"Glück hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast; es hängt nur davon ab, was du denkst … "
(Dale Carnegie)

Vorab möchte ich Ihnen danken. Es war eine ganz hervorragende Idee, ein Magazin wie „Lebenslust ab 45“ herauszugeben. Zurzeit bedaure ich es noch, dass es relativ selten erscheint; aber diese Tatsache lässt sich zukünftig ja vielleicht ändern … (dies war der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl).

Als ich das Interview zum Thema „Was macht glücklich?“ mit Professor Daniel Gilbert von der Harvard Universität las, kam mir natürlich als erster Gedanke in den Sinn: Für jeden Menschen bedeutet Glück etwas völlig anderes – weil Menschen einfach unterschiedlich strukturiert sind. Für meinen Mann (49) und mich (50) besteht derzeit „ein“ Glück aus der Tatsache, dass unsere Söhne jeweils eigene Wohnungen bezogen haben und ein selbständiges Leben führen. Die neu entdeckte Zweisamkeit, die plötzliche Freiheit zu tun, was wir wollen und wann wir es wollen, ist für uns gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ich nannte es gerade „ein“ Glück. Es gibt so viele Arten von Glück, dass wir uns hü-ten sollten, nur in einem Menschen, in einer Sache, in einer Tätigkeit Glück zu finden: Eine langjährige und vertrauensvolle Beziehung, eine gelungene Urlaubsreise, eine vollständige Genesung nach langer Krankheit, ein harmonischer Abend mit engen Freunden, ein schönes Weihnachtsfest im Kreise der Familie, ein gutes Essen, kostbare Zeit an bedürftige Menschen verschenken, das tiefe Verstehen von Freundinnen und ,und, und …

Ich habe für mich erfahren, das Glück immer in Dingen liegt, die mir wichtig sind. Dinge, die wir sozusagen „mit unserem Herzblut“ tun oder erleben. Im Gegensatz zu Professor Gilbert denke ich, dass man in jedem Alter – also auch in der Jugend – größtes Glück erfahren kann, weil man „größtes Glück“ in jedem Lebensabschnitt anders empfindet. In meinem Alter empfinde ich Glück oder Glücksmomente sehr viel intensiver als früher; außerdem verschieben sich die „Wertigkeiten“ im Laufe eines Lebens immer neu und daraus entsteht dann häufig „ein ganz anderes Glück als früher“. Habe ich es also vor 20 Jahren als größtes Glück empfunden, qualitativ hochwertig und nach der neuesten Mode gekleidet zu sein, empfinde ich es heute als größtes Glück, eine harmonische Beziehung zu führen, meine Kinder zu lebensfrohen und erfolgreichen Menschen heranwachsen zu sehen und auch weiterhin Gelegenheit zu haben, mich persönlich weiter zu entwickeln und damit zu einem reifen Menschen zu werden.

Ganz und gar nicht zustimmen kann ich Professor Gilberts Aussage „…wer die Wahl hat, entweder seine Freunde oder sein Augenlicht zu verlieren, nicht zögern sollte: Denn es gibt Blinde, die durchaus glücklich sind; von einsamen Menschen ist dies nicht bekannt.“ Meine Einsamkeit kann ich aus eigenem Antrieb ändern oder beenden, wenn ich das möchte, und mich anderen Menschen zuwenden. Um nichts in der Welt möchte ich jedoch meine Sehkraft verlieren – diese Tatsache kann ich dann nämlich nicht mehr rückgängig machen. Wenn ich schlussendlich also die Wahl hätte zwischen Einsamkeit und Erblinden, würde ich die Einsamkeit wählen – und diese dann beenden.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich verständlich ausdrücken konnte und hoffe das Beste...