Und wer das nicht erfahren hat, wird umso mehr danach suchen.
Es gibt natürlich Menschen, die so häufig enttäuscht und so tief verletzt worden sind, so resigniert und Angst vor Nähe entwickelt haben und deshalb lieber allein bleiben, als eine Beziehung eingehen zu wollen.
Wenn wir jung, unbelastet und voller Lebensfreude sind, machen wir uns nicht wirklich auf die Suche nach einem Partner. Wir sind offen und neugierig, lassen die Dinge an uns heran kommen, lernen Menschen kennen, die uns etwas bedeuten, ein Stück auf dem Lebensweg begleiten oder sogar zu langjährigen Gefährten, Freunden, Partnern werden.
Wir erfahren das Glück der ersten Liebe, das Hochgefühl mit einem Menschen Nähe zu erleben, der vollkommen zu uns zu passen scheint, ein Gegenüber, dem wir vertrauen und mit dem wir uns gut verstehen.
Wir erleben unvergleichlich köstliche Momente des Einswerdens, Einsseins mit einem anderen Menschen und fühlen uns ganz und vollkommen.
Wir haben nicht gesucht, sondern gefunden oder sind gefunden worden.
Und das geschah noch ganz spielerisch, unverkrampft, ohne, dass wir uns vorher allzu viele Gedanken über den „vollkommenen“, den „idealen“ Partner gemacht haben.
Man begegnete sich, es „funkte“ und alles schien „perfekt“ zu sein.
Doch was ist, wenn diese Beziehung scheiterte, zu Ende ging, abgebrochen wurde – aus welchen Gründen auch immer?
Im geringsten Fall bleibt das Gefühl zurück, gescheitert zu sein, dass man es nicht geschafft hat, eine Beziehung dauerhaft zu gestalten.
Zumeist fühlen wir uns zumindest eine Zeit lang verletzt, traurig, unglücklich, nicht in der Lage, uns wieder auf jemand anderen einzulassen, ihm Vertrauen oder gar unsere Liebe zu schenken.
Wir brauchen Abstand und Zeit, um das als Missgeschick Erlebte zu verarbeiten.
Doch bei den meisten Menschen bleiben auch die Sehnsucht, die Hoffnung, wieder einen Menschen zu finden, mit dem man diese Nähe erneut spüren und wieder glücklich werden kann.
Nun sind wir jedoch längst nicht mehr so unbelastet, unbedacht und leichtfertig, wollen uns vor neuen schmerzlichen Erfahrungen schützen.
Wir machen uns ein Bild von unserem zukünftigen Partner, zumeist ein überhöhtes Idealbild, wie dieser Mensch sein muss, mit dem wir eine Beziehung, eine Partnerschaft eingehen würden.
Jetzt suchen wir jemanden, der zu uns passen soll und denken darüber nach, wie dieser Mensch, den wir in unser Herz lassen, sein müsste.
Doch wie den Richtigen finden oder von ihm gefunden werden?
Dazu gibt es die verschiedensten Theorien und Erfahrungen.
Anhänger der Astrologie versuchen uns einzureden, dass wir auf die Kompatibilität unserer Sternzeichen achten müssen! Und tatsächlich, wer daran glaubt, sieht sich in manchem – in positiver als auch negativer Hinsicht – bestätigt!
Eine andere These lautet: „Gegensätze ziehen sich an!“ Und in der Tat fasziniert uns an anderen ganz besonders das, was uns selbst zu fehlen scheint - ein Mensch, der uns ergänzt, komplettiert!
Und diese Faszination haben wir schon erlebt, von einem fremden Menschen angezogen zu sein, der so ganz als man selbst ist!
Aber ist das eine tragfähige Basis für eine langfristige, gelingende Partnerschaft - um eine Beziehung mit einem Menschen einzugehen, der sich in vielem gravierend von einem selbst unterscheidet?
Verbinden nicht vielmehr gleich gelagerte Interessen, eine übereinstimmende Lebensphilosophie, ein ähnlicher sozialer Backgrund und Status?
Denn eine andere, gerade entgegen gesetzte These lautet: "Gleich und gleich gesellt sich gern!"
Und wie ist das mit den unterschiedlichen Mentalitäten und Temperamenten?
Führen die nicht zu Reibungen und Missverständnissen, weil man den anderen einfach nicht verstehen, sich nicht in ihn einfühlen kann?
Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen und wollen nicht immer nur allein sein.
Wir suchen andere Menschen, mit denen wir unsere Freuden und Leiden teilen können.
Allein mit und selbst können wir uns wohl, gut, und durchaus auch ganz und komplett fühlen.
Aber wie viel köstlicher ist dieses Gefühl zusammen mit einem anderen Menschen, mit dem wir uns auch ohne Worte verstehen, mit dem wir uns seelisch, geistig und körperlich aufs Angenehmste verbunden fühlen, der uns ergänzt und spüren lässt, was Zweisamkeit, Gemeinsamkeit in seiner ganzen Fülle bedeutet!
Und so machen sich viele von uns trotz mancher Missgriffe und Fehlschläge immer wieder erneut auf die Suche nach diesem Seelengefährten und hoffen, ihn zu finden oder, was vielleicht noch schöner ist, von ihm gefunden zu werden!
