Der Hund hatte schon ein paarmal angeschlagen als er
gegen Mitternacht endlich Ruhe gab.
Ich wälzte mich noch eine Weile hin und her, hörte das alte Haus ächzen und knarren und war gerade eingeschlafen als ich spürte dass es hell im Zimmer war. Ich öffnete die Augen und schaute in den Lichtkegel einer Taschenlampe.
Mit einem Schrei fuhr ich hoch, doch sofort wurde ich hernieder gedrückt. Man hielt mir den Mund zu. Ich wehrte mich verbissen, und konnte mich tatsächlich frei machen. Raus aus dem Bett und zur Tür, war mein Gedanke. Dabei stolperte ich über etwas und schlug lange hin.

„Tony“ schrie ich laut, er regte sich nicht. Das Licht war verschwunden. Hastig erhob ich mich und schaute mich um. Da hörte ich etwas ächzen. Er war immer noch da. Ein männlicher Duft hing im Raum. Meine Sinne waren durch meinen Beruf geschärft. Ich rannte zum Lichtschalter. Nichts tat sich, raus, nur raus wollte ich. Aber die Tür war verschlossen. Ich rüttelte hektisch. Voller Verzweiflung kroch ich am Boden und tastete nach dem Schlüssel. Ich wusste ganz genau, dass ich am Abend nicht abgeschlossen hatte. Meinen einen Hausschuh fand ich, sonst nichts.

Zum Fenster hinunter springen, konnte ich nicht, es war zu tief. Das Schlafzimmer lag im zweiten Stock. Aber aufs Dach, das wäre die Lösung. Sofort verwarf ich diesen Gedanken wieder. So sportlich war ich nicht .Ich musste etwas finden, womit ich mich wehren konnte
Es war ziemlich dunkel im Zimmer. Ich schob die Vorhänge beiseite, wollte das Fenster öffnen und laut schreien. Aber wer hörte mich schon, wir wohnen abseits des Dorfes.

In diesem Moment klopfte es an der Tür „Na mach schon auf“, hörte ich meinen Mann sagen. „Aber ich kann doch nicht, ich habe keinen Schlüssel.“ -
„Warum hast Du nur zu gesperrt?“ –
„Ich habe einen Einbrecher hier.“ schrie ich hysterisch..
„Warum machst Du denn kein Licht an?“ –
„Es geht nicht.“Dann stand er auf einmal im Zimmer. Er knipste den Schalter an und das Licht flammte auf.
„Was hast Du nur wieder geträumt?“ –
„Ein Mann“, dabei deutete ich auf die Stelle, wo ich ihn zuletzt sah. Doch da war nichts.
„Tony?“
„Er liegt im Flur und schläft.“
Ich strich mir über die Stirn, hatte ich das wirklich geträumt. Unmöglich, wo war der Schlüssel, hatte ich wirklich abgeschlossen?
„Er bückte sich und hob ihn auf. Na also, doch zugeschlossen.“

„Komm lass uns ins Bett gehen, ich bin jetzt bei Dir“, sagte er. Dankbar kuschelte ich mich an ihn.
Das war das erste Mal seit einem Monat, dass wir zusammen in einem Bett lagen, sonst lief schon lange nichts mehr.

Mir ließ das Geschehen keine Ruhe, war ich verrückt? Die ganze Nacht grübelte ich, war mir hundert Prozent sicher, dass ich den Mann gesehen hatte. Sein Geruch schwebte mir immer noch in der Nase. Das kann man doch nicht träumen?
Am nächsten Morgen wollte ich den Vorfall noch mal zur Sprache bringen.
„Du hast geträumt, das war doch nicht das erste Mal“, damit tat er alle meine Einwände ab.
Meine Wünsche wurden einfach ignoriert. Einmal bat ich um eine Alarmanlage.
„Du bist manchmal tagelang nicht zu Hause, ich fürchte mich in dem großen Haus allein.“ -
„Du hast ja den Hund, der bellt.“
Ich litt sehr unter seinen Zurechtweisungen. Was ist nur aus uns geworden? Oftmals versuchte ich um eine Aussprache zu bitten. „Das hatten wir doch schon einmal“, war seine Antwort.

Tagsüber war ich in unserem Friseursalon, doch mit meinen Mitarbeiterinnen wollte ich nicht darüber reden. Zumal man mich manchmal sehr prüfen ansah.
Heute war es wieder einmal soweit, er musste auf eine Tagung und ausgerechnet jetzt kam Petra nicht zur Arbeit. Grundlos war sie noch nie ferngeblieben.
Ich konnte mich immer auf sie verlassen. Sie war zuverlässig und pünktlich. Bei den Kundinnen war sie sehr beliebt.
Per Handy versuchte ich sie zu erreichen, doch anscheinend war es ausgeschaltet. Ich machte mir Sorgen. Ihr alter klappriger VW, sie wird doch keinen Unfall haben? Notgedrungen musste ich abwarten. Am Abend, als wir das Geschäft schlossen, wollte ich zu ihr fahren, vielleicht lag sie krank und niemand kümmerte sich um sie.

