Bei uns und anderen Säugern ist es so, dass die männlichen Exemplare das Bestreben haben, ihre Gene breit zu streuen. Dazu müssen sie möglichst viele Weibchen begatten, und dies gelingt nur den geschicktesten. Dadurch ist gewährleistet, dass sich nur die Besten der Besten reproduzieren können.
Die Weibchen suchen den genetisch Erfolgversprechendsten unter den Männern, damit ihr Nachwuchs die besten Überlebens- und Entwicklungschancen hat. Diese Eigenschaft erkennt sie zuerst an seinem sozialen Status, den er in einer Gesellschaft erworben hat, und dann an seinem Äußeren und seiner Sicherheit im Auftreten.
Die Männchen wollen sicher gehen, der alleinige Erzeuger des Nachwuchses oft eines ganzen Rudels von Weibchen zu werden, und oft töten Männchen die durch ihre Vorgänger gezeugten Jungen.
Natürlich hat sich dieses Auswahlsystem bei uns verfeinert, denn wir besitzen meist einen analytischen Verstand. Wir wissen genau, dass plumpes, übertriebenes Darstellen eher abstoßend wirkt. Wir würden auch niemals oder selten die Kinder unsere Vorgängers töten wollen, aber wenn eine Frau in den Augen des Mannes - subjektiv empfunden - deutlich zeigt, dass sie ihn auserkoren hat, spürt er zumindest den Drang, derjenige zu sein, der ihr den Nachwuchs ermöglicht.
An dieser Stelle setzt der Verstand und die Prägung des Mannes unseres Kulturkreises ein. Er weiß, dass Frauen sich nicht nur dann möglichst optimal präsentieren, wenn sie Lust auf einen Mann haben, sondern vor Allem um allgemeine Anerkennung zu erlangen und etwas zu gelten, oder einfach nur um mit anderen Frauen mithalten zu können. Deshalb wird der aufgeklärte Mann ihr diese Anerkennung zollen und versuchen, sie auf die speziell auf sie angepasste, angemessene Art für sich zu gewinnen.
Männer, die diesen Lernprozess nicht durchgemacht haben, deuten das Verhalten von Frauen oft falsch, geraten durch eine für sie reizvolle Präsenz der Weiblichkeit in Unruhe und verlieren nicht selten die Beherrschung.
In bestimmten Kulturkreisen anderswo sichern die Männer ihr Recht auf die alleinige Vaterschaft ihres Nachwuchses, indem sie den Frauen Sicherheit und Geborgenheit bieten. Dafür sind die Frauen traditionell und gemäß ihrer mütterlichen Erziehung bereit, sich anderen Männern nicht zu präsentieren oder den Reiz ihrer Optik zu reduzieren, damit die Gefahr für den Mann sinkt, nicht der Erzeuger des Nachwuches zu werden.
Je geringer die wirtschaftliche Abhängigkeit der Frau vom Mann ist, desto weniger ist sie bereit, sich seinen vermeintlichen Exklusivrechten unterzuordnen.
Wenn eine Frau unserer Sphären aus Unkenntnis oder Leichtsinn diesen traditionellen Deal in den betreffenden Kulturkreisen durchbricht und sich so zeigt, wie sie dies bei uns gefahrlos tun kann, kommt es oft zu beiderseitigen, verhängnisvollen Missverständnissen und Fehleinschätzungen.
Kein Mensch kann aus seiner Säugetier-Haut, wenn er sie nicht bereits in jungen Jahren, quasi mit der Muttermilch, aufgenommen hat
