Möchten sie sich mit anderen über Themen und Fragen austauschen, die sie selbst interessieren und beschäftigen?

Erhoffen sie sich interessante weiter führende Reaktionen und Kommentare, einen lebendigen Gedankenaustausch mit Menschen, die sich von dem Artikel zum Diskutieren angeregt fühlen?

Oder ist es die reine Lust am Formulieren, Fabulieren und Kommunizieren, die Menschen dazu bringt, sich als "Schriftsteller", "Dichter" und "Vordenker" zu versuchen?

Wenn ich mich im Platinnetz so durch die sehr unterschiedlichen Artikel lese, bekomme ich an vielen Stellen den Eindruck, dass hier einsame Menschen oder zumindest Menschen mit viel Zeit die Gelegenheit ergreifen, sich ihren Kummer oder auch ihre Freuden von der Seele zu schreiben, Menschen, die anderen zeigen wollen, wer sie sind und was an kreativem Potential in ihnen steckt.

Und ja, leider, dann gibt es da auch noch die "Dummschwätzer" und  "Nonsenslaberer", auch diverse Selbstdarsteller und Alleinunterhalter, die nicht wirklich etwas zu sagen haben und lediglich amüsieren wollen. Und schaut man auf deren Bewertungen und in die Kommentare, finden auch sie offensichtlich ihre geneigte Leserschaft.

Ganz anders dagegen die selbst ernannten "Lehrer" und "Dozenten" - und das meine ich durchaus nicht abwertend - die uns hier mit ellenlangen (scheinbar?) akademischen Abhandlungen und Vorträgen beglücken, die Hobbypsychologen, Sexualanalytiker, Frauen- und Männerversteher, beseelt von der Mission, andere an ihren Erkenntnissen teilhaben zu lassen, die sie selbst vielleicht gerade als "seelig-machend" und wunderbar heilsam für sich entdeckt haben.

So werden die Mitglieder dieser Community täglich mit einer Flut von Artikeln überschwemmt, die ihnen teilweise recht "marktschreierisch" wie Sonderangebote präsentiert werden, mit Überschriften, die zum Lesen mehr oder weniger suggestiv einladen oder gar auffordern.

"Wer die Wahl hat, hat die auch die Qual" heißt es im Volksmund, nämlich eine Auswahl treffen und sich entscheiden zu müssen, was lesenswert ist und was nicht!

Wie treffe ich meine Auswahl? Zunächst überfliege ich die neu eingestellten Artikel. Spricht mich eine Überschrift mitsamt ihrer Einleitung an, enthält sie das Versprechen auf einen interessanten Artikel oder fühle ich mich von einem "Aufmacher", einer These provoziert, dann beginne ich zu lesen und bleibe dabei, wenn der Artikel sowohl vom Inhalt, als auch von der Sprache her hält, was er zu versprechen schien. Finde ich ihn langweilig, langatmig, banal, missfällt mir die schlechte Sprache und die mangelhafte Orthographie, lese ich nicht weiter.
Ist der Artikel dagegen interessant, enthält er Neues und Wissenswertes für mich, lese ich ihn bis zum Ende, hinterlasse meine positive Bewertung und manchmal auch einen Kommentar.

Ebenso verfahre ich bei meiner gezielten Suche zu bestimmten, ausgewählten Artikeln nach Stichworten und Rubriken.

Und da begegnen mir dann an vielen Stellen immer dieselben Autoren, die fast schon inflationär wirkenden Vielschreiber:
die Unterhaltsamen, die Ernsthaften, die Belehrenden, die Witzbolde - und mit ihnen unter ihren Artikeln in den oft sehr zahlreichen und lebhaften Kommentaren,
auch ihre Fans und Kritiker.

Und an sich macht dieser Austausch in Form von Kommentaren zu den Artikeln das Ganze erst interessant und lebendig, gibt ihm die Würze, die Bestätigung, dass sie gelesen werden.

Wären da nicht auch die ärgerlichen, bösartigen und albernen Kommentare, die sich häufig nicht wirklich mit den Erfahrungen, Gedanken und Thesen des Autors auseinandersetzen und lediglich darauf abzuzielen scheinen, ihn herab würdigen und lächerlich machen zu wollen.
Das finde ich persönlich nicht nur ärgerlich und störend, sondern auch bedauerlich, weil dadurch häufig die "virtuelle" Debatte unter dem Artikel völlig aus dem Ruder läuft
und zu einem unerfreulichen und nicht wirklich lesenswerten Schlagabtausch verkommt.

