Gestern Abend war ich entsetzt. Es ist nicht zum ersten Mal vorgekommen, dass ein Fragesteller in F&A in großer Not war und dieses, ganz neu in Platinnetz, eben dort geäußert hat, hoffend auf Zuspruch und Hilfe oder mindestens ein bisschen Verständnis.

Natürlich haben diese ganz neuen Mitglieder ihr Profil nicht ausgefüllt. Darum geht es ihnen ja auch gar nicht. Natürlich sind diese neuen Mitglieder durcheinander, ob ihrer Situation, und verwechseln Geburtsdaten und vergessen andere Dinge sauber im Profil auszufüllen. Natürlich geht es diesen Mitgliedern darum, einfach nur sich zu äußern und ein Stück Entlastung von ihrer Situation zu haben. Situationen, die schier unerträglich sind!

Aber sie haben ihrer Rechnung nicht mit den alteingesessenen Mitgliedern von Platinnetz gemacht, mit denen, die sofort „FAKE“ schreien, mit denen, denen der eigene, kleine, egozentrische Bauchnabel viel wichtiger ist, als alles andere, mit denen, die mehr Angst davor haben, sie könnten verarscht werden, als dass sie mal über ihren Schatten springen würden und, sich in den anderen einfühlend, da zu sein, einfach nur so.

Tut mir leid, aber dafür fehlt mir jedes Verständnis.

Was ist denn so schlimm daran, einmal mehr im Leben einer Täuschung aufzusitzen? Werden wir nicht überall getäuscht oder täuschen uns selbst? Na ja, das kennen wir doch. Was ist so schlimm daran? Man verliert nicht gleich sein Gesicht oder seine Persönlichkeit, wenn man sich einsetzt, und hinterher erfährt, man ist da etwas aufgesessen, was nicht ganz koscher war. Ich persönlich verbuche das unter: Eine Erfahrung mehr… aber es wird mich niemals daran hindern, mich weiterhin gegen Ungerechtigkeiten und die Kälte in dieser Welt zu wenden.

Mich stört es immer, wenn ich merke, dass Menschen nur ihren eigenen, kleinen Bauchnabel im Blick haben. Und in solchen Situationen ist der eine oder andere Bauchnabel verschiedener Leute hier so sehr sichtbar.

„Es kann sein, dass ich hier verarscht werde, und das werde ich nicht zulassen“, ist doch das, was hinter diesem Schrei „FAKE“ steht.

Nein, ihr lieben Leute, manchmal geht es eben nicht um Euch, nicht um Eure Integrität, nicht um Eurer Gesicht, nicht um Euren guten Ruf, oder was ich hier sonst noch so anführen könnte. Manchmal geht es auch darum, einfach nur für einen Menschen da zu sein, ihn, so wie er ist, mit aller Unzulänglichkeit, die auch die Situation mit sich bringt, anzunehmen und da zu sein.

Manchmal geht es darum, den anderen in seiner Verzweiflung sehen zu können. Und das ist sehr schwierig, wenn man immer nur nach unten auf seinen eigenen, kleinen Bauchnabel guckt.

Und zum Abschluss jetzt noch zwei Dinge: Gestern Abend habe ich auch die Verletztheit einer Frau gelesen, die ähnliches durchgemacht hat, es aber wohl nicht wirklich verarbeitet hat. Ich habe gelesen, dass sie wohl zu der Zeit, als es ihr widerfahren ist, sehr alleine war und keine Hilfe gehabt hat, und von daher jetzt keine Hilfe für andere in solchen Situationen zulassen kann. Und da muss ich sagen, das verstehe ich sogar.

Aber wäre es dann nicht besser, sich auf sich selbst zu besinnen und einfach die Tastatur in Ruhe zu lassen? Sich noch mal hinsetzen, den Schmerz zu fühlen, den diese Situation ausgelöst hat und zu wissen, ich hab es mehr schlecht als recht überstanden, aber es tut noch weh. Anstatt anderen die Hilfe, die sie brauchen, streitig zu machen?

Und - Als ich den Artikel über den Tod meines Vater verfasst habe, habe ich keinerlei negative Resonanzen erfahren. Aber ich gehöre ja auch schon fast zum Urgestein hier und jeder (na ja, nicht wirklich jeder) hier weiß, ich gebe mich hier so, wie ich auch im „richtigen Leben“ bin. Ich kann also kein Fake sein…

Also, liebe Leute, ich wünsche mir sehr viel mehr von der hier immer wieder beschriebenen und gepriesenen Offenheit und Toleranz für unsere Mitmenschen und für die Situationen, die uns im Leben immer wieder überraschen können. Es tut uns nicht weh, wenn wir hier und da einer Täuschung aufsitzen. Es ärgert uns nur. Aber es tut den Menschen weh, sehr weh, wenn wir sie in einer verzweifelten Situation alleine lassen, nein, auch noch angreifen und sie niedermachen. Auf jeden Fall macht das sehr viel mehr Schaden, als wenn wir für uns nur einen Irrtum verbuchen müssen.