wenn sich meine Gedanken dann so verloren, bekam ich genau dieses Lebensgefühl der Kartoffel. Gott hat bei mir doch arg gespart.

Der Vergleich machte mich unglücklich. Er redete mir ein, dass bei den Anderen alles nur Licht sei - und bei mir nur Schatten.

Ein gefährlicher Trugschluss.
Ich sage folgendes: Wer sich ständig vergleicht, muss unglücklich, depressiv und voller Komplexe werden.
Bist du nämlich endlich dem einen oder anderen mindestens gleichgestellt oder gar überlegen, suchst du dir die nächste Kapazität, mit der du dich vergleichen kannst. -

Wen willst Du denn alles aus dem Rennen schlagen?
Deine Mitschüler? Dann Deinen Lehrer? Und dann...?
Deinen Kollegen? Dann Deinen Vorgesetzten? Und dann...?
Deine Schwester, deinen Bruder in der Gemeinde? Im Leitungskreis? Im Verband? Und dann?...
Deinen Kameraden im Sportverein der C-Klasse, der B- Klasse usw.
Wann wirst du satt sein?
Wann wird dein Blick nicht mehr auf die nächste Tomate gerichtet sein, die deinem Hoch---Mut im Wege steht?
Die Natur bietet uns ein gutes Gleichnis: Würden wir eine Kartoffel so der Sonne aussetzen wie die Tomate, würde sie ???
- Und damit unbrauchbar.
Und ... sollten wir von Tomaten auf Dauer satt werden?

Trotzdem versuchen wir, oft aus dem Vergleich heraus, etwas zu sein, was wir nicht sind.

Liebe Geschwister, diese Art Vergleich ist Sünde. ICH will SELBST Gott sein. Niemand darf größer sein als ICH. Niemand darf es besser haben/können als ich usw.
Und Millionen von Menschen werden an dieser Sünde krank.
Man könnte diese Sünde auch Neid oder Eifersucht nennen.

Ich sage nichts gegen Anstrengung und gesunden Ehrgeiz.
Aber denken wir darüber nach, ob wir nicht gute Kraft unseres Lebens damit verbringen, aus einem Kartoffelleben ein Tomatenleben machen zu wollen. -
Wo bist du damit beschäftigt, etwas erreichen zu wollen, was du nicht bist, was dir nicht gegeben ist?
Wo bringt dich der Vergleich mit anderen in Zugzwang?
Wo tust du nur deshalb etwas, damit du dich beweisen kannst, oder andere ausstechen kannst?

2. Gott knüpft an
Das Evangelium hat etwas mit dem Leben zu tun. Vor allem dann, wenn du Antworten auf solche Fragen in der Bibel suchst.
Denn die Frage ist ja: Wie kann ich mein Leben anders sehen? Wie komme ich heraus aus diesen Zwängen, die mich so(über)fordern und unglücklich machen?

1. Korinther 12, 4-11: Viele Gaben - ein Geist
„1 Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen.
2 Ihr wisst: als ihr Heiden wart, zog es euch mit Macht zu den stummen Götzen.
3 Darum tue ich euch kund, dass niemand Jesus verflucht, der durch den Geist Gottes redet; und niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den heiligen Geist.
4 Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist.




5 Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr.
6 Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.
7 In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller;
8 dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist;
9 einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist;
10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen.
11 Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will.
12 Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus.“

Verschiedene Gaben > EIN Geist. Gott will, dass Christen an EINER Sache gemeinsam stehen, alle im Dienst an einer Sache. Jeder so gut er kann.
Verschiedene Ämter (Aufgaben), > EIN Herr
Verschiedene Kräfte (viel/wenig), > EIN Gott, der alles in allem wirkt.

GABEN! > Erntedank!
Hast Du schon einmal ernsthaft darum gebetet, dass Gott Dir bessere Gaben geben soll als den Anderen?
Dass er Dir die besonderen Ämter, bzw. Aufgaben geben soll?
Dass er Dir die meiste Kraft von allen geben soll? ... dass du besonders viel Frucht deines Schaffens ernten kannst? -
Wir wagen es nicht, ernsthaft so zu beten, weil uns der Heilige Geist beim Beten zeigt, dass das falsch ist. Er zeigt uns, dass wir nichts Trennendes zwischen uns aufbauen sollen, sondern EINHEIT haben und bewahren. In EINEM Geist, in EINEM Herrn, in EINEM Gott.

