Ich bin zur Unterhaltung hier, war es im Frühjahr 2008 schon und bin es immer noch.
 

Platinnetz ist ein großes Dorf und wenn man sich mal die Rubriken F&A und Artikel anschaut, so sind es ca. 60 User, die hier aktiv das Bild von PN prägen. Die ganzen Fakes und Dubletten etc. nicht mitgerechnet.
 

Einige User durfte man schon persönlich kennen lernen und fast immer sind es interessante Menschen und Charaktere.
 

Mit ein paar Menschen hat man schon telefoniert und alle anderen kennt man im Prinzip mehr oder weniger gut durch die Beteiligung in den Rubriken.
 

Man mag einige User mehr, weil man auf einer Meinungslinie ist und andere weniger, weil man aus dem Bauch heraus oder durch deren Äußerungen keine großen Sympathien aufbringen kann oder möchte.

Jedenfalls sind hier so gut wie alle Denkrichtungen und Erziehungsergebnisse, also der Querschnitt unserer Gesellschaft, vertreten.
 

Dazu kommt noch die Tagesform eines jeden Einzelnen, die Tiefe oder Untiefe von Fragen oder fragwürdigen Artikeln.

Wenn ich also quer durch PN schaue oder mal Kommentare unter Fragen oder Artikeln lese, frage ich mich sehr oft, warum andere User hier sind.

Bei vielen Frauen, die dem Idealbild eines (männlichen) Menschen hinterher zu jagen scheinen, liest es sich oft wie eine Wunschliste.
 

Emotional muss er sein, treu und fügsam, als Shopping-Begleiter möglichst "gay" sein, intelligent (wahrscheinlich), figurmäßig zwischen Waschbrettbauch und kleiner Wohlstandskugel liegend, den Angebeteten möglichst alle Wünsche von den Augen ablesend und unbedingt tierlieb. Kinderlieb zwar auch, aber da hat man den Eindruck, mehr muss nicht sein, da Kindererziehung in dieser modernen? Gesellschaft mehrheitlich immer noch als Frauensache gesehen wird. So kleine Schönheitsmängel werden mit inneren Werten und oder Herzenswärme ausgeglichen und insgesamt geht man vom durch und durch idealen Menschen aus.
 

Nun könnte man da flapsig, flockig etwas dazu sagen, aber das wäre ein einseitiger kurzer Spaß und ab und an sollte man ja auch ernsthaft an eine Sache herangehen. Wenn ich also oben die Wünsche der Damen etwas subjektiv umrissen habe, gehe ich nach einiger Durchsicht von Kommentaren unter den Fotos diverser Frauen, natürlich auch auf einen Teil der Männer ein. Auch hier kann ich nur subjektiv feststellen, dass es scheint, als wenn auch hier ein "Ideal" gesucht wird, das sich an der Realität eigentlich nicht festmachen lässt.
 

Geben die meisten Frauen an, in erster Linie auf den Charakter Wert zu legen, so sind viele Männer doch irgendwie plumper oder soll man es direkter nennen?

Knappe bis gar keine Bekleidung wird begrüßt, wobei einige Damen sich auch locker dazu hinreißen lassen und sich mal mehr oder weniger frivol bis erotisch präsentieren. Wer es sich figürlich leisten kann und auf den Fotos eine gewisse Grazie ausstrahlt, der wird flugs von Geschlechtsgenossinnen zerrissen.
 

Wer keinen Spiegel sein eigen nennt und trotzdem (todes)mutig entsprechende Fotos einstellt, kann auch mit reichlich Aufmerksamkeit rechnen.

Ja, der Jahrmarkt der Einsamkeiten treibt so manche Blüte, die man natürlich nicht unbedingt pflücken muss. Aber auch das ist PN.

Kann es sein, dass viele von uns die Enttäuschungen und Niederlagen des eigenen Lebens immer als Menetekel vor uns sehen? Sind wir nicht so gerne realistisch und sehen ein, dass es in erster Linie wir selber in der Hand haben, wie wir wahrgenommen werden wollen? Sicherlich gibt es Menschen mit einem extrem großen Selbstbewusstsein und Menschen, die so gut wie kein Selbstwertgefühl haben. Von Stolz und anderem Gedöns wollen wir mal nicht reden.
 

