Natürlich bin ich überzeugter Single. Was sollte ich auch mit einer Frau? Aber ich wollte meinen Haushalt rationalisieren und engagierte mir eine Hauswirtschaftsberaterin. Sie lief drei Tage mit Block und Stift neben mir her und registrierte meine Aktionen.
Ihr Job war, meine Arbeitsweisen streng wissenschaftlich auszuwerten. Jedenfalls wollte sie das anfangs tun. Weshalb sie dann doch noch abgebrochen hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
Dass man durch meine Fenster kaum noch hindurch sehen könne, entdeckte sie als erstes. Dadurch würde ich Unmengen an Strom verbrauchen, weil ständig meine verbotenen Hundert-Watt-Glühbirnen leuchteten.
Irgendwie hatte sie Recht, denn wenn ich aus dem Fenster schaue, das meinem Computerbildschirm einen würdigen Rahmen verleiht, sehe ich, dass die Fenster einen permanenten Dämmerzustand vermitteln. Die Leute rufen mich an und fragen, was ich denn bei dem schönen Wetter zu Hause mache, was ich nicht bemerke, weil es bei mir gar nicht richtig Tag wird.
Nicht mal der stärkste Regen wäscht die sauber, weil der schon waagerecht kommen müsste, damit der über den Balkon hinweg noch genug Kraft hat um die Schmutzpartikel zu lösen. Aber was ich dagegen tun sollte, wollte sie mir nicht sagen. Sie sah mich nur so merkwürdig an und schüttelte verwundert den Kopf.
Dann fand sie, dass ich meine Schuhe anbehalten sollte, wenn wir es uns zwecks Reflexion gemütlich machen wollten.
Warum nur???
Regelmäßig wechsle ich die Socken, im Schnitt jede Woche einmal. Und weil es immer zwei Socken sind, die ich wechsle, kann man die Woche durch 2 teilen, also wechsle ich im Grunde alle 3 ½ Tage eine Socke. Das ist doch schon was, oder?
Niemand muss mich daran erinnern, auch die Frau nicht, weil mich immer dann, wenn ich die Schuhe ausziehe, die Folgen meiner körpereigenen, bakteriell bedingten Eiweißgerinnungsprozesse sowieso darauf aufmerksam machen.
Meistens mache ich mir darauf hin ein Brot mit Harzer Käse, um den Geruch abzumildern. Der Frau aber fiel der Block aus der Hand, weil sie sich unverständlicherweise die Nase zuhalten musste. Total undiszipliniert. Eine Wäscheklammer auf die Nase geklemmt und weiter gearbeitet ist meine Devise.
Sie wollte wissen, ob man meine Ernährung verbessern müsse, weil ich immer bei Aldi einkaufe. Dabei ernähre ich mich sowieso schon gesund. Ich kaufe einmal die Woche einen ganzen Blumenkohl und vier Kohlrabi. Sechs bis acht Kartoffeln runden das Menu für die Woche ab. Ich ergänze es täglich mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Mal mit Ketschup für amerikanisch, mal mit Sauce Bolognese für französisch und mal mit Soja, wenn ich Appetit auf chinesisch habe.
Ich werfe alles zusammen in den großen Schnellkochtopf, wegen meiner biodynamischen Ernährungsstrategie ungewaschen und unbehandelt, ungeschält und mit nur ganz wenig Sagrotan zum Desinfizieren. Den Deckel lasse ich weg. Dann koche ich alles an die 45 Minuten und püriere es mit dem Pürierstab, soweit dann noch erforderlich. Das Wasser lasse ich drin, weil dann die Vitamine und die Maden als fleischliche Ergänzung erhalten bleiben.
Bis auf die Maden bin ich Vegetarier.
Die Frau wollte wohl grad eine Diät oder eine Abmagerungskur machen, jedenfalls aß sie nichts, obwohl ich sie einludt. Vielleicht hätte ich Eisbein dazu servieren sollen, für den Fall, dass sie Hausmannskost bevorzugt.
Beim Waschen bin ich perfekt, was sie mir nicht auf Anhieb glauben wollte. Baumwoll-Artikel kaufe ich generell drei Nummern größer und werfe sie zusammen mit der Kochwäsche in die Maschine. Ich wasche dann bei 90 °, um die Parasiten abzutöten. Weil ich nicht trenne und genügend Unterwäche habe, genügt eine Wäsche im Monat, und wenn ich mal weggehe, muss ich nicht lange passende Farben zusammen stellen, weil inzwischen alles grau ist.
Sie wurde auch immer grauer, obwohl sie sich nie in meiner Maschine nie den Kopf wusch. Schon, weil sie den Schleudergang nicht überstünde. Obwohl sie meinte, dass sie bei mir noch mal durchdrehen würde.
Zum Thema Bügeln: Ich bügle nicht. Doch, aber nur Umleimer auf Kanten von Spanplatten-Regalen. Würde ich ein Stück Textil bügeln müssen, bräuchte ich eh ein neues Bügeleisen, weil die Sohle vom Frontscheiben enteisen im Winter ganz dreckig ist. Bügeln ist sowieso überflüssig. Eine Nacht unters Laken gelegt und drauf geschlafen und alles ist glatt.
Nicht den Fiat Schinkenquetschento, oder wie der heißt, sondern die Wäsche.
Putzen war auch ein Thema. Ich fege den Teppichboden einmal die Woche mit dem Straßenbesen, weil der so schön hart ist, oder ich mache Durchzug. Dann fliegen der Dreck und die benützten Papiertaschentücher schon über den Balkon davon. Staubwischen erledigt sich dadurch von allein. Allerdings sind mir auch schon ein paar Geldscheine auf die Art abgehauen, die auf dem Tisch lagen. Ausgerechnet das Geld, mit dem ich die Frau bezahlen wollte.
Zu alledem sagte meine Besucherin nichts mehr. Schon, weil ihr Block voll und ihr Kopf leer war. Aber auch der Glanz in ihren Augen war verschwunden. Leidet sie vielleicht unter Grünem Star?
Sie erholte sich wieder, als ich neues Geld von der Bank holte. Sie gab einfach nicht auf, aber als ich loszog, weil wieder Samstag war und ich mit einer DVD zurückkam, mit der ich immer meine sexuellen Bedürfnisse befriedige, haute sie ab. Nur, weil ich mit ihr die Szenen nachspielen wollte.
Sie warf ihren Block hin und sagte, ich sei ein zwar liebenswertes, aber total überdrehtes Exemplar Mann. Sie verschwand und knallte die Tür hinter sich zu.
Dass es bei mir nichts zu verändern gibt, hätte ich ihr auch vorher sagen können. Ich brauche also weder eine Hausfrau noch eine Hauswirtschaftsberaterin mit Diplom.
Der Block und der Stift liegen noch auf dem Tisch, neben der Butter und den Socken von vorvorletzter Woche. Es sind inzwischen Kaffeeflecken drauf.
Ich stelle fest, dass ich perfekt, genügsam und unverbesserlich, ähm, -bar bin.
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© Jürgen Berndt-Lüders
