Der Tag war ungewöhnlich heiß.
Die Hitze machte den Tischgestecken ganz schön zu schaffen, sollten sie doch den Nachmittag und die halbe Nacht strahlend blühen und schön frisch aussehen?
Stimmt, das Lokal hatte ja einen Kühlraum. Ja, das musste vorher noch geklärt werden, denn wenn die Feier in der Kirche vorbei ist, kommen so ca. 60 Gäste und sollen sich beim ersten Blick in den Saal auf die Feier freuen.
Gelb und blau waren die Lieblingsfarben der Braut und dieser Wunsch sollte bei der Dekoration beachtet werden.
Es klappte alles wunderbar und die große Stunde konnte kommen.

Die standesamtliche Trauung war schon einige Wochen her. Allerdings wollte Julia den Bund fürs Leben mit ihrem Jens nun auch in der Kirche besiegeln und er war sehr damit einverstanden. Er konnte die Wünsche seiner großen Liebe fast nie abschlagen. In dieser Kirche wurde sie getauft und auch konfirmiert.
Die wunderschöne alte Kirche auf einer Anhöhe strahlte mit der Sonne um die Wette.
Nach und nach kamen die Gäste, festlich gekleidet, dem Anlass entsprechend. Als sich das Brautauto näherte, betraten alle Gäste die Kirche und warteten auf die Braut, die wunderschön am Arm des stolzen Vaters in die Kirche schritt.
Die Pastorin, die Julia konfirmiert hatte, nahm dann auch die Trauung vor, sehr festlich aber auch eine lustige Anekdote aus der, na sagen wir mal wilden Konfirmandenzeit von Julia, wurde erwähnt.
Bei all der Festlichkeit kamen dann selbst dem Brautvater die Tränen, Tränen des Glücks, denn er wusste, bald bekommt seine geliebte Tochter ein Baby und das war natürlich der nächste Anlass zur Freude.
Die Wochen vergingen und die Vorbereitungen für den neuen Erdenbürger bestimmten nun das Leben der Jungevermählten. Kein Babygeschäft, das vor ihnen sicher war, sollte es doch in 4 Wochen soweit sein. Das Baby machte auch wohl schon Purzelbäume in Mamas Bauch, meistens in der Nacht, wenn Mama schlafen wollte.
Jens, als Kraftfahrer beschäftigt, wollte es so einrichten, das er bei der Geburt des Babys dabei war.
Ein Donnerstag, Julia ging schlafen, nicht ohne Sorge um ihren Mann, der mit dem Truck unterwegs war. Sie war immer froh, wenn er gesund zurück kam.
Irgendetwas war aber anders an diesem Abend.... Es dauerte eine kleine Weile bis Julia das realisiert hat. Das Baby war so ruhig.
Eine ganz große Panik ergriff sie. Jens war weit weg, die Eltern lebten 400 km entfernt.
In dem Moment purzelten so viele Gedanken durch ihren Kopf aber dann bestellte sie einen Krankenwagen, der sie ins nächstgelegene Krankenhaus bringen sollte, es war nicht das, in dem sie entbinden wollte, aber egal, es musste schnell gehen.
Was sie geahnt hatte wurde dort zur traurigen Gewissheit........
Lukas hatte aufgehört zu atmen........ niemand konnte ihm mehr helfen.
Er wurde auf die Welt geholt, sah aus wie ein kleiner Engel, der sich nur schlafen gelegt hatte............
Warum...........
Warum durfte er seine Mama und seinen Papa nicht kennen lernen,
seinen Opa und die Oma?
Warum sollte er die Welt nicht erkunden dürfen?
Warum sollte er nicht die Sonne, den Mond und die Sterne sehen?
Warum sollte er keine Blumen blühen sehen
warum, warum, warum warum ????

Im Frühling blühen blaue und gelbe Blumen auf seinem kleinen Grab,
der kleine Stein erinnert an seinen Geburtstag und gleichzeitig an seinen Todestag......
Warum kann keiner die Frage nach dem „Warum Lukas“ beantworten?