Die ernsthaften und fair diskutierenden "Gesprächsteilnehmer" ziehen sich aus der Debatte zurück und überlassen das Feld den "Maulhelden" und "Verbalkämpfern".

Und der Autor? Manch einer versucht, sich tapfer zu schlagen, dagegen zu halten, sieht sich oft sogar genötigt, sich zu rechtfertigen, zu korrigieren, richtig zu stellen.
Zumeist mit eher mäßigem Erfolg. Wer auf Konfrontation aus ist - und das sind hier nicht wenige - lässt sich selten mäßigen und nur schwer eines Besseren belehren.

Offensichtlich verführt die Anonymität einer Internet-Community manch einen vom Leben Frustrierten dazu, alle Scham und allen Anstand außer acht zu lassen
und einmal so richtig "vom Leder zu ziehen"! Wie sonst lassen sich die hier zu konstatierenden Verbalausfälle erklären?

Und dann gibt es da noch eine kleine Anzahl von Autoren, die nicht für die breite Öffentlichkeit, ja nicht einmal für die PN-Community schreiben und ihre Artikel nur für ihre Hand verlesenen Kontakte veröffentlichen, um sicher zu sein, dass die Diskussion dazu nicht zu dem oben beschriebenen Desaster gerät.

Nachzuvollziehen ist das, gut finde ich es dennoch nicht! Wer für andere schreibt, erwartet ein Feedback, wünscht sich Anregung, Auseinandersetzung, Zustimmung oder auch Widerspruch. Nur durch Widerspruch lernen wir! Dazu zählt auch die konstruktive Kritik, die Übermittlung anders lautender Erfahrungen, Meinungen, Erkenntnisse.

Deshalb gilt meine Sympathie, mein Respekt denjenigen unter den Autoren im Platinnetz, die ihre Artikel einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen,
die keine "Vorabzensur" treffen, auch auf die Gefahr hin, "Schelte" und Spott zu beziehen, auf den sie reagieren oder zu dem sie schweigen können.
Zumeist kommen ihnen ja doch ein paar "edle Ritter" und streitbare Damen zu Hilfe, um sich ebenso "wort-gewaltig" wie die Widersacher für sie einzusetzen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, auch wenn einem manches Mal das Lachen hier fast im Hals stecken bleiben könnte!

Aber dann kommt der nächste Artikel - zum Nachdenken, Freuen, Feixen oder Spotten - und über den älteren senkt sich der Schleier des Vergessens.

Manch ein Autor lässt sich durch nichts abschrecken, manch anderer verlässt - beleidigt? - das Terrain, freiwillig oder auch unfreiwillig.

Ist Platinnetz nun eine Einladung an Autoren und Schreiberlinge und solche, die es werden wollen? Eine echte Alternative zu anderen ähnlichen Plattformen im Internet, wo sich noch unbekannte "Schriftsteller" und "Dichter" mit ihren Werken präsentieren können?

Ich meine ja! Von den Verantwortlichen wird wenig Zensur geübt, kaum eingegriffen, werden keine gravierenden Vorbedingungen gestellt oder unüberwindbare Hürden aufgebaut.
Man braucht lediglich Kreativität, Mut, ein "dickes Fell" und die Bereitschaft, das - auch unangenehme - Feedback sehr unterschiedlicher Leser ertragen zu wollen und zu können.

Niemand wird zudem gezwungen, seine Artikel, bzw. die Beiträge anderer dazu, zu kommentieren oder sich zu rechtfertigen.
Da kann jeder nach Belieben und Gutdünken verfahren und je nach Naturell schweigen oder kontern. Wir finden hier beides.

Wem ein Autor, ein Thema, eine Fragestellung oder auch nur eine Wortwahl, ein Sprachstil nicht gefällt, ist frei, Artikel zu ignorieren und nicht in jedem Fall gezwungen, seinen "Senf" dazu zu geben!

Auch hier im Platinnetz gilt, wie an vielen anderen Stellen ebenso: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!"
Das gilt sowohl für Autoren, als auch für Kommentatoren!

Ich wünsche allen Kreativen noch weiterhin viel Spaß beim Schreiben!

 

Text: G. "Picasso"

Bild: "Der arme Poet" von C. Spitzweg