Wenn jemand nach vielen Ehejahren den Verlust des Partners oder der Partnerin zu beklagen hat und nicht gern allein bleiben möchte, sieht sie oder er sich nach Ersatz um.

 

Wer Ersatz sucht, hat bestimmte Vorstellungen. Ist jemand in der Beziehung glücklich gewesen, soll  das Glück  mit dem neuen Partner weiter gehen. Der Partner bzw. die Partnerin sollte also der verlorenen Liebe ähneln. War man unglücklich, weiß man genau, wie der neue Partner nicht sein sollte.

 

Lernt man nun einen neuen Menschen kennen, wendet man seine Kriterien auf diesen an. Entspricht er 100%ig den Vorstellungen, was kaum vorkommen wird, ist alles in Butter. Wenn nicht, kommt es darauf an, in welchen Punkten man bereit ist, Abstriche zu machen.

 

Und genau hier geht es los:

 

Die einen kennen weder sich noch das andere Geschlecht so richtig. Sie gehen rein nach Bauchgefühl und wundern sich, wenn der Gegenüber sich anders verhält als man dies erwartet. Und weil man ja selber so toll ist, muss der Andere ja wohl nichts taugen, wo bliebe sonst die Logik?

 

Dabei ist die Sache so einfach.

 

Männer in der Altersgruppe wurden meist von ihren Müttern, also von Frauen, zu Männern erzogen. Männer definierten sich damals über ihr positives, männliches Verhalten. Negative Eigenschaften von Männern nahm eine Frau in Kauf, wenn die positiven überwogen. Positives, männliches Verhalten waren Treue, Klugheit, Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit und Sinn fürs Geldverdienen.

 

Hatte er diese Eigenschaften, durfte er auch ein Fußballfreak sein und seinen Verstand in der Hose haben.

 

Frauen in dem Alter wurden von denselben Müttern völlig anders erzogen. Sie wurden programmiert, ihn zu ergänzen. Sie sollten die Nachteile des Mannes ausgleichen und zusammen mit ihm eine funktionierende Familie bilden. Frauen waren kinderlieb, treu, konnten mit dem Geld umgehen, was ER heran schaffte. Sex war regelmäßig und normal, und ohne konnte man auf  Dauer schlecht einschlafen. Mit Sex konnte man den Mann an sich binden und seine Gelüste nach anderen Frauen minimieren.

 

Was hat sich nun bei der Partnersuche gegenüber der Konditionierung durch die Ehe-Routine verändert?

 

Die Frau sah nach den Wechseljahren ihre Attraktivität schwinden und der Mann hat Angst um seine Potenz. Ergo möchte die Frau vom neuen Partner jeden Tag  bestätigt bekommen, wie attraktiv sie doch immer noch ist, und der Mann  traut sich zu, jeden Tag Sex zu machen, bis er eines Tages tot über ihr zusammen bricht. Und wenn nicht, schluckt er Viagra, ohne dass sie dies unbedingt mit bekommt.

 

Viele Männer und Frauen wissen das nicht. Sie fordern ein, was sie vom Anderen erwarten und fertig. Sie werden kaum jemanden finden, der das mitmacht, und so bleiben sie für den Rest ihres Lebens allein.

 

Vielen Frauen und Männern sind die Zusammenhänge bekannt, und sie verhalten sich gegenüber dem neuen Partner entsprechend.  

 

Kluge Männer reden kaum über  ihre Eigenarten, sondern bieten der Neuen ein warmes Nest, um sie für sich einzustimmen. Sie bringen der Frau Blumen und loben und vergleichen sie mit anderen Frauen. Wobei das Urteil meist zu ihren Gunsten ausfällt.

 

Kluge Frauen bestätigen ihm, wie gut er als Liebhaber immer noch ist, bieten ihm beim Sex Orgasmen, den sie natürlich nur durch seine Geschicklichkeit hat. Dafür bekommen sie auch ohne Worte seine ganze Aufmerksamkeit.

 

Das ganze Leben ist ein Geben und Nehmen, und auch in einer Beziehung kann man nur nehmen, wenn man zum Geben bereit ist. Dazu gehört ein gutes Einfühlungsvermögen in die Psyche des Anderen.

 

Natürlich sind obige Beschreibungen auf einige, wenige Kriterien beschränkt. Darüber könnte man Bücher schreiben, aber die gibt es bereits massenhaft.

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©  für Bild &Text: Jürgen Berndt-Lüders