Längst ist nachgewiesen, dass Frauen die treibende Kraft sind, wenn es um dauerhafte Partnerschaften, um die Gründung einer stabilen Familienstruktur geht. Dazu suchen sie sich den geeignetsten Vater für ihre zukünftigen Kinder aus. Wobei sie das Problem haben, nicht mit der Tür ins Haus fallen zu dürfen.

 

Eine Frau, die einen Mann direkt auffordert, mit ihr eine Beziehung auf Probe einzugehen, damit beide gleichberechtigt feststellen können, ob sie zueinander passen, wird meist schräg von der Seite angesehen.

 

Von einer Frau erwartet man Passivität. Sie soll jünger und kleiner sein als der Mann. Sie soll zu ihm aufschauen. Das wissen und respektieren meist beide Geschlechter.

 

Bereits in der Pubertät oder noch früher trägt das Mädel seine Schulmappe mit leidendem Gesicht, wenn sie den Jungen sieht, mit dem sie gern ihre ersten Liebes-Erfahrungen sammeln würde. Oft klappt das und er trägt die Mappe. Das ist eine Win-Win-Situation. Sie hat ihn in einer von der Gesellschaft akzeptierten Weise auf sich aufmerksam gemacht und er darf sich überlegen und stark fühlen.

 

Später lassen sich viele Frauen von Männern Zusammenhänge erklären, die sie selber längst durchschaut haben. Nur, damit sich der Mann eine Weile um sie bemüht. Immer in der Hoffnung, dass sich diese Bemühungen auch auf die von ihr gewünschten Bereiche ausdehnen.

 

Hat sie ihn dazu gebracht, die zweite Säule neben sich selbst innerhalb der Familie zu bilden, auf der das Dach der kleinsten Zelle des Staates ruht und unter dem sie selbst und die Kinder geschützt sind, geraten ihre Bedürfnisse oft ein wenig in Konkurrenz miteinander. Einerseits braucht sie den Mann aus besagtem Grund, andererseits benötigt sie mehr Freiraum für sich und ihr unterdrücktes Selbstbewusstsein.

 

Jetzt ist sie gezwungen, ihr Verhalten zu ändern.

 

Ab sofort spricht sie ihn meist direkt an und sagt, was sie will, ohne jede Verzierung und indirekte Strategie. Nun heißt es nicht, dass er bitte die Kinder vom Kindergarten abholen möge, weil er dies doch viel besser könne als sie selbst, sondern, er müsse heute mal die Kinder abholen, weil sie mit ihrer Freundin verabredet sei, und die habe nun mal nur jetzt Zeit.

 

Er holt nun laufend die Kinder ab, weil sie die Freundin öfter sehen wird, und er wird von anderen Müttern bewundert und von den Erzieherinnen bemitleidet. Aber sein Leidensweg ist in vielen Fällen noch nicht zuende.

 

Den weiblichen Strategiewechsel realisiert er nicht als solchen, denn sie versteht es immer noch, seine Eindrücke zu kompensieren, die High heels weg zu lassen, weil sie dadurch größer wirkt als er. Dass sie dies für andere, möglicherweise tuschelnde und lästernte Mit-Frauen tut und nicht für ihn, erkennt er nicht.

 

Ist die Beziehung im Laufe des für beide zermürbenden Alltags ein wenig den Bach runter gegangen, teilt sie kurz und knapp die Arbeit ein, die noch nicht längst routinemäßig durchgeführt wird. Der Rasen sei noch nicht gemäht, die Dachrinne müsse sauber gemacht werden, Wasser fehle auf ihrer Scheibenwaschanlage und die Beleuchtung im Flur sei defekt. Aber bitte keine Energiesparlampe, weil die so lange brauchen, bis sie anspringen.

 

Der Mann, seiner nur in seiner Phantasie existierenden  Überlegenheit beraubt, hat keine Lust, auf Kommando und zeitnah zu reagieren. Er mault rum und erledigt lieber die kleinen Gefälligkeiten, um die eine hübsche Nachbarin oder ihre Freundin ihn gebeten hat.

 

Ob er ihr denn nicht die Scheibenwischer wechseln könne. Möglichst in der Zeit, in der die Freundin mit seiner Ehefrau in der Küche Einzelheiten über ihre Erfahrungen mit Männern und deren nachlassender Libido austauschen möchte.

 

Sie wiederum wirft ihrem Göttergatten daraufhin vor, sie nicht mehr zu lieben, denn er erledige Arbeiten, um die sie ihn gebeten habe, nicht so prompt wie die für diese „anderen Weiber“, die er wohl beeindrucken wolle.

 

Frauen sind in den allermeisten Fällen die geborenen Strategen. Wäre Napoleon eine Napoleonia gewesen, hätte sie die Schlacht bei Waterloo nicht verloren. Sie hätte den preußischen General Blücher von unten nach oben angeschaut und ihn gebeten, ihre Kinder vom Kindergarten abzuholen, um seine Reihen dann von hinten her aufzurollen.

 

© Jürgen Berndt-Lüders

 

*Trittbrettartikel