Die aktuelle berufliche Überforderung hat das Fass nur zum Überlaufen gebracht. Derzeit betreibe ich einmal in der Woche mit meiner Therapeutin "Ursachenforschung". Bin ziemlich schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass ich bislang überwiegend funktioniert habe anstatt zu leben. Das trifft ebenso auf Beziehungen, meine Familie, meinen Beruf und mein sonstiges Umfeld zu.
Ganz wenige Freunde gab es, die mich sein ließen, wie ich bin. Da stellt sich mir doch die Frage: Ist mein wahres Ich denn so wenig akzeptabel, dass ich mich anderes geben muss um in den Kreis derer aufgenommen zu werden, mit denen ich Tag für Tag umgehe? Wenn dem so ist: will ich dann überhaupt dazugehören? Diese Frage habe ich mir jetzt klipp und klar mit N e i n beantwortet.
Das hat bis jetzt schon ziemliche Kreise gezogen. Einem Teil meiner Familie habe ich den Rücken gekehrt, da sich deren Lebenseinstellung sich nicht mit meiner Überzeugung vereinbaren lässt und ich deren Erwartung nicht erfüllen kann (will). Seitdem ist dort vollkommene Funkstille - was auch eine Aussage ist. Doch ich konnte diese Personen loslassen.
Meinem Vorgesetzten habe ich mitgeteilt, dass ich meine Tätigkeit dort nicht mehr aufnehmen werde, da ich dem Druck nicht länger standhalten kann. Was hier auf offene Ohren stieß, da ich in diesem Bereich kein Einzelfall bin, was bisher allerdings von der Geschäftsführung nicht gesehen wird. Doch meine klare Aussage, dass ich an diesen Arbeitsplatz nicht zurückkehren werde, wird etwas in Bewegung setzten. Ich harre gelassen der Dinge, die da kommen werden.
Für mich bedeutet das jetzt erst einmal Krankengeldbezug bis zur Reha, dann sehe ich weiter. Doch Eines ist mir in den letzten Wochen klar geworden. Es war gut und richtig so. In den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten war meine Devise immer: durchhalten. Wenn es gar nicht mehr ging, war ich vielleicht mal ein oder zwei Wochen krank und weiter ging's. Doch jetzt reicht es. Jetzt bin ich dran mit leben!
Ich habe keinerlei Existenzangst. Derzeit ist auch niemand mehr wirklich abhängig von mir. Soviel ist in mir, was nur darauf wartet, aktiv werden zu dürfen, befreit zu werden, eben zu leben! Und glaubt mir, dazu brauche ich nicht das große Geld!
