Meine Tochter wollte immer einen Hund haben. Unbedingt. Fast alle Kinder wollen irgendwann einen Hund. Zu unserer Familie gehörten schon eine (zugelaufene) Katze und ein in die Jahre gekommener Kanarienvogel. Ein ( leider trächtiges) Meerschweinchen aus dem Zooladen sorgte für schnellen Familienzuwachs - plötzlich waren es vier... Ein zweiter Käfig musste her.

 

Nach der Anschaffung des Kanarienvogels stellte unsere tierliebe Tochter fest, dass er dringend einen Kameraden brauchte. Man kann so einem Tier doch nicht zumuten, einsam und alleine im Käfig vor sich hinzusingen. Die beiden Sänger bekämpften sich zu unserem Entsetzen, dass die Federn nur so flogen. Bevor die Ärmsten ihr Vogelleben ohne Federkleid fristen mussten, besorgten wir einen zweiten Käfig. Die Federn wuchsen wieder. Klar, dass jedes Kind vor der Anschaffung eines Tieres hoch und heilig verspricht, für die regelmäßige Käfigsäuberung zu sorgen. Nach der zweiten Säuberungsaktion durch meine Tochter wusste ich, was geschehen würde.

 

Wer erbarmt sich für diese Tätigkeit? Der Vater? Aber nein, er hat für solche Dinge nun wirklich keine Zeit. Das Säubern der Tierunterkünfte übernimmt die Mutter. Wer kennt das nicht? Die Katze war relativ anspruchslos, musste nur regelmäßig gefüttert werden. Kein Problem. Das Spielen und Schmusen mit der Samtpfote macht Kindern natürlich großen Spaß. Zum Glück hatten wir einen großen Garten und unsere Katze brauchte kein Katzenklo. Wer das gesäubert hätte, liegt auf der Hand.

 

Und dann kam sie jeden Tag, diese Frage: "Mama, warum haben wir keinen Hund?"  Oh nein, dachte ich, dieses Mal nicht. (Wenn ich auch Hunde sehr mag). Laut sagte ich: "Der würde sich nicht mit der Katze vertragen." Da wusste die kleine Tierfreundin eine Lösung: "Der Hund von meiner Freundin verträgt sich aber mit ihrer Katze." Ich blieb bei meinem Nein.

 

Irgendwann hörte ich die Bitte nach einem Hund nicht mehr und atmete auf. Da erzählte mir meine Tochter freudestrahlend, dass sie mit den Huskies der Nachbarn spazieren gehen dürfte. "Die sind soooo süüüß, Mama ..." An einem Nachmittag wurde ich durch lautes Bellen aufgeschreckt. Da stand sie mit ihrer Freundin und drei Hunden, die ungeduldig an der Leine zerrten, auf der Terrasse und fragte, ob sie mit den Tieren reinkommen dürfte. Unsere Katze stand fauchend im Wohnzimmer und beobachtete das Hunde-Schauspiel.

 

Auf jeden Fall blieben wir weiterhin hunde-, aber nicht tierlos. Leider erwischte kurze Zeit später unsere Katze in einem für sie günstigen Moment einen der Kanarienvögel und ließ als Andenken netterweise ein paar Federn zurück...

 

 

 

 

Foto:pixelio

O. van the See