Wir empfehlen nicht mehr, wir fordern.
Selbst seid 1985 Querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. In der Behindertenpolitik aktiv seid 23 Jahre, zwischendurch krankheitsbedingt mit Einschränkungen aktiv.
In dieser Zeit habe ich und auch andere Menschen mit Behinderung, viele neue Begriffe um uns Menschen mit Behinderung kommen und gehen sehen. Meistens wurden diese Begriffe von der Politik gemacht leider häufig ohne Nutzen für Menschen mit Behinderung. Es gibt in den über 20 Jahren wo ich mich in meinen Rollstuhl bewege sicher die einen und die anderen Verbesserungen. Schwerpunkt mäßig findet man diese aber eher in Grostädten selten in ländlichen Gebieten.
Ich habe in dieser Zeit mit vielen unterschiedlichen Menschen mit sehr unterschiedlichen Behinderungen zusammen gearbeitet, mal erfolgreich mal weniger.
Ich denke gerade durch die kleineren Vereine und Selbsthilfegruppen ist in diesen Land viel bewegt worden. Von der Politik leider nur unter massiven Druck. Freiwillig wurde hier selten was für Menschen mit Behinderung gemacht. Das wir heute mal mit der Bahn, dem Bus und sogar in den Urlaub fliegen können, ist hier zum großen Teil den Menschen mit Behinderungen zu verdanken. Denjenigen, die keine Auseinadersetzung gescheut haben, keine Repressalien gefürchtet haben, die sich häufig ehrenamtlich eingesetzt haben.
Häufig wurde hier Zusammengearbeitet mit Nicht behinderte Menschen die sich engagiert haben und stark gemacht haben. Dann gibt es die anderen „die Ausbremser“, hier hörten wir und hören wir noch heute, „das geht aber doch nicht alles so schnell“ „wir können doch nicht alles übers Knie brechen“ „ihr müsst doch auch Kompromiss bereit sein“.
Das sind die Bremser, die zwar gerne engagiert sein wollen, aber nur solange es bequem ist und nicht als störend empfunden wird.
Aber hier mal die Frage, auf was sollen wir warten, wo sollen wir Kompromiss bereit sein. Bei den Menschlichen Bedürfnissen, bei Schule, Ausbildung, Arbeit, freie Arztwahl, bei der Wohnungssuche, bei dem Ort wo wir leben möchten, bei der Entscheidung wie wir unsere Pflege gestalten möchten, bei der Frage zu welchen Friseur wir können, wo wir unsere Freizeit verbringen können, wo wir Einkaufen können usw.? Es machen sich schon Menschen die in diesen Bereichen „Menschen mit Behinderungen“ arbeiten darüber den Kopf. Sicher wissen sie das es an Behindertentoiletten fehlt und an vieles mehr, was dies aber im Alltag für jeden einzelnen bedeutet, an Einschränkung von Lebensqualität, Einschränkung in der persönlichen Freiheit, selbst zu entscheiden was ich tun möchte, ohne hier regelmäßig zu planen zu organisieren., das können aber andere Menschen nicht nachvollziehen und nicht nach empfinden.
Stellen sich doch mal bitte einmal alle kurz die Frage, wenn Sie aus dem Haus gehen ob zum Einkaufen, zum Arzt, in die Kneipe, usw, machen sie sich hier erst Gedanken wo kann ich hin? Nein sie gehen einfach aus dem Haus und gehen dahin wohin sie möchten. Sie gehen um die Ecke in die Kneipe, trinken hier ihre Alkoholfreien oder was auch immer für Drinks, wenn sie mal müssen gehen sie einfach auf die Toilette in der Kneipe, wenn sie kein Auto mehr fahren können nehmen sie einfach mal eben den Nachtbus, nächsten Tag sitzt die Frisur nicht mehr auch kein Problem da hat an der Ecke ein günstig Friseur aufgemacht. Ihnen ist es egal ob hier Treppen sind oder nicht, ob hier Blindenleitwege ihnen behilflich sind, ob im Bus die Haltestellen angesagt werden, oder auf einen Display ab zu lesen sind. Sie haben sich ein Bein gebrochen auch kein Problem, sie können in jede Arztpraxis, wir nicht. Wir müssen erst mal recherchieren wo ist ein barrierefreier Arzt. Besonders schwierig hier auch für gehörlose Menschen, weil Gebärdensprache gehört leider nicht zu den Ausbildungsberufen.
