Elternsprechtage gehören nicht gerade zu den erfreulichen Ereignissen. Das war schon immer so und wird sich wohl kaum ändern. Zum Glück war jedoch meistens alles halb so schlimm.

Einen dieser Sprechtage werde ich nicht vergessen. Unsere jüngste Tochter besuchte die zweite Klasse und ich erwartete keine Klagen. Die wichtigen Themen war schnell besprochen und ich wollte mich erleichtert von der Lehrerin verabschieden. "Warten Sie, ich muss da noch etwas mit Ihnen besprechen", hörte ich erstaunt. Machte unsere Siebenjährige doch Probleme?

"Ihre Tochter scheint frühreif zu sein..." Wie bitte? Das konnte doch wohl nicht wahr sein, sie war ein fröhliches und aufgewecktes Kind mit einem großen Freundeskreis und machte uns keine Sorgen. "Sie schreibt einem Klassenkameraden Liebesbriefe, auf denen zu lesen ist: Willst du mit mir gehen? Sie ist erst sieben, meinen Sie nicht, dass es dafür noch zu früh ist?"

Ich war überhaupt nicht erstaunt. Einen dieser "Liebesbriefe" hatte sie mir sogar gezeigt. Ich fand nichts Verwerfliches daran: Kinderfreundschaften, wie sie auch im Kindergarten schon entstehen. Ein Kindergartenfreund machte unserer Tochter bereits im zarten Alter von vier Jahren einen "Heiratsantrag"...

Ihr kleiner Verehrer malte auch Bilder für seine Auserwählte, die sie noch heute aufbewahrt.

Nun ja, ich murmelte ein "was ist schlimm daran? Es sind doch Kinder...", ließ mich auf keine weitere Diskussion mehr ein und verabschiedete mich schnell von der tugendhaften Lehrerin, weil ich das Lachen nicht länger unterdrücken konnte.