Evangelium ist, dass wir uns NICHT gegenseitig als Konkurrenz betrachten müssen.
NEIN, wir dienen nicht uns, sondern dem EINEN Herrn, und einer Gemeinde.
Nicht überheben und trennen vom Anderen, sondern begreifen:
Ich gehöre zu einer herrlichen Vielfalt.

Stellen Sie sich vor, auf diesem Tisch lägen nur Tomaten, lauter glänzende, schöne pralle Tomaten. Schön, vielleicht, aber langweilig. Und - was machen wir nachher mit den Hunderten von Tomaten? Jeder von uns isst eine Woche lang Tomatensalat und Tomatensoße.
Nein - Es gibt gefüllte Zucchini mit Käse überbacken, Blumenkohlgratin, ein herrliches Möhrengemüse, Wirsing mit Speck, und Kartoffeln - als Pommes, als Chips, als Kroketten, als Brei, als Bällchen, als Taler und dazu herrlichen frischen gemischten Salat.
Und dann der Nachtisch: frisches Obst - und dann gibt's sogar noch Kaffee hinterher?
Wer wollte nur Kaffee? Nur Trauben, nur Kürbis?
Wir freuen uns über die bunte Mischung!

Und genau so hat Gott das nicht nur mit den Früchten des Feldes gemacht, sondern auch mit uns.
Jeder ist ein Original aus seinem Garten.

Steht hier doch nach der Aufzählung all der Unterschiedlichkeiten: "Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt jedem das Seine zu, wie er will": Verschiedene Gaben, verschiedene Aufgaben und verschiedene Kräfte.
Jeder von uns ist ein Original Gottes, mit genau den Gaben, der Befähigung für die Aufgaben und den Kräften, die er/sie hat.

Einige fühlen sich überfordert.
Gott verlangt nicht mehr, als er gegeben hat.
Wichtig ist nur, das auszutesten, auszuprobieren. D.h. im Gespräch mit Gott bleiben in der Arbeitslast. Spannung zwischen Beten und arbeiten.
Das praktizierte ein Mann, der allerdings nicht zur Priorität hatte, für sich selbst möglichst viel ernten zu können:
Im 1. Chronikbuch wird davon berichtet. Der Tempel wurde gebaut. Und als David Gott lobte beschrieb er die Schätze, die die Gottesdienstgemeinde zusammen trug: 5000 Ztr. Gold, 10000 Gulden, 10000 Ztr. Silber u.v. mehr taten sie in den Klingelbeutel.
Und weiter steht da:
"Und das Volk war fröhlich, dass sie so willig waren, denn sie gaben's dem Herrn freiwillig und von ganzem Herzen.“
Und David betet: 1. Chronik 29 V13 + 14: „Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. Denn was bin ich? Was ist mein Volk, dass wir freiwillig soviel zu geben vermochten? Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir's gegeben.“

Ntl. klingt das so: 1. Petr.4, 10+11
„10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes:
11 wenn jemand predigt, dass er's rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Das ist Evangelium am Erntedankfest: Dankend aus Gottes Hand nehmen - und aus dieser Hand Gottes wieder geben. -
Was hat Gott Ihnen anvertraut?
Was können Sie?
Was können Sie ausbauen und fördern? -
Gott will jedem seine Gaben geben!
Jeder soll IHM dienen können und für IHN Frucht bringen.

Vergleich Firma: Arbeitsmaterial und Werkzeug und Fortbildung, wenn du dazu gehörst. Wenn du einen Vertrag mit dem Chef hast.
Vertrag mit dem Chef: Abkommen mit Gott: Mein Leben soll dir gehören. Es soll dir Frucht bringen, dir Ehre machen.
Wenn wir so beten, dann vertraut uns Jesus „Kapital“ an, Werkzeuge, Gaben, die wir einsetzen sollen. Und eines Tages kommt er, um zu sehen, was wir daraus gemacht haben. Wer viel bekommen hat, der soll viel einbringen und wird dann auch reich entlohnt. Wer aber seine Gaben eingräbt und nicht zur Geltung bringt, der wird bei der göttlichen Ernte ausgesondert ...

Wir nehmen also unsere Gaben von Gott, und bringen sie für Gott wieder ein.
Wir können singen - und singen zur Ehre Gottes.
Wir können gut organisieren - wir organisieren für Gott.
Wir können gut basteln - und tun es für Gott.
Wir haben Gaben in der Hauswirtschaft - und nutzen diese für Gott.

Israel baute zur Ehre Gottes den Tempel - wir bauen zur Ehre Gottes den Tempel, in dem Jesus wohnt: die Gemeinde.
Und wir bauen mit den Gaben, die Gott uns gibt.

