Ich sitze hier vor meiner Tastatur und hebe meinen Blick,
um nachdenklich aus dem Fenster zu schauen.

Auf den Dachfirsten der Häuse gegenüber beginnt die Sonne, vorsichtig streichelnd, den Reif der Nacht zu entfernen.
Sie hat die alte Schwarzkiefer nebenan schon mit einem orangefarbenen Schleier umhüllt und läßt die vorbeifliegenden Saatkrähen wie leuchtende Perlenschnüre über den blauen Himmel gleiten.
Eine Amsel sitzt auf meinem Fensterbrett, plustert sich auf, öffnet den Schabel und versucht probeweise ein Konzert anzustimmen. Doch es ist noch kalt und die Töne verstummen bald wieder.
Meisen hüpfen durch die Zweige, wie kleine Glöckchen läuten ihre Stimmen. Es besteht kein Zweifel, sie versuchen den Frühling herbeizurufen.
Langsam ist die Sonne schon etwas höher gewandert. Hier und da tasten sich ihre Strahlen wie zarte Finger über lange, bleiche Grashalme, die den Winter überstanden haben. Auch hier schmelzen sie den noch vorhandenen Reif, bis er, winzigen Edelsteinen gleich, blinkt und blitzt, bevor er als ein Hauch zum Himmel schwebt.

Der beginnende Tag enthält ein großes Versprechen. Wird er es auch halten?