Wasser kann süchtig machen
Heimatgefühl,Meer,Ausgeglichenheit,Entspannung,Stille,Seelenfrieden...Mittlerweile brauche ich die Verbundenheit zum Wasser ebenso, wie ich den Kontakt zu anderen Menschen brauche. Das war nicht immer so.
Als ich Ende 1979 an die Ostsee zog, haßte ich das Wasser und überhaupt den ganzen Norden.
Ich sehnte mich nach meinem "Ruhrpott" zurück und jedes Wochenende mußte ich in die alte Heimat fahren.
Ich versprach mir, herauszufinden, wie ich eine tiefere Beziehung zu meiner neuen Heimat herrstellen könnte. Selbstverständlich war es leichter dieses Versprechen zu geben als es auch zu halten.
In meinem neuen Alltag mußte ich mich mit zahlreichen Hindernissen auseinander setzen und selbst wenn ich an Wasser ging, konnte in dieser Zeit die stillen Wunder des Meeres, meine Gedanken nicht durchdringen, die durch meinen Kopf jagten.
Ich war eher frustriert als in Hochstimmung.
Mir war klar, daß ich nicht nur so dasitzen konnte und darauf hoffen, daß all meine Freunde und die Familie mir in den Norden folgen.
Im Laufe der Jahre wurde mir bewußt in welch einer schönen Gegend ich lebe. Der Blick über das weite Meer diente mir, ein neues Glücksgefühl zu erfahren.
Mit dem Wasser empfinde ich eine tiefe Gelassenheit und eine sanfte Verbundenheit.
Hier kann ich entspannen und hier lerne ich wichtige Lektionen, tröstliche und auch schmerzliche.
Hier kann ich ein Zwiegespräch mit dem Universum führen, das manchmal beängstigend und manchmal auch berauschend ist.
Ich nutze oftmals meinen Ausflug ans Wasser, um meinen Stress zu reduzieren oder mein Wohlbefinden zu steigern.
Wenn meine Gedanken nur noch müde umher schweifen, bringt mir der Blick auf das Spiel der Wellen viel mehr als ein Schokoriegel ;-)
Wenn ich dann so dasitze und sich mir der Himmel leuchtend blau mit weißen Wölkchen zeigt, kann es schon mal sein, daß ein Engel vorbeifliegt und mir zuwinkt ;-)
Entzückt beschließe ich dann, innerlich ruhig zu werden und der Melodie der Wellen und der Vögel zu lauschen.
Das Wasser beruhigt mich, kleine Wellen gleiten auf mich zu und brechen sich lautlos am Ufer. Ich freue mich dann hier an diesem schönen Ort zu sein und die friedliche Erfahrung des Tages auskosten zu dürfen.
Manchmal kommt die Sonne durch und küßt mein Gesicht.
Meine Augen füllen sich mit Tränen und ein Glücksgefühl durchzuckt mich.
Ich denke an den kleinen Prinzen in Saint-Exuperys gleichnamiger Geschichte, die mir vor einiger Zeit eine liebe Chatfreundin schickte.
Der kleine Prinz belehrt den Erzähler, daß man durch die Wertschätzung , die man einer einzelnen Blume entgegenbringt, zur Liebe findet:
" Die Menschen bei dir zu Hause ", sagte der kleine Prinz, " züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten und sie finden dort nicht, was sie suchen."
" Sie finden es nicht " sagte ich " und dabei kann man das, was sie suchen in einer einzigen Rose finden."
Kein Gegenstand ist zu unbedeutend, als das er nicht zum Mittelpunkt unserer Gedanken werden könnte.
Ich sage mir: Obwohl ich umgeben bin vom weiten Meer mit den unzähligen Meeresschätzen, ist ein einzelner Stein den ich in die Hand nehme, so wunderbar und verdient meine ganze Aufmerksamkeit.
Und ich frage mich: Wenn dieser Stein unter all den anderen für mich so einen besonderen Wert hat, dann ist auch jeder Mensch es wert, unter all den vielen Menschen auf der Erde, einzeln beachtet zu werden.
Hier am Wasser erfreue ich mich meiner Gedanken, die in dieser Form nur in dieser friedlichen Stille geboren werden.
Meine Ausflüge hierher gleichen immer einem Miniurlaub, egal ob ich traurig oder glücklich bin, hier bade ich jedesmal in der Schönheit der Natur.
Ich fühle mich zu Hause und freue mich, hier leben zu dürfen.
Ich überlege, ob andere Menschen so ähnlich empfinden.....ein Rheinländer wenn er seine Brücken und Gewässer erkundet oder ein Bayer wenn er seine Streifzüge durch die wunderbare Bergwelt macht ?
Ich bin davon überzeugt, daß man selbst im Großstadtdschungel die Begegnung mit der Natur in dieser Weise erfahren und vertiefen kann.
Geeignete Stellen dafür zu finden, erfordert allerdings etwas Zeit, ein gewisses Maß an Kreativität und etwas Sinn für Romantik.
Ich brauche daß Meer um das Gefühl loszuwerden, daß das Leben nur aus lästigen Pflichten und unmöglichen Entscheidungen besteht.
Das Wasser wirkt auf meine hungrige Seele wie eine starke Infusion voller Lebensfreude.Ich brauche diese totale Versunkenheit am Wasser.
Diese Wahrnehmungen dort speicher ich in meinem Gedächtnis und fühle mich danach total erfrischt.
MEINE SEELE IST EIN SCHIFF; DASS DICH SICHER IN JEDEN HAFEN BRINGEN WIRD ;-)
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