Gehen wir doch mal davon aus, dass wir alle diesen Idealen hinterher jagen, einige ein Maximum davon auch erleben können, aber sind diese Ansprüche ins reale Leben "1 zu 1" transportabel? Ist das Leben eine Mischung aus "Dirty Dancing" und "Titanic" oder speziell für die Herren, eine Mischung aus "die Geschichte der O" und "Emanuelle"?

Wir sind das Ergebnis unserer Erfahrungen und Erziehungen. Werte und Maßstäbe können so unterschiedlich falsch wie richtig sein, aber wir selber erfüllen sie mit Leben und Wahrheiten. Und die können schmerzhaft sein. So schmerzhaft, dass viele Menschen sich betäuben müssen, um sie ertragen zu können.

Warum fällt es vielen schwer, die Realitäten einzusehen? Das Älter werden zu akzeptieren, die Möglichkeiten effektiv zu nutzen, die uns unsere Zeit heutzutage bietet, in Bezug auf Bildung, Informationsfreiheit und -vielfalt? Sind wir nach den Kapiteln unserer Geschichte nicht im Prinzip so viel wissender als die Generation unserer Eltern und Großeltern? Und warum nutzen wir das nicht?
 

Wenn doch alle immer wieder betonen, wie wichtig EQ und IQ sowie Menschlichkeit sind, warum gehen wir nicht gemeinsam, ohne zu zögern, auf die Straße und sorgen für mehr soziale Gerechtigkeit? Sollte doch im Tenor dieser Plattform, wo gemeinsam an Geburtstage gedacht wird, gemeinsam getrauert wird und immer wieder betont wird, wie wichtig Solidarität ist, absolut möglich sein, oder?

Aber wenn das nicht geht, darf man dann als Realist sagen, dass es besser ist, die Träume für sich zu behalten und nicht als Maß des Lebens zu verkaufen?

Darf und sollte man die liebenswerten Träumereien beenden und wieder zur Landung auf dem Boden der Tatsachen kommen?

Oder ist das ein Störfaktor, der die Flucht in eine "heile" Welt unterbricht?
 

Ich fürchte, wir alle kommen aus den Schubladen unseres Lebens kaum noch heraus. Denn Schubladen haben wir alle, nur wollen sich viele User hier das nicht eingestehen, glaube ich wenigstens. Warum stehen wir nicht zu unserem Mensch sein? Akzeptieren uns und den/die Anderen nicht so, wie sie sind? Individuelle Menschen, die Eigenschaften haben, die uns sicherlich abstoßen können, die aber auch in der Lage sind, uns zu bereichern. Ernst nehmen und leben lassen sollte doch möglich sein. Ich würde es uns gönnen.

Platinnetz ist bunt, es kann blenden und es kann einen sauer machen. Aber es ist auch ein Teil unseres medialen Lebens. Wir nutzen es, um Kurzweil zu erleben, um Menschen zu treffen, die halt nicht in direkter Nähe wohnen. Wir tauschen uns aus und wollen fast immer dass Richtige machen oder sagen.

Wir sind doch Erwachsen, oder? Und sind es nicht auch unsere Fehler und Mängel, die uns mit anderen ergänzender Weise zusammen bringen?

Ich suche mir meinen Spaß und meine Unterhaltung, manchmal ernsthaft und oft genug schmunzelnd. Sehr oft macht es Spaß, von Fremden in eine Schublade gesteckt zu werden, denn dann kann man sein, wie man will, man läuft nie Gefahr, es allen Recht machen zu müssen. Wie heißt es doch im Volksmund, "Was sich liebt das neckt sich.", oder? Nur bildet Euch jetzt nichts ein, ich will Euch nicht enttäuschen. ;-)))

Und vor allem nicht Eure Schubladen aufreißen, wer sollte die Unordnung denn dann aufräumen?  

Copyright, Bild und Text, Paul Archie, Okt. 2011