Ein guter Liebhaber hat keine Angst vor dem, was Männer allgemein offenbar am meisten fürchten, die Angst, zu früh zum Samenerguß zu kommen und dann, noch schlimmer, keine Erektion mehr zu bekommen, also als vermeintlicher "Versager im Bett" dazustehen, oder eher flachzuliegen. Ein selbstbewußter Mann läßt einfach geschehen, was geschieht, er betrachtet das vermeintliche "zu früh kommen" nicht als Versagen, sondern, ganz im Gegenteil, als Genuß.

Wenn bei Frauen allgemein angenommen wird, daß sie sexuell am meisten darunter leiden, überhaupt keinen Orgasmus zu bekommen, ist es da nicht wunderbar, wenn Männer schon nach ein paar Minuten, oder nicht selten, schon nach wenigen Sekunden einen Samenerguß bekommen können? Ich halte es für wichtig, wie ein Mann damit umgeht, nicht ob es geschieht oder nicht. Es kann für eine Frau sehr schön und erregend sein, den Samenerguß eines Mannes zu erleben. Wenn er dazu neigt, sehr früh zu kommen, kann man es als eine erstes kleines Erlebnis in einem umso ausgedehnteren Liebesspiel betrachten, denn wenn eine Frau dazu in der Lage ist, ihm seinen frühen Genuß zu gönnen, ihm also keine Schuldgefühle suggeriert, seine Versagensängste also nicht verstärkt, sondern beruhigt, wird der Mann umso eher in der Lage sein, erneut eine Erektion zu bekommen, also mit der Frau gemeinsam eine wahrhaftige Auferstehung zu feiern, eine Auferstehung des Fleisches.

Wenn die Gefühle zwischen den Liebenden wirklich stimmen, also eine große Offenheit auch in der gemeinsam gelebten Sexualität möglich ist, wird das die Vitalität beider Partner enorm steigern können, was dazu führt, daß das "Ejaculatio Praecox" immer seltener geschieht, oder eben immer rascher die Wiederauferstehung gefeiert werden kann.

Ich halte eine aufrichtige, offene und vertrauensvolle Kommunikation zwischen zwei Liebenden für das wirksamste Aphrodisiakum daß es gibt.

Natürlich hilft das nicht bei organischen Störungen, das ist klar. Hormonelle Probleme oder Durchblutungsstörungen, etc., bedürfen einer medizinischen Untersuchung. Aber auch hier kann ein vertrauensvoller Umgang mit dem Thema Sexualität dazu führen, ganz ungehemmt und ohne Schamgefühle die nötigen Maßnahmen anzugehen. - V.B.