Jetzt steht es also fest. In deinem Blut lässt sich nachweisen, ob du verliebt bist oder nicht. Dem attraktiven Mann vorzumachen, du seist in ihn verliebt, nur um ihm die Verantwortung dafür aufzubürden und haftbar zu machen, hilft dir also nichts mehr.
Phenylethylamin (PEA) lässt sich leicht nachweisen. Diese chemische Substanz im Blut wirft dich in einen Taumel der Gefühle. Du kriegst feuchte Hände, errötest in Anwesenheit des Ziels deiner Wünsche und setzt die allseits bekannte, rosarote Brille auf. Die Schmetterlinge in deinem Bauch schlagen wilde Kapriolen, und es gibt Frauen, die das Verliebtsein zu ihrem Hobby machen würden, wenn sie nur könnten.
Der PEA-Rausch hält nicht allzu lange an. Lässt er nach, kann ihn Frau mit einer üppigen Dosis Schokolade zumindest verlängern, denn im Kakao ist das PEA in kleinen Dosen präsent. Auch im Bittermandelöl, aber wer will das schon konsumieren?
So wie im Herbst der Brunftschrei des Hirsches durch einen Hormoncocktail verursacht wird, so verliebst du dich, wenn du „fällig“ bist, Frau. Das Ziel deiner Träume findet sich mit Gewissheit, wenn du nur überhaupt suchst. Bist du nicht „fällig“, weil du große Enttäuschungen hinter dir hast, kann dir der tollste Mann über den Weg laufen: dein Körper wird sich weigern, das PEA zu produzieren.
Wir alle wissen, wie toll es ist, verliebt zu sein, aber es ist völlig abwegig, zu glauben, der PEA-Rausch sei automatisch der erste Schritt zur Liebe. Ausgeschlossen ist dies nicht, aber keineswegs selbstverständlich. Und wenn du dir überlegst, welche Dummheiten du schon in anderen Räuschen angestellt hast, wirst du daran zweifeln, ob dir gerade PEA die klare Sicht dafür gibt, ob dein männliches Gegenüber langfristig der Richtige für dich ist.
Wozu nun das Ganze? Nun, nicht unbedingt dazu, damit du mal wieder richtig happy sein kannst, sondern, damit die Menschheit nicht ausstirbt. Du wirst alle Bedenken ablegen, dich voll und ganz hingeben und bereit sein, ihn und seine Spermien zu empfangen.
Stell dir vor, du bist in einen Mann verliebt und er in dich. Ihr torkelt trunken vor Glück aufeinander zu, verschmelzt körperlich und seelisch, und keiner von euch beiden würde daran denken, dass du gerade einen Eisprung hattest und gar nach einem Kondom verlangen. Ihr tut es, jeden Tag mehrmals, und spätestens nach einem Monat hat es geschnackelt: du bist schwanger.
So will es jedenfalls die Natur.
Nun gibt es natürlich die Möglichkeit, den störenden Verstand nicht völlig abzuschalten. Damit hätte man den Tricks der Natur eigene Tricks entgegen zu setzen und könnte hemmungslos „konsumieren“ ohne „dick“ zu werden.
Ich wünsche euch einen klaren Kopf für euren nächsten PEA-Rausch und keinerlei Illusionen über dessen Bedeutung.
© Jürgen Berndt-Lüders
