Seid ihr am 31. eingeladen?

Silvester-Dinner im kleinen Schwarzen oder Anzug?

Wollt ihr zu lieben Freunden, ganz zünftig in Jeans, um  mit Kartoffelsalat und Würstchen das neue Jahr zu begrüßen? Haben die Gastgeber zufällig ein Kätzchen, so ein süßes Fellbündel mit unschuldigem Augenaufschlag und zartem Miau?

 

GEHT  NICHT  HIN!!

 

Noch habt ihr Zeit, gute Ausreden zu erfinden!

Seht euch lieber die dritte Wiederholung von „Dieter poppt den Supersänger“ oder eine andere Kultursendung an…es ist besser für eure Gesundheit, nicht nur bei Allergikern, glaubt mir.

 

Warum? Tja, folgt mir mal zur letzten Silvesterfeier…(die ich besuchte, nicht die von 2009)

 

Die neue Wohnungseinrichtung meiner Tochter war rechtzeitig fertig geworden. Nachtblauer Teppichboden, cremefarbene Ledersofas, seidene Cocktailkissen, Textiltapeten in der Farbe der Sofas mit ägyptisch angehauchter Borde, die Katzen zeigte. Dies aus gutem Grund, hatte sich doch ein knappes Jahr zuvor Katerchen Tom erst in ihr Wohnzimmer und dann in ihr Herz geschlichen.

 

Trotz oder wegen seiner Jungend bestand Tomis Tag aus drei Beschäftigungen.

Schlafen, futtern, schmusen. In den kurzen Augenblicken zwischen diesen Beschäftigungen ging er auf die Katzentoilette, die er ab und an im großen Blumentopf der Yukka-Palme vermutete, schärfte die Krallen am Katzenbrett, wobei er auch diverse Möbel auf deren Tauglichkeit prüfte oder fing mit einem beherzten Sprung seine Spielmaus, die offensichtlich immer ganz nahe hinter den Beinen anwesender Personen weilte. Trafen seine spitzen Krallen dann die ein oder andere menschliche Wade, so lag dies allein an deren Ausmaße.

 

Seit Tomi im Haus lebte, hatte andere Tiere keine Chance. Er fing geschickt von der Fliege am Fenster über Mäuse im Keller bis zum verirrten Schmetterling alles ein. Er kredenzte seine Beute liebend gern zur Mittagszeit, indem er die halb zermatschten Tiere dicht neben die Teller legte, von denen gerade gegessen wurde und sein Lob erwartete. Mit Katzen ungeübte Menschen setzten statt zum Lob, spontan zu einem Spurt ins Bad an.

 

An besagtem Silvestertag sollte die Einweihung der neuen Möbel mit dem Jahresausklang gekoppelt werden. Gegen Mittag stand die frisch angesetzte Bowle zum Kühlen auf dem Balkon, die riesige Schüssel mit dem Kartoffelsalat daneben, die letzten Frikadellchen brutzelten in der Pfanne, Bier und Sekt überfüllten den Kühlschrank und die zwei Dutzend neuer Sektflöten konnten auch aus der Spülmaschine genommen werden.

 

Die Herren hatten drei Tragetaschen voll diverser Knallkörper besorgt und pulten diese gerade aus der Umverpackung, um in der Nacht nur zugreifen zu müssen. Als Zwischenlager für Frösche, Heuler und Böller wurde der Karton vom neuen Sektkühler gewählt, Raketen kamen in den Schirmständer.

Um für die Party fit zu sein, wollten alle den Nachmittag für den Vorratsschlaf nutzen.

Die Party war dann, bis kurz vor 0 Uhr eine recht fröhliche, normale Gesellschaft ohne besondere Vorkommnisse, was Tom offensichtlich störte.

 

Just zum falschen Moment erschien er auf dem Balkon und sah sich noch etwas verschlafen dort um. Der Karton mit allem, was heult und knallt stand auf dem Boden des Balkons, der Schirmständer mit den Raketen war griffbereit neben der Balkontür, ein Tablett mit frisch gefüllten Sektflöten stand auch parat. Ein leichter Wind war aufgekommen und so hatten die Herren beschlossen, die Knaller nicht per Feuerzeug, sondern mit Zigarren anzuzünden. Diese lagen nun glimmend außen auf der Fensterbank, über dem Karton....

