Schon immer war ich gerne unterwegs. Nur leider reichte Anfang der 80er mein Geld nicht zum Reisen.
Das sollte mich aber nicht aufhalten.
Es geht auch mit Rucksack und per Daumen.
So stellten sich denn meine Freundin und ich in Düsseldorf an den Autobahnzubringer und hofften, von netten Mitmenschen mitgenommen zu werden.
Unser allererstes Ziel war AMSTERDAM.
Aber auch Trampen muss erst mal gelernt sein.
Auf unserer ersten Tour stiegen wir in jedes Auto ein, das anhielt; egal wie weit der Fahrer uns mitnahm. So kam es, dass wir bereits am Breitscheider Kreuz wieder hinauskomplimentiert wurden, da der Fahrer in eine andere Richtung musste. Also hielt er mitten im Autobahnkreuz an und ließ uns raus!
Wir sind dann todesmutig mit unseren unhandlichen Gestellrucksäcken auf dem Seitenstreifen im Autobahnkreuzbereich rumgelaufen, bis wir wieder in Richtung Amsterdam standen.
Gott, was waren wir bekloppt und jede Menge Glück hatten wir wohl auch.
Nach einem langen langen Tag mit viel zu vielen Einzelstationen ließ uns ein Fahrer vor einer Brücke raus.
Wir stellten uns wieder mit unserem Schild „ A´DAM“ an den Straßenrand und warteten.
Und warteten. Und warteten....
Die vorbeifahrenden Fahrer gaben uns alle möglichen Zeichen, die wir aber nicht zu deuten wussten.
Nach circa 1,5 Stunden erbarmte sich ein Autofahrer, hielt an und fragte uns, weshalb wir hier mit einen Schild „A´DAM“ stünden.
„Wir wollen nach Amsterdam“ antworteten wir. Er lachte uns herzlich aus und sagte nur: „Mädels, geht doch mal über die Brücke, dann seid ihr in Amsterdam, steigt in die Straßenbahn und in 10 Minuten seit ihr im Stadtzentrum.“
So war es auch. Und dafür haben wir ewig uns die Beine in den Bauch gestanden!
In Amsterdam angekommen, quartierten wir uns im „Bob´s Youth Hostel“ ein und schafften es mit unseren viel zu schweren Rucksäcken ohne Sauerstoffgerät in den vierten Stock. (Aber auf so wichtige Dinge wie Haarspray, Walkman etc. kann man schließlich nicht verzichten.)
Wir blieben vier Tage in Amsterdam und es war eine schöne Zeit.
Ungemach wie „Wesensocken“ konnte unseren Spaß nicht mindern.
Als „Wesensocken“ bezeichnet man Socken, die mehrere Tage feucht (da es unterwegs geregnet hatte) im Rucksack vor sich hin verwesen.
Auch die Ernährung gestaltete sich mangels Geld etwas schwierig. Wir hatten jede Menge belegte Brote eingepackt. Meine Freundin nannte diese „Bemmen“. Nach drei Tagen hatten sich diese Brote in die berüchtigten „Todesbemmen“ verwandelt. Wir konnten sie ganz einfach nicht mehr sehen.
Außerdem hatten wir uns einen dicken Fleischwurstring mitgebracht. Als wir am dritten Tag den letzten Zipfel auspackten, verging uns ebenfalls der Appetit. Waren wir doch den ganzen Nachmittag im berüchtigten Rotlichtviertel rumgelaufen und hatten uns ausgiebig über die Auslagen in den Sexshops amüsiert..........
Ich hätte noch eine ganze Menge zu erzählen und vielleicht tue ich es auch.
Es war ganz einfach eine tolle Zeit und ich möchte keines dieser Erlebnisse missen!
Text: Chap Elloise