Urlaub, sie holen sich Unmengen von Katalogen aus dem Reisebüro oder setzen sich ein wenig ans Internet. Oh da eine Reise im Angebot, und schon ist die Reise gebucht. Wir gehen ins Reisebüro wenn wir Glück haben weiß man da was z.B. ein Rollstuhlgerechtes Zimmer ist. Häufig ist dem aber nicht so. Im Internet gibt es auf den wenigsten Suchmaschinen Seiten die Rubrik Rollstuhlgerechte Hotelzimmer, (auf andere Behinderungen wie Gehörlose oder Sehbehinderte oder Blinde) wird hier gar keine Rücksicht genommen oder nur sehr selten. Eine Suche nach einen dementsprechenden Zimmer gestaltet sich aufwendig häufig kostenintensiv weil hier meistens teure Hotlines angerufen werden müssen. So sie denken sie haben alles abgefragt und versichert bekommen das alles ihren Bedürfnissen entsprechend ist. Sie haben hier natürlich kein Schnäppchen Angebot zur Verfügung. Sie kommen an, und leider hat man vergessen ihnen zu sagen das vor dem Hotel 6 Stufen sind. Kein Einzelfall.
Oder die Sanitärräume sind alles andere als barrierefrei. Leider auch kein Einzelfall.
Sie möchten im Urlaub nicht auf ein Auto verzichten, Problem, nicht wenn sie bereit sind hier bis zu 100 % mehr zu bezahlen. Außer in Amerika hier bekommen sie jedes Auto auch barrierefrei zu den gleichen Kosten.
Sie vereisen mit ihren Nicht behinderten Ehemann/Ehefrau. Das glaubt ihnen keiner, jeder versucht ihnen klar zu machen das der Mensch an ihrer Seite ihre Betreuungsperson ist. Weil Menschen mit Behinderungen haben Pfleger aber keine Partner.
Sie sind dann abends mit ihrem Partner („Pfleger“) im Restaurant und möchten gerne bestellen, Problem der Kellner fragt sie gar nicht erst, er warte auf die Bestellung ihrer Begleitung. Nimmt sie gar nicht zur Kenntnis. Sie gehen am nächsten Tag auf der Promenade spazieren, wenn sie es lieben das man ihnen hinter her gafft, sind sie mit einer Behinderung gut dran. Weil hier gaffen sehr viele.
Jetzt möchten sie aber in das verlockend kühle Meer zum baden. Ja wenn sie Glück haben ist ihr Partner stark genug sie ins Wasser zu tragen, wenn sie stark genug sind die Mitleidigen Blicke die ihren Rücken durch bohren zu ertragen.
So und jetzt sei hier noch mal die Anfangs Frage gestellt, auf was sollen wir Menschen mit Behinderung bitte noch Rücksicht nehmen? Wann fangen Menschen hier einfach mal an, unsere Bedürfnisse zu berücksichtigen, weil die unterscheiden sich nicht von denen die sie haben.
Also warum lässt man uns nicht einfach in Ruhe uns für unsere Rechte einsetzen. Mit allen Mitteln die wir für Richtig erachten, und mit allen Mitteln die wir auch bereit sind zu vertreten.
Weil wir sind hier nicht als Bitt Steller, wir sind hier als Menschen die, die gleichen Dinge für sich in Anspruch nehmen möchten, die Sie mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit jeden Tag tun können, über die Sie gar nicht mehr nachdenken.
Vielleicht denken Sie bei ihrem nächsten Gang aus ihrer Wohnung mal darüber nach, auf was wir alles verzichten müssen. Wären Sie bereit diese Einschränkungen jeden Tag auf sich zu nehmen. Nein! Wir auch nicht mehr.