Meine Gedanken kreisten nur um Petra. Die Straße war vom herabfallenden Laub klitschig. Ich musste sehr aufpassen. Nun kam auch noch der Nebel hinzu Jetzt fiel mir wieder der Geruch des Einbrechers ein.
Aber da war doch niemand. Ich konnte mir keinen Reim drauf machen.
Petra war nicht zu Hause, zumindest machte sie nicht auf. Auch das Auto stand nicht an seinem Platz. „Jetzt fahre ich zu Polizei.“ -
„Gute Frau, wer weiß mit wem sie unterwegs ist, erst nach vierundzwanzig Stunden können wir mit einer Suche beginnen.“ –
„Aber es könnte doch ein Unfall sein.“ –
„Da wüssten wir davon.“
In diesem Zusammenhang fiel mir die Taschenlampe wieder ein. Sollte ich das erzählen? Anscheinend glaubte mir hier niemand. Und die verflossene Nacht hört sich auch nicht gerade wahrheitsgemäß an. Vielleicht gehört sie meinem Mann, da würde ich mich schön blamieren.

Tony erwartete mich schon sehnsüchtig, Zuerst sein Futter und dann ab hinaus in den Garten. Nun ein heißes Bad, eine gute Tasse Kakao und träumen. Das sind so meine einzigen Vergnügen die ich mir leistete.

Wie gerne würde ich alles noch einmal neu anfangen. Ging da nicht die Tür? Mit meinen Nerven stand es nicht zum Besten. Überall höre ich Geräusche. Hüsteln, zum Beispiel, oder leises Atmen.
„Aber da ist ja der Hund, du dumme Pute, siehst du wieder Gespenster?“
---Hatte ich das Badewasser abgedreht? Sicherlich, wäre die Wanne übergelaufen. Warum hatte ich den Fön hingelegt? Ich machte mir das Haar doch im Salon.
Ich fand keine Zeit darüber nachzudenken, denn das Telefon klingelte. Mit schon nassen Füssen rannte ich in den Flur. Es könnte ja mein Man sein. --- Falsch verbunden. Noch nicht einmal Entschuldigung .Sollte ich noch bei Petra anrufen. In diesem Moment läutet es wieder. Ich zucke wie unter einem Peitschenschlag zusammen.
„Ich bin’s, Chefin, es tut mir wahnsinnig leid, dass ich heute nicht zur Arbeit kam, wir waren in Frankreich und hatten uns etwas verspätet, dann standen wir auch noch im Stau. Morgen werde ich wieder da sein. Bitte entschuldigen Sie.“ -
„Wissen Sie, welche Sorgen ich mir Ihretwegen gemacht habe? Ich war sogar bei der Polizei.“ .Im Hintergrund hörte ich eine Stimme, sie sagte was, und Petra sprach etwas atemlos: „Oh mein Gott, können Sie das nicht rückgängig machen?“ Nun konnte ich sie beruhigen.
„Sie suchen erst nach 24 Stunden. Gleich Morgen früh, werden wir anrufen. Nun sind Sie nicht verzagt und morgen pünktlich, gute Nacht.“ Aber das hörte Petra schon nicht mehr. Das Gespräch ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

„Sie sagte „wir“ waren in Frankreich.Meines Wissens hatte sie keinen Freund. Mit wem war sie dann dort?
Ich musste mit meinem Mann darüber reden. Sofort! Jetzt! gleich. Vielleicht glaubt er mir nun.
Hallo Schatz, stell Dir vor, und dann erzählte ich ihm die Geschichte. „Bitte leg nicht auf, hör doch einmal zu“. Er glaubte nicht daran und versprach morgen nach Hause zu kommen. "Dann sehen wir weiter.“ –

„Endlich kommst du“, redete ich mit dem Hund. „Komm wir holen uns noch ein feines Betthupferl.“
Pfeifend ging ich in die Küche Ich war guter Dinge, morgen wird sich alles aufklären.
Ich hörte ein Geräusch. Mit dem Brotmesser in der Hand schlich ich mich vorsichtig in den Flur. Nur ein kleiner Lichtschein von der Straße aus erhellte ein wenig .Ich sah einen Schatten mit beiden Händen nach mir greifen, nahm seinen Atem wahr, der nach einer Frau roch und den Schweiß den er verströmte. So fest ich konnte stieß ich mit dem Messer zu. Gurgelnd fiel er zu Boden. Ich stand zitternd an der Wand. Was hatte ich getan? Automatisch wählte ich die 112. Ob das nun die Feuerwehr oder der Notarzt war kam mir nicht in den Sinn. ---

Ich habe einen Menschen ermordet und gab meine Adresse an. Polizei und Krankenwagen waren fast zur gleichen Zeit da. Als sie das Licht anmachten, schrie ich auf, mein Mann, ich habe meinen Mann getötet.

Bei der Untersuchung seiner Kleidung fand man das Deo mit dem unverwechselbaren Geruch

Es dauerte ziemlich lange, bis es zum Prozess kam, man glaubte mir nicht.

Ich grübele noch immer darüber nach, wie konnte er ins Schlafzimmer kommen, wenn der Schlüssel doch innen lag.War er vorher schon drin und hatte von innen abgeschossen? War er der Einbrecher und wollte er mich für unzurechnungsfähig erklären lassen? War er mit Petra in Frankreich?

Nun sitze ich hier in meiner Zelle und schreibe Geschichten


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