Da sind Die Arbeitskollegen, die eifersüchtig darüber wachen, dass Sie selbst nicht zu kurz kommen. Deshalb wird jeder Schritt und jede Handlung kritisch unter die Lupe genommen, damit auch jeder Kritikpunkt an der richtigen Stelle die gebührende Beachtung findet. Vom Chef ganz zu schweigen, ist er ja dafür Verantwortlich, dass Lohnerhöhungen möglichst vermieden werden.
Als wenn das alles nicht genug wäre, dürfen wir auf keinen Fall unsere Nachbarn vergessen. Wann gehen wir aus dem Haus, wann sind wir abends zurück? Wann wird geduscht, wie laut ist der Fernseher, oder gibt es etwa Streit zwischen den Partnern? Aber was Ihnen noch wichtiger ist, wie konnte man sich schon wieder ein neues Auto leisten, bei dem Lebenswandel?
Von allen Seiten her stehen wir in der Regel ständig unter Beobachtung, tragen eine Maske und führen den anderen die heile Welt vor Augen.
Wie angenehm ist es da, einmal mit Menschen zusammen zu sein, von denen wir wissen, hier kann ich meine Maske ablegen, Sie lieben mich so wie ich bin, Sie würden mich beschützen in jeder Lebenslage, Sie würden sich vor mich stellen und zu mir halten, auch wenn ich versagt habe, oder einfach nur in der Klemme stecke. Wenn ich angegriffen werde, Sie würden mich verteidigen.
Welch eine wunderbare Vorstellung. Sie bringt so angenehme Gefühle in uns hervor. Ich weiß wovon ich rede. Es macht ganz warm ums Herz und bringt uns dazu, im Einklang mit der ganzen Welt zu sein, trotz aller Anfeindungen.
Es war vor ungefähr 6 Jahren, als ich mit diesen wunderbaren Gefühlen in einem Restaurant in einer Stadt mitten im Ruhrgebiet, zum Essen war. An meiner Seite mein damaliger Mann, mein Lieblings Bruder und mein Sohn mit Ehefrau und Tochter.
Und genau bei diesem Essen, in dieser Runde, fühlte ich mich geborgen und geliebt. Was kann mir noch passieren mit so wunderbaren Menschen an meiner Seite. Nie werde ich dieses Wohlbefinden, ja dieses Glücksgefühl vergessen. Natürlich habe ich nicht darüber geredet, ich habe es nur genossen. Es ist gut dieses Gefühl damals so ganz allein für mich ausgekostet zu haben, als hätte ich die Veränderung schon geahnt.
Sie treten ja nicht plötzlich auf, diese Veränderungen. Nein ganz allmählich, schleichend und das schlimmste ist, wir bemerken Sie erst viel zu spät. Womit es anfängt ist in der Regel hinterher nicht feststellbar. Ein falscher Satz, eine unverstandene Geste, dazu vielleicht eine Erwartungshaltung die Enttäuscht, weil sie vom Gegenüber vollkommen missverstanden, oder gar nicht wahrgenommen wird.
Meistens ist es die Summe all dessen, die uns plötzlich den Anderen im neuen Licht sehen lässt. Streit!!! Mit dem Dir wichtigsten Menschen auf der ganzen Welt, deinem Sohn. Und Du denkst, dass kannst Du Dir einfach nicht gefallen lasen. Aussprachen folgen, zumindest habe ich Sie gesucht und meinen Standpunkt deutlich machen wollen. Aber Er hatte seinen, und für beide war ein Kompromiss vollkommen undenkbar.
Und dann diese Schwiegertochter, wie hat er Sie nur Heiraten können. Von Ihrer Seite natürlich kein Verständnis, kein entgegen kommen. Nein Sie hat wahrscheinlich auf diesen Moment schon lange gewartet und kostet Ihn jetzt in vollen Zügen aus. Ich kann richtig fühlen wie Sie es genießt, Ihren Mann endlich für sich allein zu haben. Sie triumphiert über mich. Es ist nicht zu ertragen, ja das setzt der ganzen Sache noch die Krone auf.
Und der Mann an meiner Seite? Nun Er hält sich bedeckt. Ja er hält zu mir, aber es kommt da nichts konstruktives, nichts woran ich mich festhalten könnte, was mir den Rücken stärkt, mir vielleicht einfach nur Recht gibt. Jetzt sind meine Gefühle so, dass ich mit Ihm auch streiten könnte. Natürlich hat er nichts gemacht. Wie denn auch, Er macht ja nie etwas, dieser Harmonie süchtige Mensch. Streit heißt ja, sich mit seiner Umwelt auseinander zu setzten und diese Energie fehlt Ihm einfach. Wie habe ich es nur all die Jahre mit Ihm aus gehalten??? Wenn Menschen schon nicht streiten können. Es gab mal eine Zeit, da war ich stolz darauf, dass wir uns nie zankten. Viel zu spät erst kam die Erkenntnis, dass ein sachlicher Streit durchaus einen positiven Aspekt hat. Jedoch habe ich die bittere Erfahrung gewinnen müssen, dass mit meinem Mann ein gesundes Streitgespräch undenkbar war. Die Folge davon ist, dass ich einfach aus meiner Haut schlüpfen könnte, weit weg laufen möchte, lieber allein Leben würde, als mit diesem biegsamen und es allem Recht machen wollendem Mann, weiter zu leben.
Heute bin ich geschieden und Lebe allein. Es dauerte einige Zeit, denn der Weg von der Erkenntnis bis zur Realität, ist ein Reifeprozess der meistens sehr schmerzhaft ist und deshalb nur ungern gegangen wird. Wir haben noch ein freundschaftliches Verhältnis mein Mann und ich, wie könnte es auch anders sein.
Mit meinem Sohn habe ich mich ausgesöhnt, natürlich nicht gleich und auch erst, nachdem sich meine Einstellung zu meiner Schwiegertochter verändert hatte.
Und mein Bruder? Der war und ist schon immer mein Lieblings Bruder!