Also: Trost für die Kartoffel: Von dir wird nichts verlangt, was Gott dir nicht gegeben hätte.
Mahnung an die Tomate: Du stehst in der Gefahr, groß raus kommen zu wollen, deine Gaben für dich einzusetzen, dir deinen eigenen Tempel, gut getarnt in der Gemeinde, zu bauen. Dir sind deine Gaben bewusst. Du hast Selbstbewusstsein. Und das ist nichts Verkehrtes. Aber vergessen wir nicht:
Gaben haben und Aufgaben haben ist nicht alles. Die Gaben und die Aufgaben machen nicht unser "Sein" aus.

Deshalb spricht die Bibel auch von Früchten. Die größte Frucht ist die Liebe, die in 1. Korinther 13 so faszinierend beschreiben wird.
...und wenn wir alle Gaben hätten und unwahrscheinlich bewirken würden ... und hätten der Liebe nicht, dann wäre es zu nichts nütze!

Warum?
Die Gaben sind das, was der Christ hat.
Ja - und die Früchte sind das, was der Christ ist. (nicht mit ß).
Gott geht es noch mehr um unser Herz, um unser sein, um unsere Person, als um das, was wir tun.
Ja – das, was wir tun, soll aus einem Herzen voller Liebe kommen ... die verschiedene Gestalt annehmen kann:
Liebe, Freundlichkeit, Friede, Geduld, Freude, Treue, usw. Diese "Früchte" wachsen aus unserer Beziehung mit Jesus. Der Heilige Geist verändert unseren Charakter, also das, was wir sind.

Es gibt Menschen, die haben viele Gaben, aber wenig Frucht.
Sie können allerhand, sind aber abweisend, ironisch, selbstgefällig usw.
Diese "Tomaten" geben sich mit den Kartoffeln kaum ab.
Ihnen gilt die Mahnung aus Gal. 5,25: Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch so wandeln.

Gaben alleine machen's also nicht.
Was wir alles können ist nicht alles.
Was wir sind, darauf kommt's an!
Unsere Gaben werden einmal alle vergehen. Aber was wir von Jesus an Liebe gelernt haben, hört niemals auf (1. Kor.13,8).

Liebe Kartoffel, du irrst!
Du hast vergessen, dass Gott dich so geschaffen hat, dass du einen großen Nutzen hast. Auch du hast wichtige Gaben. Du musst sie entdecken!
Und du irrst auch, weil du glaubst, es käme alleine darauf an, wie du beim äußeren Vergleich abschneidest. Nein - Jesus sieht dich ganz, deinen Charakter, deinen guten Willen, deine Liebe zu ihm und deinen Geschwistern.

Liebe Tomate!
Ich freue mich, dass du viele Gaben hast und sie auch kennst. Sei vorsichtig, dass Dir die Sonne nicht die Haut rötet und innen ist nur fades Wasser! Auch auf deinen inneren Gehalt kommt es an!

Lassen Sie mich zum Schluss noch ein Gleichnis aufzeigen, dass uns die Kartoffel und die Tomate bieten:
Wenn eine Tomate und eine Kartoffel über das Erntedankfest hinaus nicht nutzbar gemacht worden sind, nicht eingebracht wurden, (sich eingebracht haben), kommt der Frost. Das Gemüse verfault.

Manche Christen versäumen, sich einzubringen. Die Gaben, die sie so haben, verkümmern und verschimmeln.
Und irgendwann sagt man dann, "ich kann dies und das nicht, macht ihr mal".

Gaben wachsen oft in und an den Aufgaben, die wir wahrnehmen.
Mancher schon entdeckte seine Gaben, als er Verantwortung übernahm. (Beispiel)
Das soll heute, an diesem Erntedankfest stehn.
Nicht nur das, was wir haben an materiellen Gaben, (gefüllte Brieftasche), soll geachtet, gepflegt und zu aller Wohl eingesetzt werden.
Nein - auch die Gaben, die der Heilige Geist den Christen gibt, wollen geachtet, gepflegt und zu aller Nutzen (V7) eingebracht werden.
Nicht dass sie verkümmern und im Frost erstarren, sondern dem Bau der Gemeinde Gottes dienen.

Deshalb kann nicht nur der Mensch, der wie die Tomate eher groß raus kommt, Gott danken.
Nein - das Erntedankfest macht deutlich:
Alle Gaben sind wertvoll und nützlich - Grund, Gott zu danken und sie einzubringen!
AMEN