Vor einer Woche rief mich mein Freund Thomas an. Er ist Marktmanager in einem großen Supermarkt im Nachbarort. "Fredi, ich hab ein Riesenproblem! Ich habe 1500 Weihnachtsbäume geordert, die sind da - aber die Firma, die den Verkauf organisieren soll hat abgesagt. Kannst du einspringen??"
Nachdem wir uns über die Konditionen einig wurden, habe ich zugesagt. Weihnachtsbäume verkaufen!! Und das ich! Hab doch mit Weihnachten nix am Hut. Das kann ja lustig werden...
Aber egal: Geld stinkt nicht - noch nicht mal nach Tannenduft.
Mit verordneter Popmusik aus dem Radio (die aktuellsten Charthits), einem Riesenpott Glühwein und schlechter Laune stand ich da. Mein Gott, sind die Leute wählerisch: Zu lang, krumm - der hat ja gar keine Spitze mehr...
Was machen die Leute für einen Aufstand, nur um sich für 14 Tage so ein Ding ins Zimmer zu stellen und den Teppichboden zu versauen.
Es war einfach ätzend - und saukalt!

Ein junges Paar mit einem kleinen Kind kam, der Vater zeigte auf mich und erlärte dem kleinen Mädchen: Der Mann bringt den Weihnachtsbaum zum Christkind, und das stellt uns den Baum heilig Abend ins Wohnzimmer und schmückt ihn.
Das kleine Mädchen lachte und strahlte mich mit großen Augen an. Wir suchten zusammen einen schönen Baum aus. Der Vater sagt leise zu seiner Frau: Geh du mit der Kleinen einkaufen, ich fahre schnell den Baum nach Hause.
Ich war ehrlich gerührt.

Einfach schön! Da glaubt ein kleines Mädchen ans Christkind.
Nee, jetzt erst mal andere Musik: Kleine Kinder und Danceloormusic - das passt nicht. Der AFN hatte schöne amerikanische Weihnachtslieder: Das passte!
Brooks & Dunn sangen Christmess in dixie.

Samstag vor Weihnachten: Die letzten Bäume zusammengestellt - was ist das??
Eine Geldbörse unter einem Baum!!
Die Dollarzeichen in meinen Augen funkelten:
Weihnachten an der Copacabana, oder lieber eine Kreuzfahrt in der Karibik?
Dagobert Duck (mein Vorbild) hat Bescherung!

Oder?

Ich schaute hinein: Knapp 100 € in bar, Personalausweis, Führerschein, EC - Karte und Quittungen vom Aldi.
Das Foto auf dem Personalausweis zeigte mir eine ältere Frau. Copacabana? Nee - konnte ich einfach nicht: Die Geldbörse im Büro abgegeben... vielleicht meldet sie sich ja??

Samstag nachmittag: Eine Frau fragte mich, ob eine Geldbörse bei mir abgegeben wurde. Ich erkannte sie wieder. Schickte sie ins Büro und habe mich gefreut!!! Nach einer Viertelstunde kam sie wieder zu mir raus, gab mir eine Flasche Sekt in die Hand, drückte mich ganz fest und sagte einfach nur: Vielen Dank - das ist alles was ich noch für diesen Monat habe - sie haben mir die Feiertage gerettet.

Samstag Abend: Die Bäume sind alle verkauft, ich fege den Platz sauber. Meine Gedanken sind bei dem kleinen Mädchen und der alten Frau: Habe ich zwei Menschen froh gemacht???

Ich hoffe ja - es ist ein einfach wunderschönes Gefühl!!!!

Auf der Erde liegen drei abgebrochene Äste - ich hebe sie auf: Jetzt will ich will auch einen "Weihnachtsbaum"!

Tja, so liegen die Zweige nun auf meinem Schreibtisch, die Kerzen brennen und ich genieße den Tannenduft - Frohe Weihnachten!