Alles, was in Norberts Golf passte, haben sie verstaut. Der Wagen hat Suhl längst verlassen, und doch dreht sich Nora immer wieder ängstlich um. Norbert verliert kein Wort darüber. Aber über die Zukunft denkt er nach.

 

„Ich habe nur eine kleine Wohnung“, sagt Norbert. „Im Grunde kannst du bei mir gar nicht wohnen.“

 

„Ich weiß“, sagt Nora, und schon wieder dreht sie sich um. „Das hast du mir schon bei unserem ersten Treff gesagt.“

 

„Und wie hast du dir das dann vorgestellt?“

 

„Noch gar nicht. Eigentlich will ich nur weg, aber ich brauche jemanden, mit dem ich mich austauschen und beraten kann.“

 

„Hast du keine Geschwister oder Freundinnen?“

 

„Doch, aber die halten mich für verrückt, wenn ich Friederich verlasse.“

 

Norbert denkt nach. Für einen Berater taugt er nicht.

 

„Ich habe mal vier Wochen lang mit einer Frau in der Bude gehaust. Dann war die Beziehung zuende. Aber das ging nur, weil wir verliebt waren und sowieso ständig zusammen gehockt haben.“

 

„Ich sehe da kein Hindernis.“

 

Norbert schluckt. „Das wäre ein Kuhhandel, der mir nicht liegt. Ich gebe dir vorübergehende Sicherheit vor Friederich und du gibst mir deinen Körper?“

 

„Ich habe Friederich zwölf Jahre lang meine Körper gegeben. Für nichts als Sicherheit.“

 

Norbert schüttelt bedenklich den Kopf. „Sowas kommt für mich nicht in Frage.“

 

Wenn, dann sollst sie mich lieben, denkt er, aber das tut sie nicht.

 

„Du fällst von einer Hörigkeit in die nächste“, sagt er schließlich. „Du brauchst Eigenständigkeit, bevor du dir einen neuen Mann suchst.“

 

Noras Handy klingelt. Sie klickt sich rein und hört offensichtlich einem längeren Vortrag zu. Ständig nickt sie.

 

„Ist gut, ich komme“, sagt sie schließlich und klickt sich raus. „Kehr bitte um.“

 

Norbert hat sich sowas gedacht und bleibt ruhig. „Natürlich kann ich wenden und dich zu deinem Mann fahren. Alles andere wäre schließlich Freiheitsberaubung, aber überleg es dir genau. Wahrscheinlich erpresst er dich, oder?“

 

Nora nickt. „Ich habe die Münzsammlung mit genommen, die auf seinen Namen versichert ist. Er hat sie mir mal zum Hochzeitstag geschenkt.“

 

Norbert fährt rechts ran, wendet aber nicht. Er schaut ihr mitten ins Gesicht.

 

„Und jetzt zeigt er dich wegen Diebstahl an, wenn du nicht umkehrst?“

 

In Noras Augen sammeln sich Tränen. „Ja. Fahr bitte zurück.“

 

„Das wollen wir doch mal sehen“, sagt Norbert und fährt wieder an.

 

„Ob du umkehrst?“

 

„Nein, ob wir beide nicht mit dem Kerl fertig werden.“

 

Nora ist es gewöhnt, Männern zu gehorchen. Sie schweigt dazu.

 

Norbert gibt Gas. Noch zehn schweigsame Minuten, dann ist er zu Hause.

 

Vor der Tür steht ein Wagen, den Norbert kennt. Seine Schwester Kirsten wird anwesend sein. Wenn er nicht da ist, gießt sie die Blumen und leert den Briefkasten.

 

Statt aufzuschließen klingelt er. Kirsten öffnet.

 

„Willst du mir deine Frau nicht vorstellen?“, fragt Nora enttäuscht.

 

Kirsten lacht. „Den würde ich nie und nimmer heiraten.“

 

„Ich die da auch nicht“, revanchiert sich Norbert, aber seine Revanche klingt zu schwach.

 

Die Frauen stellen sich einander vor, und Norbert schildert Noras Situation, anstatt sie reden zu lassen. Nora lässt sich das gefallen. Sie kennt sowas von Männern.

 

„Du schläfst bei mir“, entscheidet Kirsten. „Mit dem Kerl hier kommst du vom Regen in die Traufe.“

 

„Au warte“, schimpft Norbert verlegen, aber das klingt nicht überzeugend.

 

„Denk an Maren“, erinnert Kirsten.

 

Norbert winkt ab. Er kennt seine Schwester. Wenn die das Konzept übernimmt, hat er keine Chance.

 

Nora freut sich. Sie traut dieser Frau mehr zu als Norbert.

 

Als Noras Handy wieder klingelt und sie auf das Display sieht, verschwindet ihr Lächeln...

 

3. und letzter Teil: morgen Abend

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© Jürgen Berndt-Lüders

Bildquelle: STAR DIVISION CD. 10.000 Cliparts und Fotos