Ja, ja, ich kenne die von der Psychologie fixierten Einteilungen wie romantische, platonische, sexuelle (usw) Liebe, aber darum geht es mir nicht. Dies hier sind meine eigenen Gedanken zum Thema, weil ich derzeit die Liebe eines anderen Menschen beobachte. Ich stehe fassungslos daneben und habe ein Gefühl des Defizits, fühle mich schuldig, weil ich nichts in derselben Art dagegen halten kann.
- Bin ich vielleicht unfähig zu lieben?
Was ist denn nun eigentlich „Liebe?“ Beschreibt das Wort einen Zustand? Ein Gefühl? Einen Fakt? Sind manche vielleicht talentierter zu lieben und manche weniger? Sind die, die nicht ihr ganzes Glück in einem einzigen, anderen Menschen suchen und auch finden, weniger Wert als die, die ohne den anderen nicht existieren könnten?
Ich erkenne Menschen wie Mahatma Gandhi mit seiner selbstlosen Liebe für sein Indien, aber auch für den Gegner England, ja für die ganze Menschheit. Ich sehe aber auch KZ-Aufseher, die etliche Häftlinge „einfach so“ abgeknallt, aber Frau und Kind geliebt haben sollen.
- Ist deren Liebe etwa gleich viel wert, nur weil es „Liebe“ war?
Ich glaube, dass hier viel miteinander verwechselt wird. Deshalb beschränke ich mich hier auf meine eigene Liebe (nicht auf meine Eigenliebe!)
Meine Liebe steckt in mir selber und bezieht sich nicht auf einen einzelnen Menschen. Ich beobachte meine Mitmenschen auf der ganzen Welt und hege unterschiedliche Gefühle für sie. Hass kenne ich nicht. Ich habe für fast alle ein Stück weit Verständnis und finde auch für Diktatoren oder Terroristen eine Entschuldigung.
Bin ich für jemanden verantwortlich, stelle ich mich selber ganz weit zurück und tue alles, von dem ich glaube, dass es für denjenigen getan werden muss.
Stoße ich spontan auf einen hilfsbedürftigen Menschen, helfe ich, ohne zu überlegen, welche Nachteile ich davon haben könnte.
Beobachte ich Reaktionen von mir unbekannten Mitmenschen auf ihre Umgebung, die auf eine gewisse Hilflosigkeit im Handeln hin deuten (Gewalt gegen Sachen, Zerstörungswut allgemein), würde ich diese Leute gern nach ihren Hintergründen befragen, und wenn ich dies nicht kann oder darf, macht mich das nicht gerade froh...
Ich könnte niemals zu einer Person sagen, dass ihr meine ganze Liebe gehöre, und dass ich mir nichts Schöneres vorstellen könne, als pausenlos mit ihr zusammen zu sein. Und ist eine Beziehung zuende, fühle ich mich weiter zu dieser Person hin gezogen und helfe immer noch, wo ich kann. Ich selber habe noch nie eine Beziehung beendet, und zu allen Frauen habe ich nach wie vor ein gutes Verhältnis.
- Aber ich kann mich nicht verlieben. Ich kann mich für eine Frau begeistern, sie verehren, bewundern, aber dieses brennende Gefühl, diese Sehnsucht nach Verschmelzung, von der die Dichter und manche Mitmenschen erzählen, kenne ich nicht.
Wenn eine Frau, die mich besucht, beim Abschied traurig zu mir sagt:
„Morgen bin ich wieder allein“,
fühle ich mich schuldig, weil ich nicht bereit bin, ihr vorzuschlagen, zusammen zu ziehen. Denn im gleichen Moment freue ich mich auf dieses „morgen“, weil es so viel Tolles zu erledigen gibt, was ich viel besser allein schaffen kann.
- Ist meine Liebe nun weniger wert?
