Vor langer, langer, endlos langer Zeit war das wichtigste am Weihnachtsfest,

dass an diesem Tag das Christkind geboren wurde,

dass es den Menschen Freude und Frieden bereitete,

der Knecht Ruprecht den Kindern Geschenke brachte

und in den Familien die Weihnachtsbäckerei und die Geheimniskrämerei vor dem Fest eine riesige Vorfreude erzeugten.

 

Ich erinnere mich,

 

wir Kinder bastelten Geschenke für Eltern und Geschwister, heimlich natürlich.

Schon Wochen vor dem Fest handwerkelten abends, wenn wir Kinder im Bett waren, die  Eltern und Großeltern für uns Kinder und Enkel. Sie strickten alles, was in der kalten Jahreszeit von Nöten war, Pullover, Handschuhe, Schals und Mützen.

Dabei wurde Altes aufgetrennt und daraus Neues angefertigt.

Die Väter reparierten altes Spielzeug und unter dem Motto aus alt mach neu, entstand so manche Überraschung für die Kinder und Erwachsenen.

Geld, um all die Dinge neu zu kaufen, war in den meisten Familien nicht vorhanden und außerdem machte es allen Freude, selbst für ihre Lieben  eine Weihnachtsüberraschung vorzubereiten, zu basteln, zu stricken, zu nähen oder zu reparieren.

 

Jeder, wir Kinder und auch die Erwachsene, hatten ihre Geheimnisse und waren glücklich, trotz oft großer Armut den anderen eine Freude zu bereiten.

 

Das nachfolgende Kinderlied  hatte zu dieser Zeit seine volle Gültigkeit:

 

So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit!
Meine Puppen sind verschwunden, hab nicht mal den Bär gefunden.
So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit!

Hansels Eisenbahn ist weg, steht nicht mehr am alten Fleck.
So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit!

In der Küche riecht es lecker, grad so wie beim Zuckerbäcker.
So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit!

 

Die Erwachsenen trafen sich mit befreundeten Familien, die alle das gleiche Anliegen hatten:

Ihren Lieben zu Weihnachten durch Handarbeiten eine Freude zu bereiten.

Dabei wurden Weihnachtslieder gesungen, Geschichten erzählt und auch mal ein Punsch

getrunken, es war heimelig.

Im Erzgebirge nannte man solche Treffen „Hutzenobnd“.

 

Den Hutzenobnd gibt es auch heute noch, aber er ist nur noch Vergnügen, durch professionelle Gruppen gestaltet. Es wird auch noch mitgesungen, aber keiner denkt auch nur entfernt daran, dabei für seine Lieben Handarbeiten anzufertigen.. 

 

Die Weihnachtsbäckerei, Kekse, Pfefferkuchen, Printen,  war auch eine beliebte vorweihnachtliche Beschäftigung in den Familien.

 

In meiner Heimat, dem Erzgebirge gab’s dann auch noch die Stollenbäckerei.

Die Stollenbäckerei war hier in der Adventszeit in jeder Familie ein ganz besonderes Ereignis.

Jede Hausfrau hatte ein eigenes Rezept von ihrer Mutter, Großmutter und weiteren Vorfahren erprobt und war der Ansicht, den besten Stollen der Welt (oder des Erzgebirges) zu backen.

Das Rezept war ein sehr gehütetes Geheimnis

Einige Wochen vor dem Fest wurden die Zutaten zusammengetragen und vorbereitet.

Und das schönste war, dass die ganze Familie, besonders die Kinder, bei der Vorbereitung der Zutaten für die Stollenbäckerei half.

Und glaubt mir, den richtigen „Erzgebirgischen Weihnachtsstollen“ gibt es nur im Erzgebirge, alles andere, was sich so nennt, ist kopiert.

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Und heute

ist die Vorweihnachtszeit in deutschen Landen für die meisten die hektischste Zeit des ganzen Jahres.

Schon im September gibt es die ersten Weihnachtswerbeblöcke in den Geschäften.

Wochen ja sogar Monate vor dem Fest  werden die Geschäfte gestürmt, um ja alles, was von den Lieben (Kindern und Erwachsenen) gewünscht wurde ja rechtzeitig zu bekommen.

„Sonderangebote“, die haufenweise angepriesen werden, sind sehr gefragt.

 

Heute

Selbstgestricktes, Selbstgebasteltes oder gar repariertes Spielzeug zu verschenken, ist nicht mehr IN und würde bei vielen nur ein Naserümpfen zur Folge haben. Alte Sachen werden ausgerottet, Neues muss her.

 

Heute

backen nur noch wenige ihren Stollen und ihre Plätzchen zu Hause. Wer berufstätig ist, hat auch kaum Zeit dafür.

Die Bäckereien haben sich in der Weihnachtszeit auf  Plätzchen und Stollenbäckerei spezialisiert. Schon im Oktober kann man Weihnachtsgebäck kaufen.

 

Heute

ist alles kommerziell.

Alles ist dem Weihnachtsgeschäft der Industrie und des Handels untergeordnet. Die friedliche Stimmung in der Advent- und Weihnachtszeit ist überwiegend dem Kommerz und dem Profitgeschäft zum Opfer gefallen.

 

Ich frage mich nun, war früher alles besser?

Stimmt der Ausdruck die gute alte Zeit?

 

Ja, die gute alte Zeit, wie war sie?

Die Menschen lebten ruhiger, lebten anders, waren zufriedener, und oft bescheidener als heute, weil die Voraussetzungen andere waren.

Die weite Welt war weit entfernt und kam nicht täglich durch die moderne Kommunikation in die Stuben.

 

 Heute ist die Vorweihnachtszeit hektisch statt friedlich.

 

 

 

Copyright Maria E.

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