 

Ein Gast, der statt auf dem Balkon noch im Wohnzimmer war, sah noch, wie Tom die stinkenden Glimmstengel mit der Pfote fort wischte. Vom Standpunkt des Böllerkartons ahnte der Beobachter wohl noch nichts.

 

Dann geschah alles gleichzeitig. Jemand hatte gerade das Sekttablett zur Verteilung auf den Balkon gebracht, als die ersten Schüsse krachten. Tom sprang erschrocken ins Wohnzimmer, wobei er den Schirmständer umwarf, der die Raketen gegen die offene Rotweinflasche kippen ließ, während Tom sich den weicheren Landeplatz in der Kartoffelsalatschüssel ausgewählt hatte. In der Zeit, in der der gute Rotwein mit melodischem Blubb-blubb über das große Sofa rann, hetzte Tom mit Majopfoten über den nachtblauen Teppich und zierte ihn mit einem einzigartigen Muster. Doch nicht nur Tom war in Bewegung. Auf dem Balkon tobte das Chaos. Die Knallfrösche waren inzwischen dem Karton entwichen und hüpften zwischen strampelnden, springenden Füßen umher. Die Böller schossen nicht immer durch die Zwischenräume über den Balkon, die trafen zuweilen auch auf menschliche Körper.

 

Der Fluchweg nach innen war versperrt, weil gerade die zwei dicksten Menschen versucht hatten, gleichzeitig durch die Balkontür ins sichere Zimmer zu flüchten. Die Wucht des Zusammenpralls warf beide zurück, was die dahinter stehenden, schlankeren Leute absolut umwerfend fanden. Nun verlor auch der besonnene Herr, der die ganze Zeit das Sekttablett über seinem Kopf in Sicherheit gehalten hatte, seine Standfestigkeit und zwischen peng, heul und bum der Knaller mischte sich das zarte Klirr der herabfallenden Gläser.

Dies schien nun das Zeichen für die vollkommene Hintergrundmusik für ein Massen -Karaoke zu sein, deren Musikrichtung nicht eindeutig war.Es ging als kollektives Jaulen in die Annalen des Wohnviertels ein.

 

Künstlerische Ansprüche wurden erfüllt, als ein aufdringlicher Knallfrosch an den Beinen unserer Tochter sein Unwesen trieb. Mit lautem „Mamiii!“ sprang sie mir an die Hüfte und hoffte auf sicheren Halt, den ich ihr aber nicht gewähren konnte, weil ich zwei der Zigarren aus dem Karton gefischt hatte und diese nun in jeweils einer Hand hielt. Die Beine fest um meine nicht gerade schmale Hüfte geschlungen, rutschte mein Kind mit dem Hintern voran immer weiter an meinem glatten Satinrock hinab…Richtung des bösen Frosches, der unverdrossen wild hüpfend seine Funken verteilte. Ihre Hände fest in meinem Oberteil verkrampft, erhielt ich das tiefste Dekollete`, das je in unserem streng katholischen Dorf gesehen wurde. Just gelang es dem Knallfrosch mit seinem letzten Hüpfer gegen den inzwischen auf Kniehöhe angelangtem Hintern meines quiekenden Kindes zu donnern. Die Muskeln versagten durch den Schock und ihre Kehrseite bekam unvermittelt Bodenkontakt. Leider hatte sich kurz vorher eines der Sektgläser genau diesen Platz ausgesucht, um darauf zu zerbrechen.

 

Mein Dank geht an die Jeans-Industrie. Die meisten Splitter blieben im Stoff hängen, zumal er durch die aufgenähten Gesäßtaschen doppelt lag. Nicht auszudenken, wenn unsere Tochter etwas so dünnes wie meinen Rock getragen hätte.

Gegen 0Uhr 40 gab es dann doch noch Sekt aus Biergläsern, die während des Silvesterkrieges im Wohnzimmer politisches Asyl genossen, eine Portion Katzenhaarsalat und ein paar angeknabberte Frikadellen. Während wir den Ausnahmezustand auf dem Balkon probten, hatte sich Tom zu einer Geschmacksprobe besagter Teile herab gelassen, bevor er sich seelenruhig in seinem Korb zusammen rollte.

 

Was ich euch damit sagen will?

Rauchen ist gesundheitsschädlich!

Brot statt Böller!

 

Euch allen schöne, katzenfreie Feiern!