Vor zwei Wochen klingelte es gegen 19.00 Uhr an meiner Tür, an meiner Wohnungstür, nicht an der Haustür. Es stand eine Frau davor, ungefähr in meinem Alter, und fragte nach meinem ehemaligen Lebenspartner. Ich dachte erst, es wäre seine frühere Beziehung und fragte: "Sind Sie Gisela?" "Nein", antwortete sie, "ich bin Christa, Ihre Nachfolgerin." Ich bat sie in meine Wohnung und es wurde ein langer Abend und eine Freundschaft begann.
Vorgeschichte: Im Sommer des letzten Jahren meinten meine Töchter, 17 und 19 Jahre alt, ihre Mutter müsste nach zwei Jahren Trennung (20 Jahre Ehe, 25 Jahre Zusammenleben) wieder auf den "Markt". Und mit einer Flasche Wein, viel Lachen und Spaß schrieben wir mich bei friendscout.de ein, bezahlten für drei Monate und schauten auch gleich nach möglichen Kandidaten und wurden fündig. Nette Anzeige. "Herbst des Lebens nicht mehr allein" usw. Es entstand ein wirklich zauberhafter, im wahrsten Sinne des Wortes, zauberhafter mail-Kontakt. Telefonisch war schwierig, weil viel unterwegs, persönlich war noch schwieriger ... Doch irgendwann telefonierten wir, stellten fest, dass wir beide aus Nordrheinwestfalen waren, in Sachsen gelandet und angekommen. Kurze Rede, langer Sinn: Wir trafen uns, ich verliebte mich. Ein toller, großer Mann (fast zwei Meter). Nur das Zusammensein gestaltete sich schwierig. Im meiner Wohnung wohnte am Wochenende meine Tochter mit und in seine konnten wir nie gehen, weil "in dem Bett haben schon andere Frauen geschlafen, das möchte ich Dir nicht zumuten!" Eigentlich hätte mir da ein Lichterbaum aufgehen müssen! Doch manchmal blond, blöd und blauäugig oder auch einfach nur einsam!
Es ging hin und her!
Zwischendrin war immer mal wieder Funkstille oder ich machte Schluss, ließ mich aber immer wieder auf ihn ein.
Im Dezember gestand er mir, nach langer Funkstille, dazwischen mein 50. Geburtstag, seine Liebe und, dass er in einer Beziehung wäre, rein platonisch, und jetzt im Auszug begriffen. Ich ließ mich ein.
Ab Dezember wohnte er eigentlich, bis auf zwei "freie" Tage in der Woche, bei mir. Lebte von mir. Wir fuhren über Weihnachten in Urlaub, er zahlte die Hälfte der Miete, ich den Rest (einschließlich Benzin). Und so ging es weiter.
Meine Kinder entfremdeten sich immer mehr von mir. Sie kamen nur noch nach Hause, wenn er nicht da war (zwei Tage die Woche).
Mitte März zog er dann ganz bei mir ein. Im Vorfeld machte er meine Wohnung schlecht, und wir schauten permanent nach neuen, tollen Wohnungen. Fanden dann eine in meinem Haus. Ich kaufte eine neue Küche und hätte beinahe den Mietvertrag für 190 qm unterschrieben.
Am 1. April (kein Scherz!) weckte er mich sehr früh, nachdem er meine sms an meine Freundin und meine Kinder gelesen hatte, in denen ich meine Unsicherheit kundgetan hatte, was eine längerfristige Beziehung mit ihm angeht. Er ward darauf nicht mehr gesehen.
Er ging an dem Abend zu seiner "Parallel-Beziehung", die seit Februar gepflegt hatte. Eben jener "Christa". Die ihn aber auch nach sechs Wochen vor die Tür gesetzt hat. Und mich gefunden hat, Postnachsendeauftrag sei Dank!
Mittlerweile haben wir das Leben "dieses Herren" bis 1999 zurückverfolgt und haben die Frauen kontaktiert, deren Leben er zerstört hat. Es sind einige.
Sein letzer Schachzug war, eine behinderte Frau aufzutun, sie zu heiraten, sich kündigen zu lassen (ach, eine Frau und Kind hatte er auch, für das er nie Unterhalt gezahlt hat), aber er hat nicht mit der Rache der Frauen gerechnet ... weil gemeinsam sind wir stark. Fortsetzung folgt.
Und falls sich jemand angesprochen fühlt, wir sind über jede Information dankbar, der "Herr" ist seit der Wende im Osten unterwegs.