"WIR SIND PAPST"

So verkündete einst die Bild-Zeitung. Ich wurde schon damals nicht gefragt, obwohl ich Bürger dieses Staates bin, regelmäßig wähle und meine Steuern zahle.

Nach den hinreichend bekannten Vorfällen der letzten Tage und Wochen, ist es mir ein Bedürfnis mich ausdrücklich von diesem deutschen Papst, dem Vatikan und der Katholischen Kirche zu distanzieren. Ich bin zutiefst angewidert und empört darüber, wie hier unter dem Vorwand „die Einheit der Katholischen Kirche zu stärken“ reaktionärste (rückwärtsgewandte) Kräfte „in den Schoß der Kirche zurückgeholt“ werden.

Da leugnet ein hoher Würdenträger den Holocaust, wiederholt das auch noch öffentlich (nebenbei gesagt, ist das in Deutschland ein Straftatbestand) und dann erklärt der Vatikan sinngemäß „der Papst habe dem ja widersprochen.“ Ja und? Das ist doch nur „Sand in die Augen der Öffentlichkeit streuen“, denn es passt nicht zusammen, ist in sich unlogisch und absolut unakzeptabel, sich von den öffentlichen Äußerungen eines Würdenträgers zu distanzieren und ihn gleichzeitig zu rehabilitieren. Die lächerlichen Äußerungen des Vatikansprechers „der Papst habe nicht gewusst …“ wie bitte? sind nicht nur peinlich, sondern offensichtlich falsch.

Dass andere aus der „heim in den Schoß der Kirche geholten ‚Clique’“ sich nicht entblöden die „Harry Potter“ Kinderbücher und Filme als „Satanismus“ zu bezeichnen und die Opfer des Wirbelsturms „Kathrina“ zu brüskieren, indem sie den Wirbelsturm, der New Orleans verwüstete, als „Strafe Gottes für die sündige Stadt“ bezeichnen, „bringt das Fass jetzt endgültig zum Überlaufen.“.Dieser Herr Ratzinger aus der bayerischen Provinz, in der Rassismus („durchrasste Gesellschaft“ Edmund Stoiber), Antisemitismus und Homophobie das Denken vieler Menschen bestimmen, fügt der Katholischen Kirche schwerste Ansehensverluste und nahezu irreparable Schäden zu.

In früheren Jahrhunderten hat der Vatikan, wenn ein Papst untragbar wurde, die Angelegenheit häufig diskret und „endgültig“ gelöst. Das empfehle ich natürlich nicht. Aber … ein Rücktritt des Papstes (vielleicht mit „sanftem“ Druck von verantwortungsbewussten Beratern vorangetrieben) …? aber daran „glaube“ ich nicht!

Ich habe hier in diesem Forum erst kürzlich einen längeren Beitrag über fundamentalistische Evangelikale in den U.S.A. und Deutschland geschrieben „Zurück in die 1950er Jahre? Wollen wir das?“ Inzwischen habe ich den Eindruck Dummheit, Aberglaube und Hassparolen gegen Minderheiten sollen Schritt für Schritt wieder „gesellschaftsfähig“ gemacht werden.

Die Kritik von Bundeskanzlerin Merkel ist ein wichtiges Signal. Ich würde mir allerdings wünschen, dass es einen breiten gesellschaftlichen Konsens innerhalb unserer Gesellschaft gibt, der sich in Protestnoten, Zeitungsartikeln und öffentlichen Erklärungen äußert und den Vatikan zum Umdenken zwingt.

(Dieser Artikel wurde erstmals am 04.02.2009 bei ZEIT-ONLINE veröffentlicht)

© Jamerson akas Knüppel

Nachtrag:
Inzwischen hat der Papst öffentlich dazu aufgefordert die Holocaust-Leugnung unmißverständlich und in der Öffentlichkeit zurückzunehmen. Offenbar zeigen die massiven Proteste erste Wirkung.