Man sagt, dass in diesen "Rauhnächten", sie dauern von Heiligabend bis Heilige Drei Könige, allerhand Geister ihr Unwesen treiben. Nun ja, ich bin nicht abergläubig und wasche auch an diesen Tagen, was manche ablehen, weil es die Geister ungnädig stimmen könnte. Dennoch, das Empfinden, dass diese Nächte anders sind als andere Nächte, ist auch mir nicht fremd. Sie sind auf jeden Fall lang und oft klar und klirrend kalt und... sie regen mich an, zu Gedanken über das Leben und den Tod.

Hat das Leben einen Sinn und wenn ja, dann welchen?
Das habe ich mich seit dem frühen Tod meines Ehemannes so oft gefragt und auch warum es gerade "uns" treffen musste.
Solche Antworten findet man selten, wenn man sie sucht. Manchmal findet man sie irgendwann einmal, meist "zufällig" und meist nur ansatzweise.

Manchmal stellt sich mir die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, solche Fragen zu stellen. Man geht seinen Weg und weiß oft nicht wohin er führt. Vieles liegt wohl außerhalb unseres Einflußbereiches. Manchmal macht mir diese Erkenntnis Angst, aber andererseits haben solche Gedanken durchaus auch etwas Tröstliches.

Auf meinem Weg traf ich Menschen, die mir Mut machen wollten und sagten: "Mitten in der Nacht, beginnt ein neuer Tag".
Nun ja, das mag sein, aber was ist, wenn ich diesen neuen Tag gerade nicht sehen kann? Ich jedenfalls, empfand diesen Trost immer als etwas vage.
Als ich dann anfing, Ausschau nach diesem neuen Tag zu halten, verschlimmerte das meine Situation eher. Denn ein ewiges Suchen ohne zu finden, ist ziemlich frustrierend.

Erst als ich ein jegliches Suchen aufgab, offenbarte sich mir "das Neue" als noch kaum sichtbarer Silberstreif am Horizont.

Heute stehe ich nun oft nach einer solchen "Rauhnacht" am Fenster und beobachte, wie ein neuer Morgen beginnt.
Es gibt noch viel zu tun in meinem neuen Leben. Eigentlich zuviel, wenn man bedenkt, dass ich die 50 schon überschritten habe - aber wenn es das Schicksal von mir fordet, so muß ich mich wohl fügen...

Ich wünsche allen Lesern dieses Artikels, dass sie gut durch die Rauhnächte kommen.

Lou