Die Dämmerung legte sich bereits über die Welt und ließ die Schatten aus ihren Ecken kriechen. In allen Rottönen lächelte die untergehende, immer schwächer werdende Sonne traurig auf sie nieder. Das Mädchen blickte ihr nun mit zusammengekniffenen Augen entgegen, in denen man nun die Tränen sah, die niemals versiegten...
Heute würde sie mit der letzten Sonne des Herbstes untergehen...
Nun blieb sie stehen und für einen Moment konnte man in ihren grauen Augen alles Leid und allen Schmerz erkennen, der sie zu einer Trauernden machte...
Sie kniete sich nieder und küsste die Rose in ihren Händen. Dann legte sie sich in die Umarmung des Laubes und der Efeuranken, die sich im Laufe der Jahre um das Grab gelegt hatten...
Das Mädchen hielt die Rose fest umklammert in ihren zarten, weißen Händen und die Dornen bohrten sich in ihre Handflächen und ließen sie rote Tränen weinen...
Es war das Grab ihres Freundes, der sie vor langer Zeit allein gelassen hatte. Ohne sich zu verabschieden, schlief er ein, für immer...
Doch ihre Liebe würde den Tod überdauern...
Sie schloss die Augen und die Tränen rannen ihr warm wie Blut über die Wangen und sickerten nach und nach in die kalte Erde. In ihren Träumen konnte sie bei ihm sein, also würde sie jetzt für immer einschlafen...
Der Wind streichelte ihr sanft über das Gesicht und das Rascheln der Blätter war einem Wiegenlied gleich, dass sie auf die andere Seite gleiten ließ...
Und mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne, legten sich die Schatten über sie, wie eine Decke und brachten sie ins Reich der ewigen Träume...
Ihr Herz war gefüllt mit Lügen, die ihr der Mensch erzählte, den sie mehr liebte als ihr Leben. Ihre Augen waren erfüllt von einer Trauer, die tief verwurzelt und für immer bleibend, in ihrem Herzen verweilen würde. Es war ihr Schicksal auf ewig verdammt zu sein. Mit dem Schmerz einer Trauernden zu leben und einen Menschen lieben zu müssen, der sie zerstört. Tränen der Pein standen in ihren Augen und suchten sich den Weg über ihre Wangen. Der Himmel weinte mit ihr. Ununterbrochen fielen graue Tränen aus Asche vom unendlich scheinenden Firmament. Bis ihre Tränen auf einmal ohne jeglichen Grund versiegten.
In diesem Moment, indem die letzte Träne den Boden berührte, zerfiel jede einzelne Blume zu Asche und stieg zum Himmel empor.