Wünsche haben zwei Gesichter. Das eine bezieht sich auf denjenigen zurück, der sie ausspricht: "Ich wünsche mir …". Gemeint ist: für mich. Das andere, das auf den Mitmenschen Gemünzte, lautet: "Ich wünsche dir …". Und um das geht es hier. Und doch auch wieder nicht. Zur Auflösung bitte weiter lesen.
"Wünsche" ist ein Lied, ein Lied, das ich vor vielen Jahren einem befreundeten Paar zu seiner Hochzeit geschrieben und auf dem Hochzeitsfest auch live vorgetragen habe. Damals mit Keyboard und Computer und einem der zu jener Zeit noch revolutionären Funk-Mikrofone, das ich mir zu diesem Zweck extra gemietet hatte. Sein Titel lautete "Sonne über euch". Das Paar und die Gäste freuten sich. Zwei Kinder später waren die beiden kein Paar mehr, ein Ereignis, das keine Gäste anzog. Das Lied verschwand in der Schublade. Es war nicht mehr zu gebrauchen.
Viele Jahre zogen durchs Land, als es wieder ein persönliches Jubiläum war, der 40. Geburtstag einer Tanzanleiterin, zu dem der Text wiederauferstehen sollte. Von ihr hatte ich die Schrittfolgen zu einer Menge bretonischer und anderer alter Volkstänze gelernt, deren Musik ich so liebe, vor allem, wenn sie live und auf historischen Instrumenten gespielt wird.
Es war ein Samstag im Oktober. In einem der Schlösser meiner Wahlheimat veranstaltete Isabell einen ihrer zahlreichen Bal folks. Man kann diesen Fachbegriff nach seinem Klang übersetzen: ein Ball fürs Volk. Gespielt wird die Musik, zu der man besagte Tänze tanzen kann. Isabell hatte am nachfolgenden Sonntag Geburtstag und es war irgendwie klar, dass sie mit dem Bal folk und ihren Gästen "hineinfeiern" würde. Auch klar war, dass die anwesenden Musiker dieses Ereignis nicht übergehen würden. Ich saß zuhause, weil ich wegen einer Knieoperation nicht tanzen konnte. Während ich Gitarre spielte kam mir plötzlich die Idee, Isabell einen musikalischen Glückwunsch zu überbringen. Im Spielen war mir auch etwas in die Finger geraten, was nach Ausbau schrie. Beim Durchblättern meiner Fragmente und alten, noch nicht verwerteten oder nicht mehr aktuellen Texte blieb ich an "Sonne über Euch" hängen. Der Text passte vom Versmaß und der Stropheneinteilung haargenau auf diese noch "leere" Musik. Also setzte ich mich dran und verfasste innerhalb von zwei Stunden jene Zeilen, die nun "Wünsche" betitelt sind. Mit hinein verarbeitete ich einen Teil eines anderen Konzeptes - was dort mal Refrain werden sollte, bildet hier nun die letzte Strophe. Der alte Refrain ist geblieben. Ich packte Gitarre und den noch druckfeuchten Text ein, schlich ins Schloss und fragte dort die Musiker, die ich alle kannte, ob ich mich um Mitternacht in die Anlage einstöpseln könne. All das war kein Problem. Und so trug ich die gerade mal zwei Stunden alten "Wünsche" vor. Das Lied schlug ein wie eine Bombe.
Nun bin ich an jener Stelle angelangt, an der man sich bei jedem "Wort zum Sonntag" fragt: Wie kriegt er jetzt die Kurve zum lieben Gott? Ohne Umschweife: "Wünsche" kann man sich anhören, wenn man mag, als Video auf YouTube. (Der Link öffnet sich in einem neuen Fenster oder Tab - je nach Browsereinstellung.)
Ich wünsch' euch was! War das als Eigenwerbung elegant genug? ;-)
Wünsche - Ich hab' da was ...
Ein musikalischer Gruß - verbunden mit ein wenig Trommeln in eigener Sache.
9 Platinern gefällt der Artikel
Gefällt mir auch
Kommentare zum Artikel